Airbrush: Giraldez Infinity von H&S

Ja, ich bin ewig spät, aber was soll’s. Schnell noch ein kurzer Blick auf die Unterschiede zwischen der normalen Infinity und der Giraldez Version der Infinity von Harder und Steenbeck … und ein kleines Schnäppchen, solang es das noch gibt.

PS: Nicht gesponsort, mein Airbrush-Hobby bezahle ich komplett aus eigener Tasche.

Vorneweg: nee, gebraucht hätte ich die jetzt nicht unbedingt. Aber ich wollte mir die mal angucken.

Es gab in letzter Zeit einige Sondermodelle von Harder & Steenbeck, die zwei Kiev Editionen Infinity Light & Kiev Infinity Dark zu je 239,- Euro sowie die Luxus Kiev Infinity in Gold für schlanke 500,- Taler. Übrigens: die Gewinne aus den Verkäufen dieser drei Editionen werden an die Ukraine Hilfe gespendet.

Kiev Light & Dark sind im Grunde Standard Infinitys, wenn man vom geschlossenen Griff und dem Design absieht, dazu in Alu, das ich nicht so mag. Ich mag das CR+ lieber. Und Gold, ähm, ja, das ist dann in meinen Augen eher ein Sammlerstück, zum in die Vitrine legen und nicht, um da Farbe durchzurotzen.

Auch schon davor gab es Sondereditionen bei Harder & Steenbeck …

… aber keine Sonderedition bisher wurde vom namensgebenden Künstler so stark verändert, wie es Harder & Steenbeck dem Miniaturen-Profi Angel Giraldez für seine Giraldez Infinity ermöglicht hat.

 

Hier haben wir sie also, die Giraldez Infinity: bunt, verziert und mit den 3 zusätzlichen Zielhilfen. Mir hätte das auch ohne den Zierrat getan und bunt ist auch nicht so meins, aber was soll’s. Geschmacksache sicherlich, letztendlich ist das Aussehen ja nicht so tragisch, mir gehts bei einer Airbrush ja eher darum, wie sie sich anfühlt … und da war die Standard Infinity ja schon sehr erfreulich, gerade auch die CR+-beschichteten mag ich sehr gerne.

Mal so nebenbei eingeworfen, das Airbrushen von Minis erfordert etwas andere Fingerfertigkeit (und eine sehr präzise Airbrush). Um auf einem 30 mm Mini nur das Ärmchen zu besprühen, ohne gleich Haare und Schuhe auch noch mit zu bemalen, ist eine andere Geschichte, als flächig mit einer Airbrush große Objekte zu sprühen, mit Schablonen zu arbeiten (oder auch Primern und Klarlacken). Während in der klassischen Airbrush-Schule mit weichen langen Schwüngen gearbeitet wird, hat das Minis sprühen was von Nähmaschine am Trigger – auch das will erst mal geübt sein, wie ich leider sehr leidlich feststellen musste.

Giraldez Infinity – die Unterschiede

 

Was also hat der Herr Giraldez denn so geändert?
Legen wir dazu einfach mal die normale Infinity CR+ daneben bzw. darunter:

Der Kopf ist kürzer geworden, der Trigger sieht anders aus, da im Griffausschnitt hat sich was geändert. Schauen wir mal auf die Einzelteile:

  • Griff mit Farbmengenbegrenzung, mit Schnellverstellung bis auf die Optik unverändert. Ich weiß jetzt gar nicht, ob die Standard Infinity auch schon mit dem Schnellwechselanschluss für den Schlauch kam, oder ob ich den dazu gekauft habe, sei’s drum: bei der Giraldez hängt einer dran.
  • Das Ventil habe ich nicht ausgebaut, ist auch identisch, wie bei den meisten Harder & Steenbeck Airbrushes.
  • Trigger ist anders, da kommt gleich noch mal ein Bild
  • der goldene Mittelteil ist anders und damit auch die Nadelführung und die Mechanik, auch hier gibts gleich noch ein paar extra Detail-Fotos.
  • Der Kopf ist kürzer, also von Düsenspitze bis Trigger.
  • Das Standard 2ml Töpfchen ist identisch, bis auf die Gravur auf dem mitgelieferten Deckel. Deckel kosten sonst gerne extra. Der große 5ml Topf von Harder & Steenbeck für die Infinity Serie passt bei der Giraldez nicht mehr – aber soviel Farbe braucht man beim Minis sprühen ohnehin nicht. Selten, wenn ich da mal mehr als 2-3 Tropfen Farbe im Becher hab.
  • Nadel, Düse & Luftkappe ist bei den gängigen Harder & Steenbeck identisch, passen bei Infinity, Evolution, Grafo und Ultra – und natürlich auch bei der Giraldez Infinity. Interessant ist, dass Harder & Steenbeck hier bei der Giraldez Version eben nicht die ultrafeine 0,15 mm Nadel & Düse ausliefert, sondern die Standard 0,2 mm – im 2-in-1 Set zusätzlich die 0,4 mm Düse. Vermutlich, weil die 0,15 mm Düsen doch arge Zicken sein können? Die 0,15 mm Düse war eigentlich so ein bissel das Alleinstellungsmerkmal der Infinity, es gibt nur wenig Konkurrenten mit ähnlich feinen Düsen (Iwata in der Custom Micron Serie um 400,- Euro und die 250,- Euro GSI Creos 771 haben um ~0,18 mm, wenn ich jetzt nicht irre). Könnte also durchaus seinen Grund haben, dass die hier nicht dabei ist, obwohl das ganze Marketing hier doch irgendwie auf „super-präzise – für Minis“ abzielt. Wer 0,15 mm in einer H&S aus den benannten Serien mal probieren will, bekommt das Umrüstset 126823 z. B. bei Amazon – für nicht ganz so schlanke 49,- Euro. Ich meine, die Luftkappe war bei 0,15 mm und 0,2 mm identisch, nagelt mich jetzt aber nicht fest drauf, wenn ich recht habe, würde also Nadel & Düse reichen, um eine 0,2 mm Version auf 0,15 mm hochzurüsten.

Der neue Trigger:

… hat zunächst hier einen kleinen Knubbel bekommen. Über den kann man wunderbar streiten, denn er zwingt einem quasi eine bestimmte Fingerposition auf.

Ich finde es zumindest mal ungewohnt. Legt man den Finger anders als gedacht direkt auf den Knubbel, wirds nach paar Minuten etwas unbequem. Im Netz findet man wie immer das gesamte Meinungsspektrum: von „genial“ bis „ich dremel das weg, dann ist gut“.

Weg dremeln werde ich es nicht, vielleicht gewöhne ich mich ja dran. Oder ich hol’ mir einen Standard-Trigger Teile-Nummer: 126176 bei Amazon für 38,- und baue den ein, das geht problemlos:

Noch was ist anders, der Triggerschaft ist nicht mehr rund, sondern nun Oval:

Man sieht es nicht gut, aber der blaue Giraldez-Trigger ist oval. Nimmt ein bissel das Spiel raus, mit dem Standard-Trigger kann man das verdrehen – oder absichtlich 180° gedreht nutzen. Das geht mit dem Giraldez-Trigger nimmer. Ob das nun nötig gewesen wäre und ob das eine Verbesserung ist?

Weniger Spiel gibt es nun auch in der neu gestalteten Nadelführung, zum einen ist die Kontaktstelle von Trigger zur Mechanik nun auch oval (links alte Infinity, Mitte & rechts Giraldez)

Und auch das Profil zur Führung des Nadelfutters wurde auf weniger Spiel hin optimiert.  Statt lose sitzendem 6-Kant jetzt dieses (längere) Stern-Riffel-Ding. Ja, es sitzt schöner.

Was ich allerdings nicht verstehe, ist, warum Harder & Giraldez das im Netz doch häufig erwähnte (von mir jedoch nicht nachvollziehbare) Spiel zwischen Trigger und Nadelmechanik absolut nicht angegangen ist.

Links Infinity Standard – rechts Giraldez:

Da, an dieser Stelle, hat sich meiner Meinung effektiv nichts geändert, ich habe da auch keine Verzögerung bei der alten Infinity und das fühlt sich bei der Giraldez auch nicht anders an. Der im Internet propagierte Fix für das für mich nicht erkennbare Problem ist das Aufbohren von 2 Ersatz-Teflondichtungen (die Düsendichtung dürfte das sein) und die da mit reinpacken.

Ist das evtl. nur ein Internet bzw. YouTube Problem? Wie dem auch sei, da diese Kontaktstelle nun oval ist, wäre dieser Fix bei der Giraldez etwas schwieriger umzusetzen. Aber wir sind ja Drucker, wir könnten so etwas mit einem Muffeldrucker machen.

Wie man leicht sehen kann, der goldene Mittelteil und damit die gesamte Nadelführung wurde umgestellt, insgesamt ist die Führung jetzt länger und soll das Einführen der Nadel einfacher und sicherer machen, weil man die Nadel nimmer verkanten kann oder durch etwas schief sitzende Teile irgendwo gegen rammen.

