Anycubic Kobra X im Test: Top Druckbild, schnelle Farbwechsel und kaum Abfall

Schnelle Farbwechsel, wenig Abfall, stabiler Druckbettträger und dazu hervorragende Druckergebnisse. Das Ganze verpackt zum Budget von einem Einstiegsdrucker. In diesem Test schauen wir uns die Details und viele Druckbeispiele an, aber auch wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.

Wer mich kennt, weiß: Ich teste Drucker am liebsten im Alltagseinsatz und schaue dabei nicht nur auf Datenblätter, sondern vor allem darauf, wie gut es in der Praxis funktioniert, was super ist und wo es noch Schwachstellen gibt. Diesmal steht der Anycubic Kobra X auf der Werkbank.

Das Gerät wurde uns von Anycubic kostenfrei zur Verfügung gestellt. Es gab keine weiteren Absprachen.

 

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Bevor wir zum eigentlichen Test kommen: Der Kobra X ist ein neues Modell auf dem Markt. Während des Testzeitraums gab es ein paar Funktionen, die softwaretechnisch noch nicht optimal gelöst waren. Anycubic hat hier extrem schnell auf unser Feedback reagiert, fast alles direkt über Updates nachgebessert und auch viele Vorschläge zur Verbesserung aufgegriffen und direkt umgesetzt. Das ist absolut vorbildlich!

1. Unboxing & Inbetriebnahme

Der Aufbau gestaltet sich sehr einfach, da der Drucker gut verpackt und weitestgehend vormontiert ankommt. Die wesentlichen Schritte sind:

  • Das Verpackungsmaterial entfernen
  • Das Druckbett und das Portal miteinander verschrauben. Das geht auch ohne Probleme alleine, da das Portal dabei kaum festgehalten werden muss.
  • Die Befestigungsschrauben an der Z-Achse lösen.
  • Einige Kabel einstecken und Schläuche verbinden.

Der Lieferumfang beinhaltet neben dem nötigen Werkzeug eine Düsennadel, etwas Fett, 10 m Filament für das erste Benchy und einen kleinen Pinsel – vermutlich, um die Düse zu reinigen. Was ich, wie leider bei fast allen Druckern vermisse, ist ein Seitenschneider für das Filament. Gerade Anfänger haben sowas nicht immer griffbereit.

Wer etwas geübt ist, sollte das Auspacken und den Aufbau in 20 Minuten schaffen. Die Anleitung ist dank vieler Abbildungen selbsterklärend und sollte damit auch ohne Englischkenntnisse gut verständlich sein.

Die anschließende Kalibrierung und Vermessung macht der Drucker selbstständig. Auch das Einrichten von WLAN, Account etc. ist wie bei heutigen Druckern üblich, kein Problem.

2. Hardware & Technische Daten

Technische Daten von der Hersteller-Webseite

Bauraum (B × T × H) 260 x 260 x 260 mm3
max. Druckgeschwindigkeit Empfohlen: 300 mm/s,
Maximal: 600 mm/s
Max. Beschleunigung

Empfohlen 10.000 mm/s²,
Maximal: 20.000 mm/s²

Hotend-Größen Standard 0,4 mm (erweiterbar auf 0,25 / 0,6 / 0,8 mm); Düsenmaterial: Gehärteter Stahl
Max. Hotend-Temperatur 300 °C
Max. Heizbett-Temperatur 100 °C
unterstützte Materialien PLA / PETG / TPU* / PVA / PLA-CF / PETG-CF / ASA

Steuerung & Druckmethoden

Über Drucker, Slicer-Software, Anycubic App, USB (nur Drucken)

*Bitte TPU-Test lesen

Maximale Anzahl an Farben

Über den Kauf von bis zu vier ACE 2 Pro lassen sich beim Kobra X, der normalerweise 4 verschiedene Farben kann, bis zu 19 Farben drucken.

