Kurztipp: Trockenes Silica in nur wenigen Minuten
Das Thema Silica trocknen taucht doch immer mal wieder auf. Die einen nutzen den Backofen, andere legen sich dafür sogar eine Heißluftfritteuse zu und manche verdrängen es allgemein, bis der Vorrat an trockenen Kugeln aufgebraucht ist (dazu gehöre ich).
Ich bin eher ungeduldiger Natur und bevorzuge schnelle Ergebnisse. Deshalb verwende ich seit einiger Zeit die Mikrowelle. Das ist nicht für jeden Neu, aber geht tatsächlich so schnell und unkompliziert, dass man es auch mal nebenbei machen kann.
Die hier gezeigte Methode entspricht meinem persönlichen Ablauf und funktioniert bei mir zuverlässig. Mikrowellenmodelle und Leistungsangaben können jedoch stark variieren – tastet euch beim Nachmachen bitte vorsichtig heran.
Wer die Grundlagen überspringen mag und direkt zum „Kurztipp“ möchte, klickt einmal hier
Ein paar kleine Grundlagen
Silica-Kugeln: Warum überhaupt?
Silica-Gel nimmt zuverlässig Feuchtigkeit auf und hilft so, das Filament trocken zu halten.
Zum Trocknen sind die Kugeln allein allerdings nicht ausreichend. Ihre Stärke liegt eher darin, Filament nach dem eigentlichen Trockenvorgang trocken zu halten.
Sicherheits-Hinweis
Silica-Kugeln enthalten meist chemische Zusätze, die gesundheitsschädlich oder giftig sein können.
Am besten vermeidet man blaue Kugeln, da diese Cobalt(II)-Chlorid enthalten – einen sehr giftigen Stoff. Die bekannten orangen Kugeln, die sich bei Feuchtigkeitsaufnahme grün verfärben, sind nicht hochgiftig, aber trotzdem chemisch reizend.
Daher gilt der übliche Hinweis: Im Umgang stets vorsichtig sein und die Kugeln unbedingt außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren aufbewahren. Vor allem darauf achten, dass keine Kugeln ins Essen geraten (besonders beim Trocknen in der Mikrowelle)
Wer mehr dazu erfahren möchte (Danke an Christoph aus den Kommentaren): Sind blaue Silica Kugeln schädlicher als orange (in Englisch)
Farbindikator
Viele Silica-Kugeln, wie man sie etwa in den kleinen Beutelchen beim Filamentkauf findet, sind farblos. Das macht es schwierig zu erkennen, ob sie bereits Feuchtigkeit aufgenommen haben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie nicht wiederverwendbar wären.
Praktischer sind Varianten mit Farbindikator, zum Beispiel solche, die sich von Orange zu Grün verfärben, sobald sie gesättigt sind.
Wer nur transparente Kugeln hat, kann sie unter farbige untermischen. Sie färben sich zwar nicht mit, geben aber eine gute Orientierung. Sind die farbigen wieder orange, dürften auch die transparenten trocken sein.
Wichtig: Bei zu hohen Temperaturen kann der Farbindikator dauerhaft beschädigt werden. Beim Trocknen also lieber etwas vorsichtiger sein und langsam rantasten.
Lose Kugeln überall? Muss nicht sein
Ich verwende kleine Organzasäckchen (7x9cm), in die ich die Silica-Kugeln einfach einfülle.
So lässt sich die Menge gut dosieren, und man hat nicht überall lose Kugeln herumliegen.
Während des Trocknens muss man dann jedoch etwas vorsichtiger sein, denn diese Säckchen können natürlich schmelzen wenn die Hitze zu groß wird.
Und nun zum Trocknen:
Ich hatte zuletzt einige verbrauchte Säckchen angesammelt und wollte sie wieder einsatzbereit machen.
Je mehr man gleichzeitig in die Mikrowelle legt, desto länger dauert der Trocknungsvorgang.
In meinem Fall habe ich 8 Säckchen (fast 300g) beschriftet und vor dem Trocknen gewogen (feucht = grün).
Die Mikrowelle lief auf ca. 500 W (halbe Leistung bei mir). Mehr Leistung kann problematisch werden – zu viel Hitze kann nicht nur den Farbindikator beschädigen, sondern auch die Kugeln selbst platzen lassen. Schließlich entsteht beim Trocknen Wasserdampf, und der braucht Platz und sprengt die feste Masse.
Nach zwei Minuten habe ich die Säckchen einmal gewendet. Nicht nur, um einseitige Überhitzung zu vermeiden (Löcher), sondern auch, weil sich sonst unter den Säckchen schnell etwas Kondenswasser bildet.
