Flashforge Creator 5 Pro – ein 4-fach Toolchanger

Mehrfarbig 3D-Drucken ist ja mittlerweile mit den ganzen Hin-und Her-Spulsystemen (AMS, ACE, CFS, CANVAS, …) schon im Einstiegsbereich Standard, aber es geht noch besser: mit einem Toolchanger. Und davon kommen gerade dauernd neue Modelle auf den Markt, jetzt auch von Flashforge: der Creator 5 Pro.

 

Eigentlich sind es sogar zwei Modelle: der Creator 5 und der Creator 5 Pro.
Hier soll es aber um letzteren gehen, da dieser meiner Meinung nach das bessere Preis-/Leistungsverhältnis hat und ich einen geschlossenen Drucker brauche.

 

Der Flashforge Creator 5 Pro ist ein mittelgroßer, vollständig eingehauster, schneller Core XY 3D-Drucker mit 4-fach Toolchanger, d.h. er hat vier Düsen, kann also innerhalb weniger Sekunden zwischen vier Filamenten wechseln. Die Umspul-Systeme brauchen für jeden Wechsel bis zu zwei Minuten!

Den Drucker habe ich mir von meinem eigenen Geld gekauft, alle hier getätigten Aussagen geben also meine eigene ehrliche Meinung wieder.

Das ist nicht mein erster Toolchanger, ich habe auch einen Prusa XL 5T und hatte einen Snapmaker U1. Toolchanger sind einfach die Zukunft im FDM-3D-Druck, schade dass Bambu Lab da noch nichts hat.

 

Die Haupteigenschaften lt. Flashforge:

4 unabhängige Werkzeugköpfe – Echte Mehrfarben- und Mehrmaterialfähigkeit

Bis zu 500 % schnellerer Mehrfarbendruck
Null Spülwasserverluste, maximale Effizienz
Hochgeschwindigkeitsleistung (600 mm/s)
Vollautomatische Kalibrierung und Nivellierung
Makellose Druckqualität dank intelligenter Kompensation
Multimaterialfähigkeit in einem Druckvorgang
Vollständig geschlossener, starrer Rahmen für maximale Stabilität
Aktiv beheizte Kammer bis zu 65 °C
Fortschrittliche Luftfiltration mit HEPA und Aktivkohle
Kontinuierliches Luftstromsystem für stabiles Drucken

 

Meine Kaufgründe:

Mir kam es neben dem Toolchanger-System darauf an, dass der Drucker voll eingehaust ist, die Bauraumheizung kann auch nicht schaden. Der Bauraum von 256 mm in allen drei Achsen reicht mir auch. Der Prusa XL ist mir zu klobig und technisch veraltet, der Snapmaker U1 leider nicht geschlossen. Also warum nicht noch einen holen, vielleicht passt der ja zu 100%.

 

Und nun meine Bildergeschichte von Aufbau und Inbetriebnahme:

 

Alles sicher in viel Hartschaumstoff im Drucker verstaut.
Die vier Köpfe, ab Werk schon fertig mit ihrem Dock verbunden.

Zubehör.

Anleitung und mal wieder nur ein paar lächerliche Gramm Testfilament.

Vier 1 kg Spulen Flashforge High Speed PLA, extra gekauft.

Leer.

Von vorne und von oben.

Linke Innenseite mit dem Kopfschlitten.

Rechte Innenseite mit den Kopf-Parkplätzen.

Rechte Außenseite, da kommt das Extruder-Dock rein.

Einfach reingeschoben, zwei Schrauben, fertig.

Bausatz für die Haube.

Nach ein paar Minuten fertig zusammengesetzt.

In voller Pracht von vorn.

Und von rechts mit den vier Eingängen und vier Spulenhaltern für vier Filamente.

Von hinten.

Und von links.

Links innen, hier ist auch die zusätzliche Bauteilkühlung zu sehen.

Rechts innen: alle vier Köpfe geparkt.

Ein Kopf von hinten mit ziemlich komplexer Aufnahme-Mechanik.

Und von vorne, rechts der Hebel des manuellen Filamentschneiders.

Der Kopf-Schlitten von unten mit Bauteilkühlung von zwei Seiten.