Das Prinzip: Maximal vier externe ACE-Boxen liefern 16 Farben. Sie belegen einen Anschluss am Druckkopf. Zusammen mit den drei verbleibenden Anschlüssen am Drucker ergibt das genau 19 Farben. Die Farbwechselzeiten über den ACE-Anschluss sind allerdings höher als an den anderen drei Anschlüssen.

Getestet habe ich das allerdings nicht, da ich kein ACE 2 Pro habe und mein ACE Pro (1. Generation) nicht kompatibel ist.

Hardware

Die gesamte Hardware (Portal, Bettträger etc.) ist extrem stabil und massiv gebaut. Die Y-Schienen wurden im Vergleich zum Kobra 3 deutlich verbessert: Man muss nichts mehr einstellen und sie laufen von Anfang an absolut leichtgängig und spielfrei.

In X-Richtung ist eine Kugelumlaufschiene verbaut – von der Bauart her die hochwertigste Art der Linearführungen, die im Maschinenbau üblicherweise verwendet werden.

Druckbett

extrem stabiler Druckbett-Träger – so muss das sein

Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Der extrem stabile Druckbett-Träger ist mit Kühlrippen ausgestattet, die vermutlich einem thermischen Verzug beim Aufheizen entgegenwirken sollen. Das funktioniert – wie man am First Layer sieht – übrigens hervorragend.

3. Erster Druck & Handling

Bei der alltäglichen Bedienung zeigt sich der Kobra X von seiner benutzerfreundlichen Seite. Das Menü und die Steuerung am Display sind extrem intuitiv gestaltet – hier findet man sich auch ohne Anleitung sofort zurecht.

Auch das manuelle Einfädeln von Filament geht supereinfach: Das Filament muss von Hand in den Bowden-Schlauch geschoben werden. Sobald es weit genug vorgeschoben ist, ertönt ein praktischer Signalton. So stelle ich mir das vor. Anschließend lassen sich Materialart und Farbe bequem direkt am Display einstellen. Das funktioniert im Alltag schnell und problemlos.

Original Anycubic-Filament hat zusätzlich eine RFID-Erkennung. Der Drucker unterstützt hier zwar auch das automatische Einlesen per RFID-Chip, allerdings ist die Umsetzung unnötig kompliziert geraten: Anstatt die Spule einfach einzusetzen, muss man dem Drucker erst über das Display mitteilen, dass man ein RFID-Filament auf einem bestimmten Spulenhalter (1–4) einlesen möchte. Der Kobra X fährt daraufhin das Druckbett nach hinten. Als Anwender muss man nun die Filamentspule absuchen, den Chip ausfindig machen und ihn vorne links exakt auf einen Aufkleber am Drucker halten. Erst danach kann man manuell einfädeln.

Beim Einfädeln von Filament, auch mit RFID-Chip ist man wesentlich schneller, wenn man Material und Farbe einfach in wenigen Sekunden manuell über den Touchscreen auswählt und das funktioniert wie gesagt super!

Lautstärke

Beim eigentlichen Drucken ist der Kobra X recht leise – vor allem, weil er die Lüfter nur dann einschaltet, wenn er sie tatsächlich benötigt. Auch wenn der Bauteillüfter maximal aufdreht, ist dieser angenehm leise. Leider gibt der Drucker während des Drucks und beim Abkühlen jedoch einen dauerhaften, hochfrequenten Ton von sich. Ich habe hier den Coldend-Lüfter im Verdacht. Im Wohnzimmer oder direkt am Arbeitsplatz möchte ich ihn daher eher nicht stehen haben.

Insgesamt ist der Drucker sehr bedienerfreundlich und macht einen guten ersten Eindruck!

4. Druckqualität

Benchy, Kalibrierungstest, First Layer und verschiedene Testdrucke: Die Druckqualität überzeugt.

Ich habe beim Benchy-Test ganz bewusst ein selbst geslictes Benchy gedruckt, da ich mit diesen Einstellungen auch später arbeite – das ist deutlich aussagekräftiger als ein speziell vorgeslictes Modell, bei dem kräftig optimiert wurde.