Das kurze Öffnen der Tür lässt zudem einen großen Teil der Feuchtigkeit zügig entweichen, denn die Mikrowelle beschlägt dabei recht stark.
Nach insgesamt 4 Minuten waren die Kugeln sichtbar trockener, aber halt auch noch nicht fertig. Weitere 4 Minuten später: optisch wie neu.
Die ersten vier Minuten wollte ich testen, ob auch ein späteres Wenden ausreicht.
Als ich nach drei Minuten nachschaute, hatte ein Säckchen auf der Unterseite bereits ein kleines Loch bekommen.
Daher mein Tipp: Dreht die Säckchen zwischendurch oder verwendet ein stabileres Gefäß.
Ich bin daraufhin wieder zu meinem bewährten Zwei-Minuten-Rhythmus zurückgekehrt. Der hat sich bei mir bewährt.

Ein Loch (die schwarzen Punkte, die man teilweise sieht, kommen übrigens durch die Markierung der Säcke mit dem Edding)
Bei einer kleineren Menge Kugeln dauert der Trockenvorgang auch weniger lang. Wobei selbst diese 8 Minuten im Vergleich zum Ofen nicht lange sind. Vom Stromverbrauch wollen wir da erst gar nicht reden.
Messwerte
Die Messung vor und nach dem Trocknen
| feucht | trocken | |
| Säckchen 1 | 39g | 32g |
| Säckchen 2 | 37g | Kugeln verloren, daher kein direkter Vergleichswert |
| Säckchen 3 | 30g | 24g |
| Säckchen 4 | 30g | 25g |
| Säckchen 5 | 36g | 30g |
| Säckchen 6 | 46g | 37g |
| Säckchen 7 | 31g | 26g |
| Säckchen 8 | 35g | 29g |
Alle Messwerte enthalten die Organzabeutel die ich jetzt nicht separat gewogen habe.
Vor dem Trocknen lagen insgesamt 285 Gramm in der Schüssel. Das Gewicht der Schüssel selbst wurde zuvor abgezogen.
Nach dem Trocknen, inklusive der Kugeln, die durch das Loch lose auf dem Teller lagen, zeigte die Waage etwa 235 Gramm an.
Der Unterschied beträgt also 50 Gramm. Das entspricht mehr als der Menge eines kompletten Säckchens, wie ich es normalerweise verwende.
Zum besseren Vergleich habe ich diese Wassermenge einmal in ein IKEA-Trinkglas gefüllt. Dabei habe ich nicht das Volumen, sondern das Gewicht des Wassers gemessen.
Fazit
Diesen Test habe ich vor allem aus eigenem Interesse heraus gemacht, weil ich einfach mal Zahlen sehen wollte, wie viel Wasser diese Kugeln wirklich aufnehmen können.
Das Ergebnis hat mich ehrlich überrascht. Ich hatte nicht mit so einer hohen Menge gerechnet. Der Wasseranteil liegt bei etwa 17 bis 18 Prozent des Eigengewichts.
Natürlich war das kein wissenschaftliches Projekt, sondern reine Neugier. Zudem wollte ich euch einfach mal schnell und unkompliziert zeigen, wie ich die Trocknung mache. Wer häufig Kiloweise verbrauchte Perlen hat, für den ist diese Methode vermutlich weniger geeignet. Sie richtet sich eher an die normalen Hobbyisten unter uns. In meinen Augen lässt sich das mal schnell nebenbei machen, während man vielleicht einen Kaffee kocht oder den Geschirrspüler ausräumt.
Einkaufszettel
Falls jemand die im Beitrag erwähnten Produkte sucht ist hier eine kurze Übersicht.
Beides habe ich bequem über Amazon bestellt.
Beutel: 7x9cm, 120 Stück, 6,99 Euro
Silica: 1kg Silica Perlen für 12,95 Euro
Natürlich gibt es auch günstigere Alternativen, besonders bei größeren Mengen Silica-Perlen. Spezialisierte Anbieter bieten hier oft bessere Kilopreise an.
Auch auf Amazon lohnt sich gelegentlich ein Blick, da sich Preise und Angebote ständig ändern.
Zum Zeitpunkt meiner Bestellung waren die hier verlinkten Produkte jedenfalls die günstigsten in 1 kg-Größe, die ich finden konnte.





So, dann will ich mal von meinem Misserfolg mit der Mikrowelle berichten.
– Silicgel von Steiner-Chemie, mit Indikator, orange wenn trocken
– Mikrowelle mit alter Technik (also kein Inverter), im Menue auf 500W mittlere Leistungsabgabe eingestellt.