Und in Frontansicht, echt massiv!

Der Pin ist zum Leveln da.

An die Cloud binden kann übersprungen werden, gut.

Heizbett vor dem Kalibrieren losschrauben!

Die Kalibrierung dauert dann mal ca. 40 Minuten.

Gegen Ende muss die Heizbett-Auflage entfernt werden…

…damit in dieser Vertiefung die Offsets der vier Düsen gemessen werden können.

Endlich betriebsbereit.

Jetzt die Materialien und Farben einstellen, jedes Filament einzeln laden.

Das sind die vorinstallierten Modelle.

Das Benchy geht mir zu lange, also die FF-Münze.

Etwas langweilig, aber alle vier Farben verwendet.

 

Fein, der Drucker funktioniert.

Aufbau und Einrichtung gingen etwas schneller als beim Snapmaker U1, weil man nur ein Kabel und gar keine Schläuche verlegen und befestigen muss. Vom Prusa XL reden wir erst gar nicht, da dauerte das Stunden, wirklich.

Es fühlt sich alles massiv und stabil an, selbst bei der Haube muss man keine Angst haben, dass sie auseinander fällt. Man kann sie komplett nach oben abnehmen, sodass man überall im Bauraum hinkommt.

Die PEI-Platte für das Druckbett ist fein strukturiert und wird magnetisch fest auf dem Bett gehalten. Auch der Anschlag hinten ist gut gelöst, es wird sauber geführt.

Zum Einlegen muss das Filament manuell bis zum Druckkopf geschoben werden, an diesem der Andruckhebel etwas entspannt werden, dann geht’s noch ein paar Zentimeter weiter rein.

Zum Entladen muss der Hebel fester gedrückt werden, damit das Filament im Kopf abgeschnitten wird. Dazu den Kopf am besten aus der Halterung nehmen, sonst ist es etwas eng.

Dieser Vorgang ist nach 3,5 Jahren mit automatisch ladenden AMS-Systemen erstmal ungewohnt, aber unproblematisch.

Das automatische Laden am Snapmaker U1 ist da schon komfortabler, aber zum nur manuell möglichen Entladen muss dieser die Düse aufheizen, da er keinen Filamentschneider hat.

 

Jetzt zu Firmware und Software:

Die Firmware ist Klipper, aber davon ist ab Werk nichts zu sehen. Funktioniert aber auch so. Firmware-Updates kamen während der Tests auch ein paar, unbedingt machen!

Natürlich ist die „eigene“ Slicer-Software „Flash-Studio“ nur wieder ein Fork vom Orca-Slicer.

Ich hasse das, wenn ich für jeden Drucker eine „eigene“ Software benutzen soll. Viel komfortabler für den Benutzer und weniger aufwändig für den Hersteller wäre es, einfach ein paar saubere Profile für den universellen Orca-Slicer mitzuliefern.

Seltsamerweise ist die Kamera-Darstellung in Flash-Studio sehr langsam, maximal 2-3 Bilder pro Sekunde.

Ich bin dann auch bald auf Orca Slicer umgeschwenkt, das den Drucker mittlerweile direkt unterstützt, auch wenn dort die Steuerung und Kamera-Überwachung des Druckers noch nicht gehen. Drucken über WLAN funktioniert aber.

Einrichtung in Orca Slicer:

Host Type: Flashforge
Printer Agent: Orca
Am Drucker:
– Settings -> Network -> LAN only Mode: aktivieren
– Device ID: am Drucker ablesen
-> In Orca eintragen unter: API Key / Password
– Settings -> Basic Settings -> Device Info
– Serial No.: SN…
-> In Orca eintragen unter: Serial Number

Achtung: die Seriennummer muss dabei so eingegeben werden, wie sie am Drucker angezeigt wird, also inkl. „SN“ am Anfang.

Es gibt schon einen Jailbreak aus der Community, der Klipper freischaltet, inkl. Geräte-Steuerung und flüssig laufender Kamera, aber ich würde noch warten, da Flashforge versprochen hat eine offene Klipper-Version nachzuliefern.

 

Ein paar weitere Eindrücke:

Es wird beim Wechseln der Farben / Materialien innerhalb eines Druckauftrages außer des Abstreifturmes gar kein Müll erzeugt. Das schaffen nur Toolchanger.