Das Ergebnis: sehr gute Überhänge, schöne Brücken, keine erkennbaren VFAs (Vertical Fine Artifacts) sowie kein bis kaum Ringing. Alles absolut überzeugend und deutlich besser als bei vielen vergleichbaren Druckern dieser Preisklasse. Top!

Die Benchy-Bilder sind wie immer unter fiesem Licht aufgenommen, sodass man selbst die kleinsten Fehlstellen erkennen kann. Ohne diese Ausleuchtung würden sie gar nicht auffallen:

  • Das gelbe Benchy besteht aus PLA, das magentafarbene aus PETG.
  • Beide Benchys wurden mit den Standardprofilen in 0,2 mm Schichthöhe gedruckt.

Kleiner Hinweis am Rande: Zwar sehen die PETG-Ergebnisse mit dem Standardprofil optisch top aus, für echte Stabilität braucht es aber noch ein paar Anpassungen in den Slicer-Einstellungen – ein Punkt, bei dem leider alle mir bekannten Hersteller ihre Profile eher auf Optik als auf Stabilität trimmen.

 

Druckqualität am Beispiel eines Modells

Dieser kleine Igel von MatMireMakes hat es mir gerade angetan, also habe ich 10 Stück davon gedruckt – mal wieder.

Kleiner Tipp für Druck-Anfänger: Reinigungsturm und Poop, also der ganze Abfall, entstehen bei jedem Druck und unabhängig davon wie viele Igel auf der Druckplatte landen. Wer Abfall vermeiden möchte und Freunde hat, die sich auch über das Modell freuen würden, druckt am besten gleich ein paar mehr.

First Layer Test

Auch der First Layer – also die allererste Materialschicht auf dem Druckbett – überzeugt beim Kobra X absolut: Sie ist geschlossen, gleichmäßig und weist keinerlei Fehlstellen auf. Das ist mit Sicherheit auch ein Stück weit dem extrem stabilen Druckbettträger zu verdanken.

KSR-Kalibrierungstest

Wie gut der Drucker feine Details und schwierige Geometrien beherrscht, zeigt der KSR-Testdruck, der verschiedene Herausforderungen im Druckalltag testet: Selbst kritische Überhänge und frei schwebende Brücken gelingen auch dank der effizienten Kühlung ohne Durchhängen extrem sauber. Bei den Spitzen gibt es kein Stringing und die Außenwände überzeugen mit einer perfekt glatten Oberfläche. So gut und fehlerfrei habe ich das bisher bei kaum einem Drucker gesehen.

Auch die Maßhaltigkeit bewegt sich im grünen Bereich: Sämtliche Maße weisen eine geringe, aber gleichmäßige Abweichung von 0,1 bis 0,2 mm im Untermaß auf. Beim Toleranztest waren vier Zylinder sofort lose und der Zylinder mit der engsten Toleranz konnte ohne Kraft gelöst werden.

Vertical Fine Artifacts Test

Um die Vibrationsmuster noch genauer zu analysieren, haben ich zusätzlich einen VFA-Tower gedruckt. Dieser Testturm hilft dabei, den optimalen Geschwindigkeitsbereich des Druckers zu ermitteln – also genau die Einstellungen, bei denen das Druckbild am saubersten und frei von störenden Oberflächenwellen bleibt.

Das Ergebnis sieht, wie bei Bettschubsern meist üblich, recht gut aus. Lediglich im langsameren Bereich von 30 bis 90 mm/s zeigen sich teils leicht sichtbare VFAs. Diesen Geschwindigkeitsbereich sollte man nach Möglichkeit meiden. Da man beim modernen 3D-Druck – abgesehen von speziellen Anwendungsfällen wie transparentem Filament – ohnehin deutlich schneller unterwegs ist, spielt das im Alltag kaum eine Rolle. Alles in allem bewegt sich der VFA-Tower im grünen Bereich.