– beim ersten Versuch 3 Organza-Säckchen, Gesamtgewicht etwas über 300g auf Pastateller
– beim zweiten Versuch 2 Organza-Säckchen, Gesamtgewicht knapp 200g auf Pastateller
Zunächst die 2-Minuten-Intervalle getestet. Ja, es entweicht Feuchtigkeit, Mikrowellentür und Pastateller sind beschlagen. Irgendwann nach x Intervallen wird auch das Silicagel etwas heller, aber da geht mir schon die Geduld aus.
Beim Versuch mit 2 Säckchen und 3-Minuten-Intervallen wurde das Silicagel auch irgendwann etwas heller. Und irgendwann ist dann das Organza an einer Stelle geschmolzen. Und blöder Weise auch der Pastataller gerissen…
Bei beiden Versuchen hat es von Anfang an ziemlich heftig „gerochen“.
Fazit für MICH: In dem Setup nicht stabil und sicher durchführbar, die Indikatorfarbe kam auch nach x 2-Minuten-Intervallen nicht mal in die Nähe des ursprünglichen orange. Betreuungsaufwand erheblich größer als bei Ofentrocknung, Ergebnis mager oder fraglich.
Ich komm mit dem Steiner in der Microwelle tatsächlich auch nicht so gut zurecht.. Mit dem anderen, dass grün wird, klappt es besser..
Meine Mikrowelle ist ja auch noch eine alte gewesen. Seit gestern habe ich eine mit Inverter … vielleicht teste ich das da mal noch zusätzlich.
Ich kann mir vorstellen, dass es Perlen gibt, die mehr Feuchtigkeit aufnehmen können. Wenn man die ganzen Produktbeschreibungen liest, erzählen die einem immer etwas von 30-40% Feuchtigkeitsaufnahme im Vergleich zum Eigengewicht. Nun lagen, bevor ich den Test hier durchgeführt hatte, die Beutelchen allgemein noch paar Tage offen rum. Also noch gesättigter geht nicht.
Wenn man jetzt aber den Unterschied im Gewicht betrachtet, waren es 17-18% (stand auch so im Fazit). Also fernab von Herstellerversprechen. Andere Vergleichswerte fehlen mir hier.
Vielleicht sind die Steiner-Chemie Kugeln qualitativ hochwertiger und können mehr Feuchtigkeit binden, wodurch das trocknen auch länger braucht? Denn angenommen die können 30-40% binden, dann wäre es die doppelte Menge Wasser und entsprechend länger dauert es, bis das wieder freigesetzt wird. Mehr Zeit = längere Hitzeeinwirkung.
Also ist nur eine Theorie und vielleicht auch Blödsinn. Überprüfen kann ich es nicht. Wäre toll, wenn jemand mit Zeit&Lust ‚vor‘ und ‚danach‘ wiegen könnte.
Der erste vernünftige Grund, mir evtl. mal eine Microwelle anzuschaffen. 😀
Was mich jetzt noch brennend interessiert ist: welche Silika Perlen hast Du da?
Ups. Da verlinke ich zwar die Beutelchen aber vergesse die Perlen um die es doch eigentlich geht. Ich habe zwar auch noch andere, aber die aus dem Test halte ich Sortenrein, weil sie nicht so winzig klein sind. Pflege ich am Ende des Beitrag nach 🙂
Ich verwende klare, geruchsneutrale, nicht klumpende Silica-Katzenstreu ohne Indikatorperlen als Trockenmedium. Ich habe einige Tests gelesen, wonach sie nicht so effektiv ist wie Silica-Perlen, aber das ist mir egal, da sie für mich gut funktioniert.
Die Silikatperlen sind in Textilbeuteln eingenäht, die einer Ofentemperatur von 120 °C standhalten, mit der ich die Beutel trockne, nachdem ich die Feuchtigkeit aus den Silikatperlen mit einigen Minuten in der Mikrowelle entfernt habe.
Ich habe gelernt, die Beutel nicht in der Mikrowelle zu stapeln, da es im Stapel sehr heiß werden kann und es einmal vorgekommen ist, dass einige Beutel in der Mitte des Stapels durchgebrannt sind. Alternativ können sie auch einfach etwa 6 Stunden im 120 °C heißen Umluftofen trocknen.
Danke vielmals für den ausführlichen Kurzbericht. Da ich auch Organzabeutel verwende, werde ich mich an die 2 Minutenintervalle halten.
Das übersteigt aber deutlich einen Kurztipp! 😉
Danke für die Mühe und den Beitrag!
