Centauri Carbon 2 Combo – Elegoo’s erster Multifarbdrucker

Dieses Jahr war es endlich so weit. Während die anderen Hersteller im Multimaterialgeschäft fest verankert sind, hat sich Elegoo etwas schwergetan. Mit dem CC2 haben sie nun endlich den Drucker auf den Markt gebracht, den sich so viele Nutzer bereits beim Vorgänger gewünscht haben. Lasst uns das mal direkt ein wenig vergleichen. Was klappt gut, und wo gibt es Verbesserungspotenzial?

 

Das Gerät wurde uns von Geekbuying kostenfrei zur Verfügung gestellt. Es gab keine weiteren Absprachen. Der CC2 ist bei Geekbuying derzeit ab 399,- Euro erhältlich – mit Coupon: GKB26EC01

Anfang des Jahres hatten wir euch bereits den Centauri Carbon „1“ vorgestellt. Inzwischen ist jedoch auch der Nachfolger, der Centauri Carbon 2 Combo lieferbar. Nun multimaterial- beziehungsweise multifarbdrucktauglich. Auch der CC1 ließe sich für kleines Geld, aber viel Arbeit in einen „CC1,5“ verwandeln.

Möglich wird das durch das neue System von Elegoo, welches sie ‚Canvas‚ nennen. Abgeleitet vom englischen Wort, das übersetzt Leinwand bedeutet und so vermutlich die künstlerische Freiheit ausdrücken soll.

Special Edition

Aktuell gibt es übrigens auch eine Special Edition, die Emoji Edition. Bei dieser Version erhaltet ihr einerseits eine Emoji-Bauplatte, also eine Hologramm-Druckplatte, die auf der Unterseite eurer Drucke Emojis hinterlässt, aber auch einen hellen, verzierter Drucker. Abseits der Optik hat sich aber vor allem die Höhe verändert. Das Multimaterialsystem wird nicht mehr oben auf dem Gehäuse montiert, sondern hängt an der Seitenwand. Das spart durch eine neue Abdeckung in der Höhe ca. 75 mm ein, und das bei exakt demselben Funktionsumfang. Wirkt optisch tatsächlich aufgeräumter.

Die Holo-Platte gibt es leider nicht separat zu kaufen, was wirklich schade ist.

Lieferung und Unboxing

Lieferumfang

Wie bei allen großen Herstellern kommt der Drucker gut verpackt mit einer Menge Füllmaterial im Karton an. Das Risiko eines Transportschadens wird so maximal reduziert, und der Platz im Karton wird optimal genutzt. Außer der Anleitung befinden sich sämtliche Bauteile im Inneren des Gehäuses. Das Auspacken erinnert daher ein wenig daran, Tetris rückwärts zu spielen.

Zum Lieferumfang gehört:

  • wenige Meter PLA
  • Werkzeug zur Montage und Wartung
  • Schmiermittel
  • „Zahnstocher“ für die Nozzle
  • Ein USB-Stick mit ein paar vorbereiteten Dateien und einer Videoanleitung
  • Benutzerhandbuch
  • Der Drucker selbst
  • allerlei Druckerbauteile

Aufbau

„Out of the Box“ direkt losdrucken zu können, ist das, was sich die meisten von ihren Geräten wünschen. Beim CC2 müssen wir vor dem Start allerdings noch ein paar Dinge aufbauen. Das ist im Grunde nicht schwer, kostet aber bei gemütlichem Arbeitstempo etwa eine halbe Stunde Zeit.

Was müssen wir also tun?

Der einzige für mich etwas umständliche Punkt ist die Installation der „Abfallrampe“. Um vermutlich Platz für die Abdeckhaube im Karton zu schaffen, hat Elegoo diese nicht vormontiert. Ihr müsst diese Rutsche von innen nach außen schieben und außen mit vier Schrauben befestigen, wobei oben die großen und unten die kleinen Schrauben hineinkommen.