Farbwechsel, Zeiten & Ausschuss

Beim Mehrfarbdruck trennt sich bekanntlich die Spreu vom Weizen. Um herauszufinden, wie effizient das System des Kobra X arbeitet, habe ich die Zeiten beim Filamentwechsel sowie den entstehenden Abfall genau nachgemessen.

Reine Wechseldauer inklusive Reinigungsturm

Beim klassischen Farbwechsel zeigt sich folgendes Bild:

Farbwechsel Dauer (Modell zu Modell, inkl. Turm)
Blau nach Gelb 1 Min. 10 Sek.
Gelb nach Blau 57 Sek.
Schwarz nach Weiß 1 Min. 12 Sek.
Weiß nach Schwarz 48 Sek.

Diese Wechselzeiten sind für einen Drucker mit nur einem Hotend extrem schnell. Die meisten ähnlich aufgebauten Drucker benötigen hier im Schnitt 1 Minute und 30 Sekunden pro Wechsel. Mit echten Toolchangern lässt sich das zwar noch nicht vergleichen – diese spielen allerdings auch in einer ganz anderen Preisliga. Für die Preisklasse von Einstiegsdruckern ist die Farbwechselzeit absolut top!

Auch die voreingestellte Reinigungsmenge ist meist ausreichend: Ich habe dazu testweise einen weißen Zylinder mit einem schwarzen Punkt gedruckt. Gäbe es hier ein Color Bleeding – also eine Verunreinigung der hellen Farbe durch Rückstände der dunklen –, würde man das auf der weißen Fläche sofort sehen.

Ich habe sechs kleine, mehrfarbig bemalte Mäuse gedruckt. An den feinen Details der Ohren erkennt man, dass die voreingestellte Spülmenge zwischen Schwarz und Rosa doch etwas knapp bemessen ist. In einem zweiten Durchlauf habe ich den Multiplikator bei der Reinigungsmenge von 0,7 auf 1,0 erhöht, um ein Color Bleeding komplett zu verhindern.

Geringe Abfallmenge

Die Abfallmenge mit 24 g bzw. 29 g bei höherem Reinigungsvolumen ist für 84 durchgeführte Farbwechsel hingegen sehr gering. Auch war die Druckdauer mit 3 Std. 6 Min bzw. 3 Std. 10 Minuten recht kurz.

Zum Vergleich: Der Bambu A1 benötigt bei exakt diesem Modell 5 Std. 6 Min. und hat 44 g Abfall. Der Creality SparkX i7 benötigt 4 Std. 40 Min. und hat 42 g Abfall. Bei anderen Modellen sind die Unterschiede in der Druckdauer aber weniger hoch. Die Reinigungs- und damit Abfallmenge beim Kobra X bleibt aber wesentlich geringer.

Druckplatte

perfekte erste Schicht und schöne Oberfläche dank der fein strukturierten PEI-Druckplatte

Während andere Drucker mit einer recht groben Druckplatte ausgeliefert werden, setzt der Kobra X auf eine sehr fein strukturierte PEI-Platte. Das gefällt mir sehr gut, denn so eignet sie sich auch bestens für Modelle, bei denen die erste Schicht besonders wichtig ist – ohne dass ich extra eine andere Druckplatte kaufen muss. Zudem gibt es kein Stringing auf der ersten Schicht, was gerade für diesen schönen Schmetterling entscheidend ist.

Miniatur-Challenge

Miniaturen sind für FDM-Drucker immer eine gewisse Herausforderung. Normalerweise werden diese mit einer anderen Nozzle-Größe, also 0,2 mm statt 0,4 mm gedruckt. Die hatte ich aber nicht. Daher habe ich die Tests mit einem 0,4 mm Hotend gedruckt. Beim kleinsten Benchy fehlt der Kamin. Der Slicer hatte mich informiert, aber ich wollte mit dem Wandgenerator Klassisch drucken. Mit Arachne wäre es vermutlich gegangen. Nächstes Mal höre ich auf den Slicer.

