Filament trocknen mit dem Klarstein FruitCube

Heute back ich, morgen brau ich und ab übermorgen pack ich mein Filament in einen Gemüsetrockner: der Fruitcube von Klarstein

Mit dem Trocknen von Filament spiele ich immer wieder mal mehr oder weniger motiviert in der Gegend rum, gerade wenn es nun um Materialien wie Nylon oder PVA geht, muss es trocken sein – aber auch bei lang vernachlässigtem PLA, ja selbst bei PETG soll das Trocknen helfen, gerade auch, wenn man auf der Suche nach der perfekten „Durchsichtigkeit“ seines Druckes ist.

Wozu Filament trocknen?

Feuchtes Filament knistert nicht nur lustig, sondern durch die Hitze wird die Feuchtigkeit zu Wasserdampf und der will raus, die Extrusion wird unregelmäßig. Durch den Dampf in der Düse kriegst keine schönen glatten Oberflächen mehr hin: der Dampf staut sich, dann platzt Material wie ein überreifer Pickel vorne raus, danach hast erst mal ne Unterextrusion, weil das Material nun fehlt. Glatt geht anders. Transparente Materialien werden trübe, feuchtes Nylon kriegst nicht gedruckt und PVA wird eine einzige klebrige Katastrophe.

Höchste Zeit also, der Sache mal etwas planmäßiger auf die Spur zu gehen. Das Problem dabei ist: der Ofen meiner Frau ist für mich eigentlich eine verbotene Zone.

Womit das Filament trocknen?

Wenn der Ofen in der Küche mal so eben „schnell“ 12 Stunden vor sich hin trocknet steigt die Gefahr, dass Frau das merkt. Außerdem: ich hab Essen/Küche und Basteln doch ganz gerne getrennt, dieses Argument „PLA ist doch nur Mais- oder Rübenstärke“, bzw. Lebensmittelecht / Foodsafe hinkt eh – aber dazu mach ich dann mal noch ein extra Blogpost dazu. Küche ist Küche und Bastelkeller ist Bastelkeller.

Langer Rede kurzer Sinn, ein Gemüsetrockner/Dörrautomat muss her. Die gibts bei Amazon.de bereits ab 35,- Euro:

Hier der Rosenstein & Söhne Trockner z.B. 35,00 Euro im Prime Versand. Vollkommen ausreichend, um da ne Rolle Filament zum Trocknen rein zu packen. Allerdings muss man sich die „Etagenböden“ zurecht schneiden, das war mir dann zu fummelig und außerdem wollte ich gerne ne Zeitschaltuhr mit drin haben. Wir brauchen ne regelbare Temperatur und 20cm Durchmesser, bis ca 9cm nutzbare Höhe für die allermeisten 1kg Rollen.

Mir persönlich gefiel jedoch folgendes Gerät besser, der Klarstein Fruitcube – zu 89,- Euro bei Amazon.de:

Eckiger Kasten mit rausnehmbaren Regalböden: Klarstein Fruitcube

Klarstein ist ne deutsche Firma und bekannt dafür, billig(st)e China Haushaltsgeräte unter eigenem Namen zu verkaufen, das tun se schon ne Weile, also immerhin kein absolutes Noname mehr – wobei.. ahja, im Zweifel für den Anbieter. Als Qualitätsmarke war mir Klarstein jedenfalls nicht in Erinnerung. Wobei die Pearl Marke „Rosenstein & Söhne“ vom ersten Beispiel ist das ja auch nicht..  wie dem auch sei.

Der Fruitcube kam, wie mans von China kennt, in typischer Chinakartonage umverpackt hier an, Versand erfolgte aber aus DE. Ich denke mal, das Einzige, was an diesem Gerät in Deutschland gemacht wurde, ist da den neuen Versandaufkleber drauf zu kleben. So viel zur deutschen Firma 😉

Für den höheren Preis bekommen man

  • 500W Leistung
  • Zeitschaltuhr 1h – 48h
  • Temperatur einstellbar in 5°C Schritten zwischen 40°C und 70°C
  • Digitalanzeige Restdauer (in Stunden), Temperatur
  • 10 rausbehmare Etagenböden, nutzbar 31cm x 21cm, zwischen einer Etage sind etwa 1,5cm Höhe

Das ganze Ding ist ein Plaste & Elastebomber, alles wackelt so ein bissl, alles flext, aber es tut seinen Dienst. Der grüne Deckel wird einfach so vorne drauf geklemmt und mit Magneten so leidlich gehalten. Es gibt ihn auch in Rot. Wers braucht. Der Lüfter sitzt unten im Boden, vibriert und klappert im Betrieb so vor sich hin. Chinalüfter halt. Die Geräuschkulisse ist erst mal grad noch erträglich, die ersten 2 Betriebsstunden stinkt er erbärmlich.
Wie genau die Temperatur ist, muss ich mal noch testen, erster Eindruck: der bleibt wohl etwas drunter.