Das Display wird über ein am Drucker fixiertes Flachbandkabel verbunden und in die Halterung gesetzt. Hier genügt ein leichter Druck nach unten, damit es einrastet.

An der Seite des Druckers wird eine Halterung für das Canvas-System montiert, an der man dieses später anschraubt. Ebenfalls werden vier Halterungen an der Seitenwand festgeschraubt, auf die ihr am Ende die Filamentspulenhalter stecken könnt.

Am Hotend muss der 4-zu-1-Adapter aufgesteckt werden. Anschließend führt ihr die Schläuche vom Canvas zu diesem Adapter. Wer Probleme mit dem Lösen eines Schlauches hat, drückt einfach mit einem anderen Schlauch dieses „Ring-Quadrat“ nach unten und kann den Schlauch dann leicht herausziehen. Per Kabel wird das Canvas-System schließlich auf der Rückseite mit dem Drucker verbunden.

Das war es auch schon. Es ist insgesamt nicht viel zu tun. Wegen der vielen kleinen Schrauben, die übrigens alle vorbildlich beschriftet sind, zieht sich der Aufbau am Ende aber doch ein wenig in die Länge.

Einschalten uns los gehts?

Nach der Ersteinrichtung führt der Drucker einen Geräteselbsttest durch. Das dauert circa 15 Minuten, und ihr müsst in dieser Zeit nichts weiter tun als warten. Sofern ihr das WLAN bereits eingerichtet habt, möchte der Drucker anschließend erst einmal Firmware-Updates installieren. Führt diese Updates unbedingt aus, bevor ihr den ersten Druck startet.

Im internen Speicher des Druckers befinden sich ab Werk keine Druckdateien. Dafür legt Elegoo jedoch einen USB-Stick bei. Hier findet ihr beispielsweise auch ein vierfarbiges Benchy, leider aber kein einfarbiges Modell für einen schnellen Testlauf. Mein nächster Gang führte mich daher erst einmal an den PC.

Leveln

Der Centauri tastet das Bett beim Leveln an stolzen 121 Punkten ab. Das klappt schon spürbar besser als beim Vorgänger, läuft in meinem Fall aber immer noch nicht ganz fehlerfrei. Auch beim CC2 ist der Z-Offset ab Werk einen Hauch zu niedrig eingestellt. Das führt dazu, dass die erste Schicht ein wenig zu stark aufs Bett gequetscht wird und an den Kanten minimal absteht. Lässt man vor dem Druck ein weiteres Leveling über die Eingabemaske des Slicers durchführen, passt es wieder.

Ergebnisse des gedruckten XYZ Würfels

  • X: 19,94 mm
  • Y: 19,95 mm
  • Z: 20,01 mm

Technische Details

Die Centauri-Reihe umfasst inzwischen mehrere Geräte. Zum einen gibt es den hier vorgestellten Centauri Carbon 2 Combo. Ohne den Namenszusatz „Combo“ bleibt der Centauri Carbon 1 übrig. Ansonsten wurde noch der Centauri ohne „Carbon“ vorgestellt, was schlicht bedeutet, dass es sich um eine offene Variante ohne Seitenwände und Türen handelt. Diese Version ist sowohl mit als auch ohne Canvas-System erhältlich.

Hier ist ein kurzer Vergleich zu den wichtigsten Daten zwischen dem Vorgänger und dem Nachfolger. Die Stellen, an denen sich die beiden Drucker grundsätzlich voneinander unterscheiden, habe ich für euch markiert:

Merkmal Centauri Carbon 2 Centauri Carbon 1
Bauvolumen 256 × 256 × 256 mm 256 × 256 × 256 mm
 Canvas-Funktionalität Ja Nachrüstbar
Unterstützte Filamente PLA / PETG / ABS / ASA / TPU / PC / PA / PET / Faserverstärkt (CF) Faserverstärkt (CF) / PLA / PETG / ABS / ASA / TPU / PET / PC / PA
HARDWARE
Extruder Dual-Gear-Direktextruder (1 Lüfter) Dual-Gear-Direktextruder (1 Lüfter)
Druckdüse gehärteter Stahl (0,4) gehärteter Stahl (0,4)
THERMISCHE SPEZIFIKATIONEN
Max. Düsentemperatur 350 °C 320 °C
Max. Heizbett-Temperatur 110 °C 110 °C
Umgebungstemperatur 5 – 40 °C 5 – 40 °C
SENSOREN
Kamera Ja Ja
Filament-Auslaufsensor Ja Ja
Verstopfungs-erkennung Ja
Stromausfall-Wiederherstellung Ja Ja
Vollautomatische Kalibrierung Ja Ja
Automatisches Filament-Entladen Ja Ja
BEDIENUNG & KONNEKTIVITÄT
System ELEGOO OS ELEGOO OS
Touchscreen 5 Zoll kapazitiv (Farbe) 4,3 Zoll kapazitiv (Farbe)
Konnektivität USB, WLAN USB, WLAN
Slicer-Software ElegooSlicer, Orca, Cura ElegooSlicer, Orca, Cura
SONSTIGES
Nettogewicht 19,35 kg 17,5 kg
Betriebsgeräusch (gemessen) 50+ dB 60+ dB

Stromverbrauch (gemessen)

Da wir neulich im Forum das Thema „PowerStation und 3D-Drucker“ hatten, habe ich nicht nur den reinen Verbrauch gemessen, sondern auch genau beobachtet, was der Drucker beim Aufheizen an Leistung zieht. Ich war tatsächlich überrascht, dass er sich beim Vorbereiten auf einen Druck in der Spitze knapp 900 W gönnt. Der gemessene Peak lag bei 887 W und schwankte anschließend zwischen 400 W und 600 W. Wer seinen Strom also nicht einfach aus der Steckdose bezieht, sondern über eine PowerStation, sollte diesen Spitzenwert definitiv im Hinterkopf behalten.

Beim reinen Druckprozess sind die Schwankungen dagegen eher gering. Hier sind die durchschnittlichen Verbrauchswerte:

  • PLA: 110 Wh
  • PETG: 180 Wh
  • TPU: 110 Wh
  • Standby: 8 W

Stellmaße

Aufgrund der seitlich aufgehängten Spulen vergrößert sich der benötigte Platz in der Breite und Tiefe mehr, als man vorerst denkt. Die einzelnen Filamentspulen ragen nämlich sowohl hinten als auch vorne über das Gehäuse hinaus.

  • Reine Stellfläche für die Füße (B x T x H): 37 x 38 x 74,5 cm
  • Stellfläche inklusive Spulen (B x T x H): 53 x 51 x 74,5 cm

Übrigens scheint Elegoo dem CC2 direkt Anti-Vibrationsfüße zur Entkopplung spendiert zu haben. Zwar sind es nicht exakt dieselben, die der Hersteller separat in seinem Shop bewirbt, aber sie sind ähnlich aufgebaut. Das funktioniert in der Praxis ganz gut.

Lautstärke

Im Vergleich zum Vorgänger ist der Drucker hörbar leiser geworden. Wenn ich den Modus auf „Stumm“ schalte, druckt das Gerät zwar deutlich langsamer, aber wir kommen hier tatsächlich nur noch auf circa 50 dB. Im Modus „Ausgeglichen“ sind es dann 53 bis 56 dB. Das schwankt sehr stark. Das Problem ist beim Modelllüfter zu finden, der bei meinem Gerät ab 85% unrund läuft und so mit 3 dB zusätzlich auch einen Raum entfernt zu hören ist. Ein Austausch wäre im Fall der Fälle aber weder teuer noch schwer. Beide Werte wurden beim Druck mit PLA gemessen. Bei PETG verhält sich der Drucker übrigens noch einmal wesentlich leiser.

Übrigens erhöht sich im Silent-Mode die Druckzeit erheblich. Eine geslicte Datei mit einer Druckdauer von ca. 39 Minuten erhöhte sich in meinem Beispiel auf knapp über 1 Stunde.

