Tutorial: 3D-Drucke günstig mit Blattgold veredeln

Wer seine 3D-Drucke richtig aufwerten will, stößt mit goldenem Silk-Filament schnell an Grenzen. Es glänzt zwar ganz nett, sieht am Ende aber trotzdem noch nach Plastik aus. Für echten „Metallglanz“ müssen wir nach dem Druck selbst kurz Rumpelstilzchen spielen. In diesem kurzen Tutorial zeige ich euch Schritt für Schritt, wie ihr eure Drucke veredeln könnt.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, Weihnachten ist nicht mehr weit (zumindest stehen die Lebkuchen schon wieder im Supermarkt) und bei schlechter werdendem Wetter bleibt wieder mehr Zeit für drinnen. Die Bastelzeit beginnt! Und weil Weihnachten sowieso immer irgendwie goldig ist, möchte ich euch heute eine günstige Möglichkeit für schöne Deko vorstellen. Zwar keine Weihnachtsdeko, aber das Prinzip bleibt gleich.

Wie veredelt man mit Blattgold seinen 3D-Druck

Blattgold? Was ist Blattgold?

Die meisten haben den Begriff vielleicht schon mal gehört, und der eine oder andere hatte vielleicht sogar in der Schule oder im Kindergarten damit zu tun. Es ist dieses hauchdünne goldene Papier, das schon fast reißt, wenn man es nur zu intensiv anstarrt.

Echtes Gold? Meistens nicht. Es gibt zwar auch echte Varianten, aber das muss man wirklich nicht übertreiben. Es ist einfach nur eine Art Schlagmetall das aussieht wie gold und dünner ist als ein Haar. Empfindlicher als jedes Filament bei hoher Luftfeuchtigkeit, aber den Aufwand absolut wert. Die Kosten für ein Set Blattgold liegen oft unter 10 Euro. Immer eine Frage was man noch im Set erhält. Ein paar Beispiele findet ihr ganz am Ende des Beitrags.

 

Was ihr braucht:

  • Blattgold (gibt es auch in Silber, Grün und vielen anderen Farben)
  • Anlegemilch (der Kleber)
  • Varnish / Klarlack zum Fixieren am Ende
  • einen weichen Pinsel (am besten einen, bei dem es nicht schlimm ist, wenn er danach nicht mehr sauber wird)
  • optional: kleine Schwämmchen oder Ohrstäbchen
  • optional: eine Pinzette

Im folgenden Beispiel zeige ich das Vorgehen anhand meines Weltmeisterschafts-Pokals. Gebastelt für ein Tippspiel zur letzten Fußball-WM in der Familie. Die Kinder waren begeistert und ich selbst ziemlich stolz. Super einfach! Durchaus etwas nervig, aber einfach.

Für mein Projekt habe ich ca. 25 Blätter gebraucht. Der Pokal ist 30 cm hoch ( Makerworld von Bastlwastl_66) und ich habe ihn zweimal komplett beklebt.

Schritt für Schritt-Anleitung

Schritt 1

Bauraumhöhe vollständig ausgeschöpft

Zuerst braucht ihr natürlich ein Objekt. Das kann ein 3D-Druck sein, muss aber nicht. Auch alte Deko aus Gips, Holz oder ähnlichem funktioniert. Falls ihr druckt, empfehle ich eine möglichst dunkle Farbe (schwarz oder grau). Es wird immer Stellen geben, an denen das Blattgold reißt und den Untergrund durchscheinen lässt. Schwarz oder Grau wirkt dann wie ein Schatten und fällt deutlich weniger auf als Weiß (ich habe weiß genommen um mir das Leben direkt etwas schwerer zu machen).

Schritt 2

Jetzt kommt die Anlegemilch dran. Manche Flaschen haben schon einen Pinsel im Deckel (wie bei Nagellack), ansonsten braucht ihr einen eigenen. Einfach das gesamte Objekt damit einpinseln und dann warten, bis alles vollständig trocken ist.

Tipp: Während des Trocknens etwas darunterlegen (Silikonmatte oder ein kleiner gedruckter Würfel), damit das Objekt nicht an z.B. Papier festklebt.

Wichtig: Die Anlegemilch muss wirklich komplett trocken sein, auch in Vertiefungen. Es schadet überhaupt nicht, wenn man das am Vorabend macht und erst am nächsten Tag weitermacht. Getrocknet bleibt sie permanent leicht klebrig und genau diesen Zustand brauchen wir.

