Detailfotos: Flashforge Creator Pro 2016

Und diesmal schauen wir dem FFCP in der Revision 2016 wie er mir im Mai 2018 geliefert wurde ein bissl unter die Haube..

Eines kann der Flashforge Creator Pro 16 (oder kurz FFCP) nicht leugnen: er ist eine Makerbot Replikator 1 Kopie, wenn auch, zumindest nach meinem Kenntnisstand, deutlich weiter verbessert wurde.

Stahlgerüst mut aufgeschraubt Seitenwänden – ein Seitenteil entfernt.

Auffällig: der sehr massive Stahlrahmen, die Kiste bringt locker 20 Kilo an Gewicht. Der Metallrahmen wird mit angeschraubten Plastik-Seitenteilen abgedichtet, der Boden, welcher Elektronik von Drucker Innerem trennt, ist wieder Stahlblech, obenauf finden wir eine Plexiglaskuppel als Deckel und vorne eine nicht verschließbare Tür.

Von hinten sehen wir in rotem ABS gedruckt (mit dem FFCP) schon die ersten Umbauten:

Kopfstand ist gut für die Durchblutung. Der original Rollenhalter in Schwarz ist zu dick und zu kurz für die gängigen 1kg Rollen, musste also erst mal weichen. Die schwarzen Bowden sind nur dazu da, dass das Filament ins Innere gelangt, der FFCP ist direkt betrieben. Weil die aber so dicht am Gehäuse eingeklipst werden, dass das Filament nur mit Würgen da rein geht, habe ich mal noch den roten Kasten als Abstandhalter gedruckt. Aber mehr zu den Umbauten später. Dann haben wir noch oben im Bild den Ein-/Ausschalter und rechts einen USB-Port, der genauso unzuverlässig ist, wie der vom Sigma: auch beim FFCP ist SD-Karte der einzig zuverlässige Weg. Octo / Repetier sind erst mal nicht zu empfehlen.

Alles zusammen ergibt dies einen (nahezu) vollständig geschlossenen Bauraum mit maximalen Druckvolumen von 215 x 150 x 150mm mit außenliegender Elektronik (naja, Stepper, Thermistoren & Heizpatronen sind innen..)

Druckbett des FFCP hier im ABS Warping Test (kein Warping)

Das leider nur recht knapp bemessenene Heizbett erreicht 110°C mühelos, mit etwas Vorheizen lässt sich eine Temperatur im Druckraum von ca 40°C erreichen, wer mehr braucht, kann sich eine aktive Heizung für nicht allzu teuer Geld einbauen.

Das Bett wird vollständig manuell gelevelt, es gibt keinerlei Assistent dafür, selbst den Druckkopf muss man manuell da hin schieben, wo man mit der üblichen Papiermethode den Abstand messen will. Der FFCP 16 nutzt ein 3-Punkt System, die Rändelschrauben zur Einstellung sind sehr bequem erreichbar. Der FFCP levelt sich sehr angenehm und hält sein Leveling zuverlässig.

Druckbett von unten, in den 2 Löchern klemmen normal die Rollenhalter

Das Druckbett ist ein gut 6mm starkes Alubett, darauf eine Buildtak ähnliche Druckfolie. Das Bett läuft auf zwei 10mm Linearwellen, angetrieben von einer 8mm Trapezspindel, in klassischer Kantilever Bauweise, inkl. dem leichten Durchbiegen an der Vorderkante, welches wohl der Nachteil dieser Konstruktion ist.

Blick auf die Z-Achse, unterkante des Bildes zeigt den Bett-Träger

Das Bett bewegt sich aussschliesslich in Z-Richtung. Der hier ebenfalls sichtbare Z-Endstop ist nicht verstellbar.

Die gesamte Mechanik wurde vom Makerbot gecloned und ist im 2016 Modell mehr oder minder in Spritzguss Plastikteilen ausgeführt (auch hier kann auf Aluteile von Drittanbietern umgerüstet werden). Der Heizbetträger ist aber wieder aus Metall

  

Der größte Nachteil dieser Mechanik? Als Dual DirectDrive Extruder schleppt der Extruderschlitten ein beachtliches Gewicht mit sich herum, der Druck ist entsprechend extrem langsam (jetzt nicht unbedingt in der Gesamtdruckzeit, aber was Beschleunigung angeht merkt man es extrem, dass hier klein Fliegengewicht unterwegs ist). Lager und Wellen scheinen von ordentlicher Qualität zu sein.

Die zwei Extruder des Flashforce FFCP

Die Extruder könnten nicht simpler sein, absolute Standard MK8, welche kleine Nasen zur Hilfe mit flex Filament haben, damit also wohl auch als MK10 bezeichnet werden können.

MK8 / MK10 Dual Direct Drive Extruder – absolute Standardware

Die drei 24V Lüfter des Herstellers Peerless scheinen von ordentlich Qualität zu sein, zweit HotEndlüfter axial 40x40x10mm und leider eine nur einseitige Bauteilkühlung 24V 50x15mm Radial Lüfter. So wird nur die linke Düse gekühlt, PLA ist also nur in der linken Düse optimal druckbar.