 

Qualität und Materialvielfalt

Bei einem Drucker dieser Preisklasse muss der Hersteller natürlich an verschiedenen Ecken sparen. Doch genau wie sein Vorgänger ist der Centauri Carbon 2 direkt ab Werk bestens für anspruchsvolle Materialien wie zum Beispiel kohlefaserverstärkte CF-Filamente geeignet. Das Hotend und der Druckkopf sind bereits mit gehärteten Komponenten ausgestattet.

Leider wurde es jedoch versäumt, dem Nachfolger direkt ein Schnellwechselhotend zu spendieren. Das wäre im Grunde das perfekte Sahnehäubchen gewesen. Gerne hätte ich euch an dieser Stelle auch Druckbeispiele mit anderen Nozzle-Größen gezeigt, allerdings waren diese über den gesamten Testzeitraum hinweg ausverkauft. Denn die verkauften Kits umfassen zwar das Hotend, jedoch nicht die Verkabelung. Die Komplettsets scheinen im Verkauf beliebter zu sein, denn da spart man sich den händischen Zusammenbau.

Der Drucker besitzt für seine Preisklasse einen integrierten Bauraumlüfter mit Kohlefilter. Dadurch ist der Druck mit PLA problemlos bei geschlossener Tür möglich. Sollten bei euch in der Werkstatt oder der Wohnung allerdings sommerliche Temperaturen herrschen, werdet ihr die Tür vermutlich dennoch öffnen müssen.

Das Gehäuse selbst besteht nicht aus einfachem Kunststoff, sondern aus Metall. Sehr Wertig für diese Preisklasse, dadurch aber auch sehr schwer. Mit 4 vollen Rollen Filament zu je 1kg, kommt der Drucker auf ein Gesamtgewicht von knapp 24kg.

Wo Abstriche gemacht wurden

Natürlich sieht man an einigen Stellen auch vereinzelte Abstriche. Der größte Kritikpunkt ist die neue Haube für den Multimaterialdruck. Diese sitzt leider recht locker auf und weist vor allem in Richtung des Canvas-Systems deutliche Spaltmaße auf. Es wirkt optisch immer so, als müsste die Abdeckung irgendwo einrasten, was aber nicht der Fall ist. Das wirkt an dieser Stelle etwas billig.

Zudem neigen die Schläuche für die Slots 1 und 4 bei höheren Druckgeschwindigkeiten dazu, an der Abdeckhaube zu vibrieren. Nach oben schaben sie auch an der Haube. Das ist zwar nicht extrem störend oder laut, fällt aber im Betrieb auf.

Wer den Drucker eher als Werkzeug und weniger als Designobjekt betrachtet, wird hier jedoch nicht allzu viel auszusetzen haben.

CANVAS

Während man beim Centauri kein separates Zusatzgerät wie beispielsweise ein AMS von Bambu Lab benötigt, hängen die Filamentrollen hier direkt am Gehäuse. Durch diese Art der Aufhängung ist der Lochdurchmesser der einzelnen Spulen ein wichtiger Faktor. Sollte das Loch zu groß sein, lässt sich zwar ein passender Adapter drucken, aber bei einem zu kleinen Lochdurchmesser ist ein Umspulen oder ein externer Halter nötig. Bei mir im Test ließen sich allerdings alle vorhandenen Rollen, sogar kleine mit 250g, problemlos aufstecken.

Multimaterial-Vergleich und Wechselzeiten

Inzwischen gibt es viele verschiedene Systeme auf dem Markt. Natürlich bleibt ein echter Toolchanger, wie der Snapmaker U1, unangefochten die Nummer eins, wenn es um kurze Druckzeiten und minimalen Müll bei mehrfarbigen Drucken oder dem Druck aus mehreren Materialien geht.