Aber was die Bestückungsmöglichkeiten angeht bin ich recht zufrieden:

3 Rollen passen grad so rein, die untere is ne fette 1kg Rolle

 

Beim nächsten Test werfe ich da mal noch die inzwischen vollgesogenen Trockenkugelbeutelchen mit rein – die aus Peters Artikel zur Filamentlagerung

Oder andere Alternative: drucken während dem Trocknen / Filamentheizung:

Spule stehend samt Rollenhalter

Jetzt machste da noch nen kleines Loch in die Tür und ziehst nen cm Bowdenschlauch durch, dann ist die Sache geritzt, wer will macht sich noch ne Schlauchkupplung hin – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wie trocknen?

Rat geholt hab ich mir da wieder bei meiner lieben Kollegin Susi, die in ihrem früheren Leben wohl Materialwissenschaftlerin war, aber leider ausser den wichtigsten Grundbegriffen kein Deutsch spricht, sonst hätte ich se schon längt zwangsrekrutiert fürs Blog.

Die sagte zu mir, das musst halt mal testen, die Dinger sind weder genau noch kannst es gut vorhersagen, aber halt dich mal da dran:

  • PLA: maximal 50°C, halte dich weit genug von der Glasübergangstemperatur weg.
  • PVA sehr vorsichtig mit der Temperatur und abkühlen lassen, das bremst sonst gerne, wenns warm verdruckt wird.
  • alles andere: gib ihm die 70°C – kommt meist eh nicht wirklich soviel Temperatur bei rum.
  • Für die großen 1kg Rollen lass über Nacht laufen, ca. 10 Stunden.
  • Für die kleinen Materialproben (10m) reichen 3 Stunden.
  • Alles, was wirklich richtig transparent werden soll, erst mal vor dem Druck 6 Stunden in so ne Kiste, auch bei frisch gelieferten Rollen, die eben noch verschweißt waren, auch die haben ab Produktion schon gerne ne etwas höhere Feuchtigkeit und manche Hersteller stabilisieren/ kühlen zudem in der Produktion mit Wasser.

Da werde ich mich jetzt mal dran halten und dann berichten. (Susi nutzt übrigens das Rosenstein Ding, oder zumindest eines, das identisch aussieht und ne Plastik-Tortenglocke anstatt der Böden.)

Erste Versuche Filament trocknen:

Hier liegen noch Unmengen Reststücke an Filament rum, die nun teilweise schon Jahre irgendwo im Regal lagen. Also gleich mal ans Werk:

  • Versuch 1: 100,88g Extrudr MF-PLA: etwa 2,0% Gewichtsverlust nach 3 Stunden bei 50°C
  • Versuch 2: 142,21g Verbatim PLA: etwa 1,8% Gewichtsverlust nach 10 Stunden bei 50°C

Also kurz gesagt: es passiert was, ein Gewichtsverlust ist da, wenn auch jetzt nicht in gigantischen Ausmaßen.

Beim Extrudr PLA bilde ich mir ein, dass es nun ein ganz klein wenig weniger leicht bricht, das kann aber aber mangels geeigneter Messmethode auch Einbildung sein. Das eh schon zähe Verbatim PLA hingegen macht auf mich keinen Unterschied.

Ich hab dann mal nochmal die gute Susi befragt, die sagte mir:

„.. wenn das Wasser im PLA erst mal drin und die chemische Veränderung passiert ist, dann hilft das Trocknen nur noch bedingt, du kriegst zwar nen Teil des Wasser wieder raus – aber die geänderte Struktur änderst du so erstmal nicht wieder zurück. Das Knistern und Blubbern wird zurück gehen, aber es bleibt brüchig.
Was allerdings häufig der Fall ist und bei sehr brüchigem PLA helfen kann: solang das PLA noch warm ist, wird es nicht so leicht brechen – bei Problemrollen druckst Du also aus dem laufenden Trockner“

Ich geh jetzt mal Filamente „wässern“, damit ich zum einen ein vorher / nachher Druckvergleich machen kann und überhaupt erstmal was zum Trocknen habe.