Viel gibt es ja nichtmehr zu sagen. Ob nun aus den Beutelchen im Filament oder als 2kg-Pack von Amazon, Silica ist Silica. Teilweise liegt auch Betonit und anderes Zeug dem Filament bei. Besser oder schlechter… Ich hab keine Ahnung. Ich verwende nur Silica. Für die Wasseraufnahme ist die Oberfläche von Silica verantwortlich. Diese ist sehr groß, aber auch begrenzt. Also muß diese nach einiger Zeit getrocknet werden. Besser das Silica aus den Säckchen befreien. Säckchen behindern das Trocknen und können schmelzen. In der Microwelle wird nur das Wasser erhitzt. Wird das Wasser zu warm, erwärmt es die Säckchen. Es genügt wirklich, mit der niedrigsten Stufe zu arbeiten und nur kurze Zeit. 2min bei mir und dann die Mikrowelle gut lüften. Man spürt die Feuchtigkeit in der Luft der Mikrowelle. Das wiederhole ich 3-4 mal. Dann ist spürbar die Luftfeuchtigkeit in der Mikrowelle gesunken. Indikator kann man machen. Wenige Perlen genügen. Ich lege das Silica in die CFS. Diese hat eine Anzeige für die Feuchtigkeit. Damit kann ich auch ohne Indikator erkennen, wann das Silica eine Trocknung benötigt.
Hast du jemals erlebt, dass ich mich kurz fassen kann? 😛
Der eigentliche Tipp ist kurz. Die Grundlagen haben es etwas gesprengt. Aber wenn man nicht alles erklärt und Nachweise bringt (giftig, chemisch, SDB’s), dann gibts wieder von irgendwo schimpfe. Also lieber zu viel als zu wenig.
Das überrascht mich jetzt. laut Hersteller wäre die Mikrowelle zur Trocknung nicht geeignet. Ich lege sie daher auf ein Backblech bei 110° C für 90 Minuten in den Backofen.
Ich verwende ebenfalls die orangefarbenen Kugeln.
Der Backofen ist auf jeden Fall eine sehr gute und verlässliche Methode. Dort lassen sich Temperatur und Zeit viel genauer einstellen als in der Mikrowelle, die je nach Gerät sehr unterschiedliche Leistungen hat, oft nur grob regulierbar ist und vor allem ungleichmäßig erwärmt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Hersteller deshalb von der Mikrowelle abrät, schließlich will man nicht, dass Kugeln durch zu hohe Hitze platzen oder der Farbindikator beschädigt wird.
Wer es genau nimmt, ist mit dem Backofen sicher auf der richtigen Seite. Für mich persönlich zählt bei der Mikrowelle aber vor allem die Schnelligkeit und der praktische Umgang, wenn man es vorsichtig macht. Inzwischen ist diese Methode doch weiter verbreitet als mir anfangs klar war.
Vielen Dank, hab bis jetzt wegen der „Herstellerempfehlung“ die Mikrowelle vermieden.
Die meisten Mikrowellen gehen leider nur über die An- oder Ausschaltung als Intervall.
Das könnte bedeuten, das Mikrowellen mit hoher Endleistung doch problematisch werden könnten.
.Das blaue Silica ist wirklich sofort zu entsorgen.
Darin enthalten ist eine Cobaltverbindung die schwer im Verdacht steht, krebserregend zu sein.
Meines Wissens nach, ist der Verkauf sogar in Deutschland verboten.
Aber als Abschluss, als Frau die Mirkrowelle zu empfehlen, Hut ab. ✌️
Ich glaube ,das einige weniger Anlass brauchen , um den Haussegen aus der Balance zu bringen.
Danke für den Bericht!
Hier noch ein Hinweis zu den farbigen Silica-Kügelchen. Im Gegensatz zu den farblosen sind die farbigen gesundheitsschädlich, die blauen enthalten Kobaltdichlorid und sind sogar Krebserregend, die orangenen enthalten einen organischen Indikator, der etwas weniger kritisch, aber auch nicht gesund ist. Also entweder doch einfach farblose benutzen oder beim Umgang damit Hautkontakt vermeiden, ggf. Maske tragen und Hände waschen…
Wer mehr über die involvierten Substanzen wissen will, siehe hier: https://chemistry.stackexchange.com/a/473
(Es gibt zwei verschiedene orangene Farbstoffe: einer wechselt von orange nach grün (Kristallviolett), der andere von orange nach grün (Phenolphtalein).
Ich habe mal den Sicherheitspunkt noch etwas offensichtliche nachgepflegt. Und Danke dir, Christoph, deinen Link habe ich für alle neugierigen mit aufgenommen.