Elegoo wählt hier einen anderen Weg: Das Filament wird nicht komplett zurück in ein Multimaterialsystem aufgerollt, sondern muss lediglich bis in den 4-zu-1-Adapter zurückgezogen werden. Das funktionierte bei meinen Beobachtungen wahnsinnig schnell. Leider muss durch das gemeinsame Hotend dennoch eine große Menge Material gespült werden, was am Ende wieder Zeit kostet. Würde man das noch aktive Filament weiter unten schneiden, könnte man sich hier viel Zeit und Material sparen.

Die tatsächliche Filamentwechselzeit liegt nach meinen Messungen bei durchschnittlich einer Minute und 15 Sekunden. Bei sehr intensiven Farbwechseln (dunkel auf hell) stieg die Dauer auch mal auf eine Minute und 30 Sekunden an.

RFID

Direkt am Canvas befindet sich das RFID-Lesegerät. Allerdings etwas umständlich gelöst.

Grundsätzlich lässt sich das Filament im Druckermenü ohne großen Aufwand einstellen. Auch ein Wechsel ist sehr leicht, da man beispielsweise bei einem reinen Farbwechsel von PLA einfach nur die neue Farbe auswählen muss, anstatt direkt alle Parameter komplett neu anzugeben.

Das RFID-System selbst ist dagegen etwas unfertig gedacht. Man muss die Rolle am Canvas einscannen und dem System vorher manuell mitteilen, in welchen Slot man sie einlegt. Es erkennt nicht automatisch wo welche Rolle hängt. Bei diesem Ablauf ist das rein manuelle Auswählen im Menü ehrlich gesagt kaum umständlicher.

Filamente

Das Canvas-System akzeptiert alle gängigen Filamentsorten bis hin zu TPU 95A, welches sich ebenfalls noch ganz normal laden lässt. Für weicheres TPU gibt es bereits druckbare Adapter, um einen Schlauch vom Canvas direkt zu füttern. Leider hat es Elegoo hier jedoch versäumt, direkt ab Werk einen externen Zugang für solche Fälle zu schaffen.

Nachrüsten vom Canvas

Der CC1, oder auch der CC2 „ohne Kombo“ kann mit etwas erhöhtem Aufwand mit einem Canvas-System nachgerüstet werden. Der Preis dafür ist absolut fair bemessen, allerdings sollte der Aufwand für den Umbau nicht unterschätzt werden.

Man sollte bei einem neuen Druckauftrag mit starken Farbunterschieden (hier schwarz auf rosa) manuell nachspülen.

Software

Elegoo Slicer und Orca Slicer

Wie bei fast allen Geräten auf dem Markt liefert auch Elegoo seinen eigenen, angepassten Slicer mit. Solltet ihr jedoch mehrere Drucker besitzen oder generell lieber mit einer herstellerunabhängigen Software arbeiten wollen, könnt ihr alternativ auch problemlos auf den Orca Slicer zurückgreifen. Cura wäre ebenfalls möglich.

Die vorgefertigten Profile für PLA, PETG und TPU machten im Test bisher einen guten Eindruck. Das TPU-Profil ist nicht optimal, aber eine gute Grundlage.

Einzig die Geschwindigkeiten im Bereich des „maximalen Volumenflusses“ bei den Generic-Profilen im Elegoo Slicer empfand ich als etwas übertrieben sportlich. Hier sind standardmäßig 21 mm³/s für PLA hinterlegt. Das macht definitiv nicht jedes Filament ohne Qualitätsverluste mit. Bei den Standardprofilen anderer Slicer ist dieser Wert üblicherweise auf ca. 12 mm³/s begrenzt. Hier empfiehlt es sich also, manuell etwas auf die Bremse zu treten und den Wert anzupassen. Die restlichen Einstellungen sind dagegen völlig in Ordnung.

Cloud, WLAN und LAN

Offline

Wenn man am Centauri Carbon 2 etwas wirklich ernsthaft kritisieren muss, dann ist es die Cloud-Stabilität von Elegoo. Alle paar Tage verweigert der Drucker den Empfang, weil die Cloud schlichtweg tot ist.  