Auch bei beweglichen Tierchen ist es wichtig, dass sich die Gelenke möglichst gut bewegen lassen. Beim Drucker muss dafür die Kühlung gut sein und verschiedene Einstellungen richtig gesetzt sein. Auch hier mache ich einen Miniaturtest und schaue, wie klein kann ich die Tierchen noch skalieren.

In meinem Test hat sich eine auf 50 % skalierte Maus noch lösen lassen. Das ist gut und damit lassen sich bewegliche Tierchen wie die oben gedruckten Mini-Mäuse und ähnliches sehr gut drucken. Zum Vergleich: Die mehrfarbigen Mäuse hatte ich auf 60 % skaliert.

Der TPU-Test – oder: Wie baue ich meinen Extruder auseinander?

Laut Hersteller soll der Kobra X mit TPU 95A umgehen können. Im Netz finden sich dazu auch zahlreiche Videos, bei denen das problemlos klappt – teils sogar mehrfarbig. Ungefähr genauso häufig stößt man jedoch auf Bilder wie diese – und ja: Die Aufnahmen stammen von mir.

Im Nachhinein bin ich froh, blaues TPU verwendet zu haben: Auf dem dritten Foto erkennt man extrem gut, wie massiv sich das weiche Material – trotz externer Zuführung exakt nach Anleitung aus dem Anycubic Wiki – im Extruder um die Zahnräder gewickelt hat.

Die offizielle Reparatur-Anleitung im Anycubic Wiki für diesen Problemfall ist super, liest sich aber bereits erschreckend aufwendig. Ich habe daraufhin einen befreundeten Maschinenbauer gebeten, den Druckkopf zu zerlegen. Doch selbst er stieß aufgrund der extrem kompakten Bauweise und der vielen feinen Kabel an seine Grenzen und war froh, dass alles wieder funktioniert hat: Um das TPU vollständig zu entfernen, musste der komplette Extruder-Kopf inklusive der ACE-Einheit in seine Einzelteile zerlegt werden.

Mein Fazit an dieser Stelle: Zumindest unser Kobra X kann definitiv kein TPU 95A.

5. Software, Firmware & Ökosystem

PC-Software Anycubic Slicer Next

Die hauseigene PC-Software Slicer Next steht für Windows, Mac und Ubuntu (Linux) bereit; getestet habe ich die Windows-Version.

Ein Slicer zerlegt 3D-Modelle in einzelne Schichten und übersetzt sie in Befehle, die der Drucker versteht. Die hauseigene Software Slicer Next – die auf dem beliebten Open-Source-Slicer OrcaSlicer basiert – überzeugt dabei mit der sogenannten „Arbeitsfläche“: einer sehr gelungenen Übersicht über alle wichtigen Druckerdetails. Auch das Umschalten zwischen Cloud- und LAN-Modus funktioniert problemlos.

Makeronline & Smartphone-App

Das Ökosystem umfasst unter anderem die Modellplattform Makeronline. Diese bietet – ähnlich wie Makerworld – sehr viele Modelle, die direkt per Smartphone-App gedruckt werden können. Ebenfalls gibt es ein Punktesystem, bei dem man beispielsweise für das Hochladen eigener Modelle Punkte sammelt und diese in Shop-Gutscheine umwandeln kann. Sowohl bei der Anzahl und Qualität der Modelle als auch beim Druck mit der Smartphone-App liegt die Konkurrenz aktuell noch vorne.

Der Druck per Smartphone-App funktioniert grundsätzlich gut. Etwas verwirrend war für mich jedoch der Ablauf: Ohne Filamentfarbe oder sonstige Einstellungen vornehmen zu können, sollte ich auf „Print“ klicken. Erst einige Klicks später konnte ich Farbe und ähnliches auswählen und den Druck tatsächlich starten. Hier würde ich mir wünschen, dass alles auf einer Übersicht zu finden ist oder der Button „Print“ erst ganz zum Schluss kommt.