Die zwei HotEnds sind mit einem PTFE Schlauch im Inneren und somit nur bis ~240°C  nutzbar, der Drucker selber erlaubt ohne Firmware Modifikation eine Düsentemperatur bis 280°C, dazu ist aber ein AllMetal HotEnd wie es z.b. von Microswiss angeboten wird dringend angeraten.

Die HotEnds sind in der Höhe justierbar und müssen exakt den gleichen Bettabstand haben, dazu gibt es auf der Rückseite des Kühlblocks 2 Madenschrauben, die allerdings nur dann erreichbar sind, wenn man die Motoren abschraubt – sehr unbequem, aber das macht man hoffentlich nicht oft. In X & Y ist keine Justierung vorgesehen, Y und X Abstände der Düsen zueinander können in der Software gesetzt werden, für Y gibts einen kleinen Assistenten, der ein Linienmuster druckt.

Der ganze fette Extruderblock wird auf diesen Plastikschlitten geschraubt und fährt fortan auf 4 LMU8 Kugellager darauf spazieren, angetrieben von einem Stepper pro Achse und GT2 Riemen über Umlenkwellen

Die häßlichen Löcher sind von mir für einen Mod. Ich hasse Bohren. Original Löcher sind sauber..

 

Die Elektronik

Mainboard des FFCP

Flashforge setzt auf ein eigenes, mir unbekanntes Board – mit Atmega 2560 und  gesockelten Steppertreibern. Genutzt werden Allegro 4988 Treiberbausteine, welche „aufm Kopf“ montiert sind – siehe TMC Stepper Treiber.

 

Die Schraubterminals sollten für ein 24V System ausreichend sein, die Verkabelung ist fast schon vorbildlich zu bezeichnen, alle Kabelenden sind mit Aderendhülsen bzw. Stecker ausgestattet und verpolungssicher. Das 24V Netzteil kommt von der bekannten Marke Delta, ist TÜV GS geprüft, auch die Schutzerde an den Metallrahmen ist vorhanden

Die Elektronik im eigenn Fach nach Entfernen der untersten Abdeckung

Ein weiterer 40x40x20mm Lüfter 24V bläst Luft über die Stepper Treiber. A

Die Firmware

Als Makerbot Clone läuft auf dem FFCP Sailfish. Sailfish wurde angeblich schon auf dem Dremel 3D20 benutzt, nur ist man da kaum mit in Berührung gekommen. Ich bin selber noch mit mir am Hadern, was ich von Sailfish halten soll. Wer von Marlin kommt, der muss schon auch wieder ein bissl umdenken. Und mit gcode fängt der FFCP erst mal rein gar nix an, möchte binäre x3g, was anderes frisst er nicht.

Zunächst einmal heisst es wohl: dass nicht jeder Slicer funktioniert. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Flashforge eigene Flashprint Software im Vergleich mit so manchen Hersteller-eigenen Slicern einen wirklich guten Eindruck macht und eine Funktionsvielfalt bietet, die auch bei den „richtigen“ Slicern schon eher die Ausnahme ist.

Mein favorisiertes Simplify3D zeigt sich im Umgang mit den Besonderheiten mit Sailfish Druckern in den erweiterten Einstellungen wie Motorschritte usw. der Firmware Settings leider als extrem unzuverlässig / buggy.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das antiquiert wirkende Display. Es ist zwar funktionell und hat alle wichtigen Funktionen – plus ein paar Exoten, die man so nicht erwartet hätte: Einstellung der Stepper Ströme am Display, Kompensation für das bauartbedingte leicht vorne hängende Druckbett, usw. – aber, uh, schön anzusehen ist es nicht.

Aber soweit so gut mal, das soll ja noch kein Review darstellen, sondern ist erst mal nur als Bestandsaufnahme gedacht.

Bezugsquelle:

der FFCP ist zu konkurrenzfähigen Preisen auch bei Amazon.de, teilweise auch im Prime Versand aus Deutschland erhältlich. Ein Schnäppchen im Vergleich zu üblichen Chinadruckern ist er trotzdem nicht – und, auch wenn ich nun schon etwas vorgreife: er ist glaub eher ein Drucker für besondere Anforderungen, zumindest hab ich ihn mir dafür angeschafft..

10 Kommentare

  • Bestätigt doch alles in allem den Klassikerstatus des Creators Pro!
    Bin gespannt auf die weiteren Umbauten und Ergebnisse.

    • Erinnert alles sehr stark an unseren Dremel! Wenn ich den mit dem aktuellen Modell vergleiche sieht der Dremel schon etwas moderner aus aber bei der Funktion kann ich kein Argument für den doppelten Preis finden. Hoffentlich ist das Ergebnis des Umbaus den Aufwand wert. Das währ an der Bastelbude bestimmt einfacher gegangen.