Zwar gibt es den LAN-Modus im Menü des Druckers, wird dieser jedoch aktiviert, kappt das Gerät die Verbindung zu Elegoo und scheinbar allgemein alle WLAN Verbindungen. Direkt auf dem Startbildschirm des Druckers wird euch zwar auch die IP-Adresse des Druckers angezeigt, gibt man diese jedoch in die Adresszeile des Internetbrowsers ein, erhält man wiederholt Fehlermeldungen. Der Drucker verweigert die Auskunft, sowohl im LAN-Modus, als auch wenn dieser deaktiviert ist. Damit ist mir ein lokaler Zugriff, ohne zusätzliche Tools ,auf das Gerät bisher verwehrt geblieben. Hier gibt es zwar Community-Lösungen, aber sowas sollte auch ohne funktionieren.

In diesem Fall bleibt nur der klassische Weg über den USB-Stick und das ist ernüchternd. 

Ich werde mir über die nächste Zeit mal noch Community-Lösungen anschauen und sollte das eine Verbesserung bei der Nutzung bringen, werde ich es hier ergänzen

Wer seinen Drucker sowieso per USB-Stick füttert, bekommt von diesem Drama jedoch nichts mit. Ansonsten ist dies die größte Kritik am CC2. Denn ich musste in letzter Zeit wirklich oft mit dem Stick direkt zum Gerät. Ich konnte auch häufig aus der App heraus drucken, aber vom Elegoo Slicer zum Drucker gibt es gern gezicke. Möglicherweise liegt das aber auch an der Mac-Version. Das kann ich euch leider nicht zu 100 Prozent beantworten.

Kamera zur Fernüberwachung und KI-Funktionen

Über die Kamera lässt sich direkt aus dem Slicer heraus der aktuelle Druck überwachen. Die Bildqualität ist gut, mir fehlt hier im Slicer, sowie auch der App aktuell nur die Möglichkeit, das Kamerafenster auch vergrößern zu können.

Ebenfalls integriert sind verschiedene „KI-Funktionen“. Kommt kein Filament mehr nach, so reagiert natürlich der Filamentsensor. Aber ist das Hotend verstopft, pausiert der Drucker ebenfalls.

Auch eine Spaghetti-Erkennung lässt sich über das Druckermenü aktivieren (war bei Auslieferung deaktiviert). Allerdings konnte ich diesen Fehler nicht bewusst provozieren. Die hineingeworfenen Filamentreste wollte er jedenfalls nicht als Spaghetti akzeptieren.

Wer bei dem Begriff „KI“ übrigens denkt: „Der schickt meine Kamerabilder jetzt bestimmt ununterbrochen über das Internet nach China“, liegt tatsächlich falsch. Die Auswertung erfolgt direkt lokal auf dem Gerät. Das bedeutet, dass der Schutz auch dann tadellos funktioniert, wenn man dem Drucker das WLAN komplett wegnimmt oder die Cloud mal wieder nicht funktioniert.

Druckbeispiele

 

PLA

 

Beim Silk-Benchy (rosa) hatte ich das normale ‚Generic PLA‘ Profil genutzt. Da fehlt es am Bug an Kühlung, während man beim matten Benchy (blau) es dort nur leicht erahnen kann. Die Tür war bei allen Drucken geschlossen und der Gehäuselüfter lief auf 10% und hielt so im inneren max. 33°C. Der Gehäuselüfter kann nicht manuell verstellt werden, das regelt der Drucker allein. Einzig die Möglichkeit „die Temperatur zu halten“ besteht um z.b- ASA zu drucken. Bei dem Silk Benchy hätte das Silk PLA Profil schon ausgereicht, denn in dem Profil wäre der Zusatzlüfter eingeschaltet worden, aber ich drucke alle Vergleiche immer mit den selben Profilen um ein paar Unterschiede erkennen zu können. Die Lüftung beim Generic Profil ist grenzwertig. Nicht zu gering, aber halt grenzwertig. Bei normalen Druckprojekten ist das übrigens nie ins Gewicht gefallen.

