Dein erster Drucker: sinnvolle Grundausstattung

Der Drucker ist bestellt, was sollte man noch zusätzlich im Haus haben, um gleich loslegen zu können? Ausrüstungstipps für neue Druckerbesitzer

Das erste Filament

Als Grundausstattung empfehle ich erst mal 1 oder 2 Rollen preiswertes PLA Filament einer bekannten Marke hier aus dem Inland, nicht China Import. Da tuts was günstiges so um 20 Euro die Rolle. Nicht zu billig kaufen, ein Luxusfilament für 30+ Euro muss es aber auch nicht sein.

PLA sollte es sein, weil das geht am einfachsten zu drucken.

Achtet auch auf die richtige Größe, fast alle Drucker heute brauchen 1.75mm Filament (Durchmesser)

 

Die Basics:

 

  • eine Flasche Isopropyl Alkohol zum Reinigen des Druckbetts. Isopropylalkohol, gerne in hoher Konzentration, verdünnen kann man immer noch, reinigt gut und entfettet ordentlich. Fingerabdrücke vertragen sich meist nicht gut mit der Haftung auf dem Bett. Fensterreiniger, Spüli, etc. kann funktionieren – muss aber nicht. Isopropyl Alkohol ist verlässlicher.
  • eine Rolle Zewa Wish&Weg (uh. „Küchenrolle“), zur Not tuts auch Klopapier. Das Druckbett mit Alk reinigen, an der Düse klebender Schmodder abwischen, ohne Küchenrolle gehts nicht.
  • eine Rolle Malerkrepp (liegt oft beim Drucker dabei): Malerkrepp ist die Holzhammer-Methode für PLA, wenns mit der Haftung erst mal nicht so richtig klappen will und man unbedingt den ersten Druck gelingen sehen will, dann betoniert man den Druck ins Malerkrepp. (Später richtet man sich den Drucker dann vernünftig ein, siehe „Nichts haftet auf dem Druckbett„.
  • ein Seitenschneider. Der Seitenschneider ist das wichtigste Werkzeug im 3D-Druck. Kabelbinder (Transportsicherung) abknipsen, das Filament zurechtschneiden (kleine Spitze dran schneiden), lästiges Stützmaterial abzwicken. Seitenschneider braucht man ständig.
  • dicht gefolgt von einem Teppichmesser (Boxcutter). Kleine Grate entfernen, ein störendes Brim vom Druckstück kratzen, Bowdenschlauch kürzen. Druckteil vom Bett „schneiden“.
  • Malermesser Nr 4„: Beste wo gibt, um Drucke vom Druckbett zu holen.
  • ein Satz Inbus Schlüssel, gerade auch die ganz kleinen
  • paar Schraubenzieher von winzig kleinem Kreuz bis groß und flach für nachhaltige Überzeugungsarbeiten an störrischen Teilen.
  • eine kleine Flachzange. Stützstruktur aus dem Druckobjekt pulen, den passenden Gabelschlüssel verlegt, zum Festhalten des heißen Heizblocks beim Düsentausch. So ne Flachzange braucht man auch regelmäßig.
  • kleine Gabelschlüssel so von 6 – 14 – wenn man die Flachzange wieder mal verlegt hat, könnte man auch den passenden Gabelschlüssel benutzen
  • Früher oder später will man mal ein Teil selber zeichnen, dann geht ohne Schieblehre meist gar nix. Auch wichtig zum korrekten Einstellen des Extruders (Materialvorschub).
  • ein Mini Flasche Nähmaschinenöl, die glatten Stangen im Drucker sollten leichtgängig sein.
  • eine klitzekleine Tube Gewindefett (Lithiumfett solle ok sein) für die Trapezspindeln. Da braucht es echt nur ganz wenig von.
  • Immer ein Blatt DIN A4 Kopierpapier 80g/mm²: zum Einstellen des Düsenabstands, kommt meist mit dem Drucker, nennt sich An-Lei Tung und fürs Druckbett ausrichten taugts meistens grad so, zu mehr oft nicht 😉
  • Eine Ersatz SD Speicherkarte in der zum Drucker passenden Größe. Die billigen China-Drucker legen oft die billigsten Kartenfälschungen mit zum Drucker, viele total unerklärliche Druckprobleme waren am Ende defekte Speicherkarten.
  • Ein USB Kartenleser passend zur Speicherkarte des Druckers (liegt aber meistens beim Drucker mit bei)

Nice to Have:

  • eine Tüte Kabelbinder. 3D Drucker ohne Kabelbinder? Unvorstellbar. Leider sind Kabelbinder nicht mehrfach verwendbar. Deshalb hat man immer ein paar auf Ersatz.
  • eine Pinzette, um Filementausfluss von der Düse zu fischen (gerade am Anfang des Drucks gibts das häufig, dass der Extruder bissl tröpfelt).
  • eine kleine Flasche Aceton ist auch kein Fehler. Da wo Isopropyl Alkohol versagt, hilft Aceton. Und auch wenn in Nagellackentferner oft Aceton drin ist, kauft reines Aceton, in Nagellackentferner sind oft noch andere Stoffe drin, Hautpflegemittel und so Zeugs, das hilft aufm Druckbett nicht. Aceton kann man auch zum Kleben von Druckteilen nehmen.
  • eine Flasche Sekundenkleber mit ordentlich verschließbarer Spitze.
  • eine Rolle Kapton Klebeband. Ist zum einen eine Alternative zu Malerkrepp, ich nutze es gern, um flexible Filamente zu drucken. Und es wird oft genutzt, um die Heizblöcke zu isolieren oder den Thermistore ans Druckbett zu kleben.
  • ein bissl Schleifpapier in verschiedenen Körnungen (z.b. 200, 400, 800, 1000). Nass geschliffen gibt schönere Oberflächen bei PLA.
  • eine Flasche Etikettenlöser. Irgendwann ist jede Druckbettfolie mal verschlissen, wenn man die erneuern will, hat man in der Regel die Kleberreste von der alten Folie, die man irgendwie loswerden muss, bevor die neue Folie drauf kann.
  • ein Stahllineal: Ist meine X-Achse auf beiden Seiten gleich hoch? Mein Bett gerade? Auch gut zum Markieren des Filaments bei der Extruder Kalibrierung. So ein schmales Lineal, das seinen 0 Strich ganz am Rand hat ist da ideal.
  • eine Taschenlampe. Druckt er richtig oder nicht? Wie oft stand ich schon vorm Drucker und hab exakt nix gesehen, weil es zu dunkel war. Druck mal schwarzes Filament auf ein schwarzes Druckbett und sag mir im Schummerlicht im Hobbykeller, ob die erste Schicht passt. Und wenn es beim ersten Einschalten die Sicherung raushaut, ist so ne Taschenlampe auch praktisch.
  • Ersatzdüsen in unterschiedlichen Größen. Feiner oder schneller drucken? Dann helfen andere Düsengrößen. Ihr wollt Metall, Carbon oder Nachtleuchtende Filamente drucken? Da kann man zugucken, wie die Düse verschleißt.

Der pure Luxus

  • ein Satz Fühlerlehren: Papier ist gut und recht, Fühlerlehren sind genauer (aber nicht unbedingt einfacher oder bequemer)
  • ein Satz Gewindeschneider und Schneideisen, da tuts das billigste, was es gibt, wir schneiden meist ja in Plastik. Selten muss man mal ein Alugewinde nachschneiden, weil der Hersteller geschlampt hat.
  • große luftdichte Plastikboxen zum Filament einlagern
  • Silica-Gel Trockenperlen mit Farbwechseleffekt: da sieht man wenigstens, wenn die vollgesogen sind. Das geht schneller als man denkt.
  • nen Satz 608 Inline-Skating Kugellager: eigene Rollenhalter, Fidget-Spinner, die Teile braucht man ständig.
  • 8mm Gewindestangen: Druckerrahmen versteifen oder als Achse für eigene Rollenhalter, zum Verstärken der eigenen Drucke, kann man immer brauchen.
  • eine Heißluftpistole: der Drucker hat hässliche Fäden gezogen oder für nachträgliche Geometrieänderungen an misslungenen Drucken. Oder die Düse ist komplett zu oder das Druckbett oder die Druckereinhausung will einfach nicht schnell genug warm werden.  Der Fehldruck endete in einem Riesen Klumpen der das komplette HotEnd umschließt? So ein Heißluftteil kann man immer mal brauchen. Wem gar nichts besseres einfällt, nimmt es zum Schrumpfen von Schrumpfschläuchen, um Stecker und Kontakte zu isolieren.
  • Lötkolben Not-OP in letzter Minute am Druckteil? Gewindeeinsätze ins Druckteil einbrennen, Kabelbruch?
  • Crimpzange mit Aderendhülsen: gut gecrimpte Anschlüsse an Heizbett und Netzteil erhöhen die Sicherheit.
  • Abisolierzange, ja, ich weiß, das geht auch mit dem Feuerzeug oder mit den Zähnen, aaber mit so ner Zange gehts bequemer
  • paar Meter hochflexible Silikonkabel unterschiedlicher Durchmesser zum Austausch oder Reparatur der billigen Verkabelung.
  • ein kleiner nichtleitender Schraubendreher, zum Verstellen der Stepper Potis
  • ein einfaches Multimeter: wenn was nicht geht, hilft messen oft weiter. Oder wenn man an den Stepper Treibern schrauben will
  • Rollgabelschlüssel: weil den anderen Kram hat man eh nicht in der passenden Größe da.
  • Brandmelder & FI Zwischenstecker: Vertrauen ist gut, China ist.. das andere.
  • Pflaster, der abgelaufene KFZ Verbandskasten und Brandsalbe. Die Düse ist gut heiss. Wirklich. Ich entdecke diese Tatsache mindestens einmal die Woche immer wieder neu. Und geschliffene Spachtel sind gut scharf.

So, und wer das alles hat, der holt sich dann einen Raspberry Pi und eine Kamera und beschäftigt sich mit der Fernüberwachung des Druckers aus dem Wohnzimmer..

und dann ist es auch schon dringend an der Zeit für den Zweit-Drucker.

Mit dem Zweiten druckt man besser 😉

 

7 Kommentare

  • Hier fehlt ganz klar noch nen meter PTFE-Tube als Ersatz. 😉

  • Holger Kds

    Ein Paar Arbeitshandschuhe tun gute Dienste beim Lösen manch hartnäckig haftender Druckergebnisse; wie war das nochmal mit dem scharfen geschliffenen Spachtel 😉 ?

    • Ich sehe, Du hast auch schon Bekanntschaft mit den Spachteln gemacht 🙂

    • Das Problem mit scharfen Spachteln ist auch per Software lösbar: Einfach bei der Benutzung von scharfen Werkzeugen darauf achten, wo die zweite Hand ist. Die gibt’s als Freeware. Spätestens bei einer Tischkreissäge oder Oberwellenfräse braucht man dann aber die Vollversion, die zwei Hände unterstützt. 😉

  • Wow, das nenne ich mal vollständig und gut sortiert.

    Ich hab‘ ja erst grad nach Weihnachten angefangen, und hier liegt nichts auf dem Basteltisch, was oben nicht genannte wäre.

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