Auch die Option Fuzzy Skin bei dieser Herz-Vase – also die gezielt rau strukturierte Oberfläche an den senkrechten Außenwänden – sorgt für Verwirrung: Während Slicer Next am PC die Einstellung korrekt übernimmt, ignoriert die Smartphone-App diese Einstellung schlichtweg und druckt das Modell stattdessen mit glatter Oberfläche.

LAN-Modus

Der Drucker verfügt über einen echten LAN-Modus. Das bedeutet, man kann Druckdaten direkt über das lokale Heimnetzwerk (WLAN) an den Kobra X senden und den Status in Slicer Next überwachen – völlig ohne Registrierung oder Account bei Anycubic.

Der LAN-Modus funktioniert auch dann, wenn ich der IP-Adresse des Druckers über den Router den Zugang zum Internet sperre, also der Drucker tatsächlich offline ist.

Die Aktivierung des LAN-Modus erfolgt bequem über das Drucker-Display, das dann auch direkt die vergebene IP-Adresse anzeigt. Alternativ lässt sich der Drucker in Slicer Next auch ganz einfach über die automatische Gerätesuche im Netzwerk finden und verknüpfen.

Dank unseres Verbesserungsvorschlags zählt der Drucker nun auch alle Druckstunden, welche per LAN-Modus oder USB-Stick gestartet werden. Das ist super und war bei älteren Anycubic-Modellen nicht der Fall.

Kamera & Live-Stream

Kamera in Slicer Next

Die Kamera liefert – egal ob per App oder am PC – ein absolut flüssiges Bild, wodurch sich der Druckfortschritt aus der Ferne gut beobachten lässt. Seit dem neuesten Update von Slicer und Smartphone App gibt es sogar jeweils eine Vollbildansicht und man kann in guter Auflösung den Druck beobachten.

Kleiner Bug: Anzahl der Farbwechsel

Ein Bug, der inzwischen großteils korrigiert wurde, ist die benötigte Anzahl an Farbwechseln. Slice ich das gleiche Modell mit dem Kobra 3, ist die Zahl der Farbwechsel, vor allem bei importierten 3MF-Dateien oft geringer. Zu Beginn waren diese Unterschiede vereinzelt gravierend (z. B. 133 Farbwechsel statt 83 Farbwechsel), inzwischen ist der Unterschied so gering, dass es quasi keinen Unterschied mehr macht (z. B. 130 statt 119 Farbwechsel).

Kleiner Trick: Wenn ich ein neues Modell lade und zuerst mit dem Kobra 3 slice und dann auf den Kobra X umschalte, erhalte ich oft ebenfalls die geringere Anzahl an Farbwechseln.

Fehlererkennung am Drucker

Auf dem oberen Foto einer weißen Filamentspule sieht man einen klassischen Knoten bzw. eine Verwicklung. Das passiert, wenn man wie ich beim Einfädeln nicht sorgfältig genug war. Normalerweise erkennt und meldet ein 3D-Drucker hier einen Fehler. In meinem Fall bemerkte der Drucker nicht, dass kein Material mehr gefördert wurde, und druckte munter in die Luft weiter.

Eine weitere Funktion des Druckers ist das Filament-Backup. Dieses hat in meinem Test problemlos funktioniert, ich musste diese Version jedoch erst aktivieren.

Tipp: Aktiviert diese Funktionen also gleich am besten bei euch.

Ihr findet diese Einstellungen unter Kontrolle > Unterstützung > Druckhilfe

 

Fremdsoftware – Orca-Slicer

Da die Frage sicher kommt: Die Nutzung von Orca-Slicer per USB-Stick und damit komplett offline funktionierte im Test. Das ist wichtig, da manche User den Drucker im Keller stehen haben und es dort einfach kein WLAN gibt oder aus anderen Gründen den Drucker nicht ins Heimnetz nehmen können oder wollen.