Schritt 3

Ist die Milch trocken, kann das Blattgold kommen. Manche Formen sind einfacher, andere kniffliger. In meinem Set war jedes Blatt einzeln in Folie eingeschlagen. Ich habe mir teilweise vorher mit der Schere Streifen zurechtgeschnitten, denn sobald man das Blattgold in die Hand nimmt, bricht es schon, wenn man nur zu stark ausatmet. Das ist keine Übertreibung!

Legt ein Blatt vorsichtig auf das Objekt, nehmt den weichen Pinsel und tupft (nicht streichen!) es der Form an. Bei größeren Flächen habe ich Makeup-Schwämmchen verwendet.

Schritt 4

So beklebt ihr nach und nach das gesamte Objekt. Bei größeren Teilen muss das nicht an einem Tag fertig werden, denn die Anlegemilch läuft euch nicht weg.

Schritt 5

Ist alles beklebt, nehmt den weichen Pinsel und streicht damit über das Objekt, als würdet ihr es anmalen. Dabei rieseln überschüssige Goldpartikel ab und das Blattgold schmiegt sich noch besser an die Form an.

Schritt 6

Danach werdet ihr Stellen finden, an denen der Untergrund noch durchscheint. Kleine Risse oder Stellen unter ca. 5 mm sind meist nicht mehr klebrig genug für ein neues Stück. Hier hilft nur: dünn etwas frische Anlegemilch auftragen, trocknen lassen und dann kleine Stückchen Blattgold draufsetzen. Und wem das Blattgold vermehrt an den Fingern kleben bleibt, kann sich mit einer einfachen Pinzette den Vorgang erleichtert.

Schritt 7

Alles hübsch? Dann versiegeln. In meinem Set war ein Varnish dabei, alternativ geht auch Klarlack aus der Spraydose. Das Blattgold ist vorher noch ziemlich empfindlich. Ich hatte ständig kleine Partikel an den Händen und bin teilweise noch eine Woche später herumgelaufen wie eine Goldmarie. Weiß der Teufel, wo das immer wieder herkam.

Schritt 8

Freuen. Beim ersten Mal kann es durchaus nervig wirken, vor allem, wenn es direkt ein 30-cm-Pokal sein muss. Aber während der Arbeit merkt man schnell, wie es am besten geht. Und das Ergebnis ist einfach nur schön. Stellt es ins Regal oder auf ein Fensterbrett und freut euch über eine richtig goldene Optik.

Übrigens auch ein tolles Bastelprojekt mit Kindern oder Enkeln und zeigt einmal mehr, wie umfangreich ein 3D Drucker genutzt werden kann.

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Mein eigenes Set gibt es leider nicht mehr käuflich zu erwerben. Ich habe euch aber ein optisch sehr ähnliches rausgesucht sowie ein paar Alternativen.

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Und wer keine Sets mag, Anlegemilch und Blattgold lässt sich natürlich auch separat kaufen ohne ernsthaft teurer zu sein. Dafür hat man die freie Wahl bei den Herstellern der Anlegemilch.

 

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5 Kommentare

  • Fühlt sich das nicht seltsam an? Der Pokal ist doch viel zu leicht. Also hohl drucken und mit Beton auffüllen? Um ehrlich zu sein, nein, ich hatte noch nicht das Bedürfnis, meine Drucke zu vergolden. Aber nun weiß ich, wie es geht. Vermutlich werd ich dennoch jeden in den Hintern treten, der diesen Wunsch bei mir äußert. Ist mir viel zu fummelig. Das muß einfacher gehen.

    Danke für die ausführliche Anleitung!

  • Wow, vielen Dank für diese tolle Anleitung! Das werde ich mal ausprobieren. Am liebsten hätte ich ja eine vergoldete Rose, aber ich fürchte das wäre vermutlich etwas schwierig, oder? Vielleicht teste ich es erst einmal an etwas einfacheren

    • Das geht schon, du musst nur kleinere Stücken zurechtschneiden. Habe an sehr kleinen Stellen teilweise mit 10x10mm Stücken gearbeitet. Ist definitiv eine Fleißaufgabe, aber die fertige Optik lässt es einen schnell verschmerzen.

      Es gibt auch so Blattgold in Flockenform. Vielleicht geht das dann sogar besser. Aber damit habe ich noch nie gespielt.

  • Das muss ich unbedingt auch probieren, selbst mein schönster Goldlack kommt da nicht ran 🙂

    • Definitiv, vor allem kaschiert man Layerlines sehr gut. Das Blattgold gibt dann stattdessen eine Optik als hätte man es gegossen. Kann man durch malen gar nicht erreichen, außer man stempelt dann eine Struktur auf.

      Musst nur bei Vierbeinern aufpassen. Sonst sehen die schnell so aus als kämen sie gerade frisch von Frau Holle zurück 😀

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