Übrigens…

PLA wird nicht nur feucht, sondern auch „alt“, nach 1 Jahr dumm rumstehen gilt das PLA als „altbacken“, auch UV Licht setzt dem PLA zu, drum wird Filament bei den teureren Anbietern auch nicht in Klarsichtbeuteln sondern in der spacigen Silberfolie geliefert. Dazu kommt, wenns offen steht, auch noch jede Menge Staub und Tierhaare, die dann im HotEnd für extra Spaß sorgen.

Ich selber hab mich da eigentlich nie groß drum gekümmert und ein Schwamm als Filementreiniger scheint zu reichen. Aber das mit überalterter Ware ist nochmal ein interessanter Aspekt, den ich bislang noch gar nicht auf dem Schirm hatte.

 

Soweit mein Einstieg ins Thema „wir dörren unser Filament“, werde das bei Bedarf und neuer Kenntnisslage dann entsprechend ergänzen.

5 Kommentare

  • Moin

    Ich lagere Filament von Anfang an in Ikea Zipbeuteln (4,5 oder 6L) in denen mind. eine Packung Trockenperlen/Silicagel liegt.
    Das ganze in einer Kiste – lichtdicht.

    Beim Drucken habe ich einen Zipbeutel über die Rolle gezogen und so weit es geht zugemacht, so dass nur noch der Halter und Teflonschlauch rausschauen.
    Und auch da ist in der Rolle/Zipbeutel ein Säckchen Trockenmittel mit drin.

    Und da mein Büro/Labor in der Wohnung ist, hab ich hier normal 30-50% Luftfeuchte im Raum.
    Durch die Beutel und die vollständige Führung durch Bowden hab ich auch keine Probleme mit Staub im Filament.

    Die Beutel brauchen weniger Platz als irgendwelche Lösungen mit Boxen oder runden Frischhaltedosen.
    event. bau ich mal einen Aufnahmebehälter direkt am Drucker…das während des Drucks das Filament noch dichter/trockener verpackt ist.

    CR-10 mit DuetWifi

  • MagicBugsBunny

    Coole Sache 🙂 Aber ich lese auch immer wieder das das bei PLA alles Blödsinn ist da es kein Wasser aufnimmt.
    Das eigentlich nur dieses PVA und HIPS empfindlich sind?

    Gibt es irgendwo fundierte Aussagen zu PLA und CO? Chemiker?

    • PLA nimmt Wasser auf, sogar PETG nimmt Wasser auf (hätte ich z.B. nicht gedacht).. Irgendwo hab ich sogar die Werte von einzelnen Filamentherstellern gesehen. Nylon ist auch lustig, da kannst während dem Drucken schon guggen, wies „kaputt“ geht.

      Hmm.. ich guck mal ob ich ne hochoffizielle Quelle finde.. das is bei der Frage nach Quellen ja immer schwierig, was als „vertrauenswürdig“ akzeptiert wird

      Hier is eine:

      https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0141391005001618

    • MBB ich kann Dir auch keine fundierten Aussagen dazu geben sondern nur die eigenen Erfahrungen. Vermutlich hab ich eine extrem trockene Raumluft und was auch immer ich mit meinem PLA anstelle es läßt sich ordentlich drucken. Vor allem PET wird als nicht Wasser aufnehmend bezeichnet. Ich denke aber, daß es sehr stark auf die Umgebung ankommt. Im Kellerraum herrscht meißt ein anderes Klima als unter dem Dach. Hast Du das Gefühl, da stimmt was nicht mit meinem Filament sollte man mal über die Feuchtigkeit nachdenken. Wenn beim Druck alles paßt gibt es keinen Grund zu Panik. Das ist eine Möglichkeit von vielen das Filament zu trocknen. Eigentlich befinden wir uns in der idealen Jahreszeit zum trocknen und die Kälte aus Sibirien ist da ideal. Raus in die trockene Kälte damit und anschließend im geschlossenen Behälter bei Raumtemperatur die Feuchtigkeit ziehen. Bei Gebäuden wirkt das genauso.

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