Über WLAN funktioniert Orca-Slicer standardmäßig leider nicht. Für Bastelwillige gibt es aber die Software KX-Bridge, mit der man wohl auch per LAN-Modus Orca-Slicer nutzen und dann per Netzwerk drucken kann. Die Firmware-Erweiterung bzw. Custom-Firmware Rinkhals steht für den Kobra X nicht zur Verfügung.

6. Support & Ersatzteile

Für den Kobra X gibt es sowohl auf der offiziellen Anycubic-Website als auch auf den einschlägigen chinesischen Plattformen bereits reichlich Zubehör und Ersatzteile.

Einen ganz wichtigen Fortschritt finde ich, dass Anycubic mittlerweile auf einheitliche Druckplatten für verschiedene Druckermodelle setzt: So kann ich beispielsweise meine Druckplatten vom Kobra S1 problemlos auch für den Kobra X nutzen.

Den Support musste ich für den Kobra X bisher nicht kontaktieren. Bei anderen Anycubic-Druckern konnte ich in der Vergangenheit aber positive Erfahrungen sammeln.

7. Persönliches Fazit

Das war super:

  • Absolut überzeugende Druckqualität: Bereits mit den mitgelieferten Standardprofilen werden hervorragende Ergebnisse erzielt.
  • Schnelle Farbwechsel und wenig Abfall (Poop): Für einen Single-Hotend-Drucker sind die Wechselzeiten extrem kurz. Auch muss nach dem Druck nur sehr wenig Filament-Abfall entsorgt werden.
  • Intuitive Bedienung: Sehr klares Feedback im Menü und praktische Signale (z. B. beim manuellen Einfädeln von Filament).
  • Solide Mechanik: Extrem stabile Bauweise, kugelgelagerte Linearführungen in X-Richtung und ein massiver Druckbett-Träger.
  • Perfekter First Layer: Die erste Materialschicht gelingt ab Werk absolut geschlossen und fehlerfrei.

Das hat mich nicht überzeugt:

  • TPU 95A: Bei uns massive Probleme mit TPU 95A. Die Zerlegung des Extruders ist eine Herausforderung.
  • Kleinere Bugs: Die Anzahl an Farbwechseln ist etwas zu hoch. Ich habe aber Hoffnung, dass Anycubic hier nachbessern wird.
  • Fehlererkennung: Die Fehlererkennung funktioniert noch nicht richtig.

Fazit: Wer einen günstigen 3D-Drucker für PLA und PETG mit hervorragender Druckqualität sucht, bekommt beim Kobra X sehr viel für sein Geld. Auch der schnelle Filamentwechsel und vor allem die geringe Abfallmenge im Vergleich zu anderen Druckern mit einem Extruder haben mich im Test überzeugt.

Angebot mit Gutschein:

Kaufen könnt ihr den Kobra X inklusive Farbwechselsystem direkt bei Anycubic – wer unseren Gutscheincode drucktipps3d an der Kasse eingibt, bekommt den Kobra X mit 15,- Euro Rabatt für günstige 264,- Euro

 

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2 Kommentare

  • Weinfeste sind vorbei. Und zack steht wieder ein neuer Drucker im Blog. Laß mich kurz überlegen, woran mich der Drucker erinnert… Stimmt. der i8 von Dingens. Ist doch wirklich zu blöd, daß die Drucker fast durch die Bank solche Probleme mit TPU haben. Ja was soll ich noch weiter dazu sagen. Du hast es schon geschrieben. Der Abfall darf dennoch gerne weniger werden. Dennoch ein toller Bericht! Danke!

  • Prima Testbericht! Der macht Lust auf den Drucker. Schade, dass ich wegen Platzallergie ein amtsärztliches Kaufverbot für 3D Drucker habe. 😉
    Gruß Fritz

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