Die Bauteilkühlung ist stark genug, sodass der Drucker auch bei PLA geschlossen bleiben kann. Laut Kreativling sogar bei 12-24 h lange dauernden Drucken.

Die Bauraumheizung funktioniert, ASA-Drucke gelingen.

Also passt auch die Bettheizung.

Der Drucker ist nicht arg laut, bei geschlossener Türe und Haube bleibt er unter 55 dB, offen unter 60 dB.

Besonderes das Aufnehmen und Ablegen der Köpfe ist leise, der Snapmaker U1 klackert bei Letzterem.

Der Wechsel von einem Kopf zum nächsten dauert inkl. Druck des Abstreifturmes nur ca. 15 Sekunden.

Die Druckqualität ist einwandfrei, auch die vier Köpfe sind absolut perfekt zueinander kalibriert.

Die Konfiguration der Filamente wird zumindest in Orca Slicer nicht zwischen Drucker und Slicer synchronisiert. Mit Flash-Studio soll es wohl gehen.

Die Vorlaufzeit vor dem Drucken dauert pro verwendetem Kopf ca. 3-4 Minuten, dabei wird nur das Hotend gespült, in die Luft, es gibt ab Werk keinen Auffangbehälter.

Die Fehlerbehandlung, z.B. bei ausgehendem Filament oder fehlender Bauplatte ist noch verbesserungswürdig. Das kann aber sicher durch ein Firmware-Update gelöst werden.

Der kapazitive Touchscreen reagiert manchmal etwas träge, speziell wenn der Bildschirmschoner aktiv ist.

 

Ein paar meiner Testdrucke:

Monochromes Benchy.
Uwe’s Testwürfel.
3-farbiger OmNom.
Schräg gestreiftes Verkehrshütchen.

Ich finde alle sehr gut gelungen, auch wenn es recht simple Modelle sind.

 

Von Kreativling sind diese wunderschönen Drucke:

Alle aus PLA, wenn nicht anders vermerkt.

Das im Drucker vorgeslicete Benchy.
Milka-Benchy, selbst gestaltet.
Ein paar Igelchen.
Baum mit Faultieren.
Zu was gehört das wohl?

Dazu.

Ein Eichhörnchen!
PEBA-Ball mit PLA-Supports.

PETG-Deckel auf einer Carbon-Effekt-Platte gedruckt.

Schmetterlinge aus PETG auf Glitzersternchen-Effekt-Druckplatte.

 

Fazit:

Besonders zum Preis von aktuell 829,- € ist das ein toller Drucker für jemanden, der viele richtig bunte Sachen drucken will.

Aber auch normale Dinge oder Teile aus technischen Materialien wie ASA gehen problemlos.

Ich denke, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, den Flashforge Creator 5 Pro behalten und den Snapmaker U1 weitergegeben zu haben.

 

Werbung:

Hier bei Amazon für 829,- € erhältlich.

oder im Flashforge Official EU Store

Creator 5 Pro
https://flashforge.sjv.io/zz0YJW

Creator 5
https://flashforge.sjv.io/bkqYEb

 

Diskussionen zum Drucker bitte hier im Forum führen:

https://forum.drucktipps3d.de/forum/thread/49192-flashforge-creator-5-5-pro-smalltalk/

 

Ein Kommentar

  • Danke, daß ich Dich zum Beitrag überreden durfte! 😉 (Da liegt noch was Angefangenes…)
    Es geht Schlag auf Schlag. Ich wollte schon freigeben, aber nun warte ich mal noch etwas.

    Ich find diese Toolchanger schon toll! Dieses Jahr ist klar davon geprägt. Wer jetzt kein Gerät bringt, der ist abgemeldet. Creality hat ja auch gerade auf der IFA den K3 vorgestellt. Ich kenne Deine Meinung, aber das ist nur der „Kleine“. Der Pro und der Max kommen ja noch. Zumindest hat Flashforge sich mit diesem Drucker erfolgreich zurückgemeldet und das zum sehr attraktiven Preis. Da müssen sich die Anderen mal ordentlich strecken. Danke für den tollen Bericht!

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