  • Benjamin Lakeit

    Moinsens. Kann die Buggyprobleme mit Simplify3D und OctoPrint bei dem FFCP 2016 ned bestätigen, meiner hat schon ~1750 Druckstunden drauf und alles mit Simplify3D gesliced / OctoPrint angesteuert.
    Einen einzigen Bug kenne ich der beim Einsatz von OctoPrint nervt – mehrere Drucke nacheinander führen bei der ersten Bewegung des Druckers (wenn sich der Druckkopf von Home nach votne bewegt) zu erratischem Verhalten. Dafür gibts aber nen einfachen Workaround, ein manuelles Home Kommando des Druckers zwischen den Druckjobs.

    • Bei S3D verliert er ständig meine Steps/mm und ersetzt die mit den Standard Werten (ich hab die Extruder schon umgerüstet). Im Grunde scheinen alle Einstellungen in Tools > Firmware nicht korrekt zu funktionieren. Das macht mich kirre. Du hast da keine Probleme mit?

      Repetier-Server will aktuell gar nicht mit dem FFCP sprechen und bei Octo hatte ich ein Problem mit dem Plugin. Geht das auch ohne das Plugin? Wie hast Du den in Octo eingerichtet?

      • Benjamin Lakeit

        Ich weiß nicht was genau du für Änderungen an den Extrudern gemacht hast – da habe ich immer noch die Standardmotoren drin, änder auch nix dran. Das Teil soll bei mir stabil laufen, das tut die Stock Firmware ohne Änderungen problemlos, ich will mir bei dem Gerät den Firmwareupdate Stress schlicht nicht geben – ergo auch keine Steps Problematik.

        Repetier verwende ich kaum, hab das bisher nur beim Fabrikator Mini 2 genutzt und bin ned sonderlich scharf drauf das für andere Drucker zu nutzen.
        Bei OctoPrint hab ich mich an folgendem Instructable orientiert: http://www.instructables.com/id/FlashForge-Creator-Pro-Raspberry-Pi-2-Octoprint/

        • Aktueller Stand der Umbauten ist Microswiss HotEnds & Bondtech, brauche nun 80steps/mm auf den Extrudern. Heizung ist unterwegs und die Aluschlitten hole ich mir wahrscheinlich grad auch noch. Nicht, weil er das nun zwingend gebraucht hätte, nein, aber es war glaub die beste Basis für ein beheizten Drucker aktuell mal bis 300°C.

          Oder am Ende könnte man auch verbastelt dazu sagen 😉

          Danke für die Links, dann muss ich mich da mal schlau machen

          • Benjamin Lakeit

            Bondtech hab ich bisher ned benötigt, kam mit dem MK10 aus. MicroSwiss All Metal is aber geil.
            Habe jedoch die LM8UU durch IGUS Gleitlager ersetzt, ist aber ne jenseits Bastelei und danach muss man extrem aufpassen das die Schlitten ned verkanten, sonst hat man nur noch mehr Probleme.
            Darüber hinaus hab ich den X Achsen Schlitten durch ne Aluvariante aus der Schweiz ersetzt, um länger auch bis zu 280° gehen zu können mit Innenraumheizung. Leider hab ich die Y Achsen Schlitten nicht mehr in Alu bekommen, aber da wirds ned ganz so heiß. Mehr als 280° oder 285° wird Sailfish ned zulassen, das is ne Sicherheitsbeschränkung da der Standardthermistor ab ca. 300° keine Temperaturunterschiede mehr messen kann.
            Bei Nutzung einer Innenraumbeheizung ist mir aufgefallen, dass man die Filamentzuführung kühlen sollte, da bspw manches PLA in den langen Zuführschläuchen bei 40° Innenraumtemperatur schon zu weich wird und dann Filament Jams die Folge sind – keine Ahnung, wie oft ich deswegen schon den Extruder auseinander und zusammen gebastelt hab ;-).

            • Du bist schon da, wo ich hin will 🙂

              Igus.. ja.. hmm.. ich kenn das Problem, wenns dann bissl schief ist mit den Führungen, wirds in der Tat fummlig. Mal gucken. Bei einem Drucker hab ichs aufgegeben mit den Igus, im Prusa i3 waren se super.

              Die Bondtech.. bin zum ersten Mal nicht so 100% glücklich mit nem Bondtech Umbau.. Hätte ich glaub besser gelassen. Aber nun isses bezahlt, also bleibts auch drin.

              Gibts die Schweizer Aluvariante noch zu kaufen? Meine sind aus China, Aliexpress..

              An das Sailfisch will ich auch noch ran, wills zumindest einmal probiert haben, allerdings sagt das Netz, einmal die Flashforge überschrieben, kommt man nimmer zurück zu Flashforge – ob da was dran ist?

      • Benjamin Lakeit

        Zu deinem Steps per MM Problem schau mal hier (https://forum.simplify3d.com/viewtopic.php?t=2944) nach – da wird die Vorgehensweise beschrieben, wie die Settings nicht überschrieben werden.
        Bei mir konnte ich mich aber bisher noch nicht über dimensionale Abweichungen beklagen, die kamen wenn dann eher von abweichenden Filamentdurchmessern.

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