PETG

Die PETG Profile gefielen mir sehr gut. Ich habe damit vor allem ein paar (viele) Untertöpfe aus transparentem PETG gedruckt, da meine Orchideentöpfe für ihre Übertöpfe einfach nie passten. Lässt sich ganz simpel im Slicer selbst erstellen und schon ist man wieder glücklich. Dazu noch ein paar Pflanzclips für den Garten und der Sommer darf beginnen und die Pflanzen wachsen. Sehr saubere Drucke, kein Warping. Gedruckt auf der feinen Seite ‚B‘ der Druckplatte. Die ist zwar für PLA angegeben, funktioniert bei PETG aber ebenfalls sehr gut.

TPU

Leichtes Stringing bei dem TPU Benchy. Ich muss jedoch gestehen, das es möglicherweise nicht perfekt trocken war. TPU verdrucke ich so selten und die Rolle ist gute 4 Jahre alt. Aber dafür ist es doch gar nicht so schlecht? Und vor allem lässt sich zumindest das 95A problemlos über das Canvas laden. Für alles weichere muss der Schlauch am Druckkopf abgesteckt und das TPU dort direkt zugeführt werden.

ASA/ABS

Aufgrund meines Druckerstellplatzes und den Kindern im Haushalt verdrucke ich selbst kein ASA, ABS & Co. Rein technisch kann der Drucker diese Materialien jedoch mühelos verarbeiten. Im übrigen unterstütz das Hotend nun 350°C (Vorgänger 320°C) und das Druckbett geht bis auf 110°C.

Für den Druck empfiehlt es sich, die Druckplatte vor dem Start etwa 15 bis 30 Minuten vorwärmen zu lassen. Das hat zwei Vorteile: Zum einen ist die gesamte Druckplatte dann gleichmäßig warm, zum anderen heizt sich so der Bauraum etwas auf, da das Gerät keine aktive Bauraumheizung besitzt. Für gelegentliche Drucke mit diesen Materialien ist das absolut ausreichend.

Fazit

Nach mittlerweile über 150 Druckstunden mit größtenteils PLA, aber auch PETG und etwas TPU, bin ich insgesamt sehr zufrieden. Mein größter Kritikpunkt beim CC1 war die Lautstärke, und genau hier hat der Nachfolger deutlich nachgebessert. Er gehört zwar immer noch nicht zu den flüsterleisen Geräten, ist aber je nach gewähltem Druckmodus mittlerweile in Wohnräumen nutzbar.

Die Farbwechsel funktionieren absolut zuverlässig, das Spülvolumen ist innerhalb eines Drucks ab Werk gut berechnet und das Canvas-System hat im gesamten Testzeitraum kein einziges Mal gezickt. Da es vor allem recht langsam „zieht“ bricht auch etwas brüchigeres Filament nicht so schnell.

Die reine Druckqualität hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht wirklich verändert und bleibt gut. Einzig die instabilen Cloud-Dienste trüben die Begeisterung an manchen Tagen.

Elegoo hat für diesen Preis einen wirklich sehr guten und vor allem anfängerfreundlichen 3D-Drucker auf den Markt gebracht. Schade eigentlich, dass er etwas spät kommt. Denn genau so ein Paket hätte man sich schon für die Version 1 gewünscht. Als kleinen Hardware-Wunsch für die Zukunft bleibt für mich eigentlich nur ein echtes Schnellwechselhotend offen. Schrauben und Kabel lösen sollte langsam der Vergangenheit angehören.

Für typische Druckszenarien kann ich definitiv eine Kaufempfehlung aussprechen. Wer allerdings primär ABS und ähnliche anspruchsvollere Materialien verdrucken möchte, muss bedenken, dass ich dazu in diesem Test keine eigenen Erfahrungswerte beisteuern kann. Für den gelegentlichen Druck sollte das jedoch machbar sein.


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