Jetzt mal ehrlich, ich habe mir so ’ne Nadel schon bis in den Knochen in den Finger gerammt, aber beim Einführen in Öffnungen, wo so eine Nadel reingehört, hatte ich noch nie ein echtes Problem, vielleicht mal etwas hakeln, ja. Aber ich gebe es auch hier gerne wieder zu: ja, sie gleitet jetzt ganz wunderbar bis zur Düse. Dabei merke ich gerade, dass meine Nadeldichtung etwas stramm ist bei der alten Infinity (oder bei der Giraldez eher lose?).

Noch was zum kürzeren Kopf:

Der kürzere Kopf soll mehr Kontrolle ermöglichen. Jo, stimme ich zu. Ich mag ewig lange Airbrushes auch nicht so wirklich. Ich mag auch keine ewig langen Pinsel. Das Konzept kürzerer Kopf ist nicht unbedingt neu. Wie man hier im Vergleich sehen kann, sind Badger Sotar (Patriot 105 auch, nicht im Bild) und vor allem Iwata Takumi Eclipse noch mal kürzer als die Giraldez:

Noch was zu den Zielhilfen:

Ich habe das ja auch erst etwas belächelt, aber ganz nutzlos ist das tatsächlich auch nicht: wenn man sich den Bügel entsprechend hindreht und entsprechend nah am Mini ist, schafft es durchaus eine etwas bessere Orientierung, wo die Farbe in etwa landen wird. Lacht nicht, das Zielen ist für einen Anfänger (ich zähle mich da ja immer noch dazu) manchmal ein Problem. Ob ein absoluter Meister wie Giraldez so was braucht, wage ich mal arg zu bezweifeln.

Symbolhaft ein (gestelltes) Anwendungsszenario

Diese Zielhilfen werden statt der normalen Nadelkappe (in der Infinity Serie ist es ja die sogenannte Fineline Kappe) auf die Airbrush aufgesteckt. Diese 3 Dinger müssten auch bei einer Evolution passen. Im Moment finde ich sie allerdings nicht einzeln zum Nachkaufen. Das könnte aber noch kommen.

Wie sprüht sich das – oder mein Fazit?

Ähem, ja, wie eine normale Infinity auch? Und das ist so ein bissel der Haken an der Geschichte, auf meinem Niveau lohnt sich das irgendwie nicht wirklich. Ich fürchte, ich reize eine Evolution schon nicht aus. So leid es mir tut und so klasse ich die Giraldez Infinity finde, sprüht sie eben auch nicht anders als meine anderen Harder & Steenbeck.

Der zweite Haken ist der Preis: Die Giraldez Infinity hat mal 229,- Euro als „Solo“ mit einer Düse gekostet, ich meine 279,- Euro als Two-in-One Set mit 0,2 mm & 0,4 mm Düsen. Hat gekostet. Bis letzte Woche: dann ist der Preis von Harder & Steenbeck mit Ankündigung wirklich deutlich gestiegen: 255,- für die „Solo“, 310,- für das Two-in-One Set.

Teilweise bekommt man sie noch zum alten Preis, wenn man im Airbrush Fachhandel schaut (z. B. hier bei PK-Pro), aber auf der Aktionsseite von Harder & Steenbeck sind das nun die neuen Preise.

Aber ich hatte ja ein Schnäppchen versprochen, aus irgendeinem Grund verkauft Airbrush City das Two-in-One Set für 249,- Euro. Also billiger als der alte Preis und billiger als der neue „Solo“ Preis. Lustigerweise kann man das Angebot nicht über den normalen Webshop aufrufen, sondern nur über einen externen Link. Hier ist der Link: https://www.airbrush-city.de/giraldez-infinity-cr-plus-airbrush-pistole-2-in-1-harder-steenbeck-129514/a-209791 – ich vermute ja mal, das ist ein Bug in deren Shopsystem. Und nein, das ist kein Affiliate-Link, der zu PK-Pro & H&S übrigens auch nicht, nur die 2 zu Amazon.

So, und jetzt wisst ihr auch, warum ich mir die gekauft habe: als Halb-Schwabe im Badnerland kann ich bei Schnäppchen einfach nicht nein sagen.

… und weil die einfach einen Haben-Wollen-Reflex ausgelöst hat, auch wenn ich sie nicht brauche.

  • Wer schon eine Infinity hat: lohnt sich der Kauf nicht
  • Wer schon eine Evolution hat: lohnt sich immer noch nicht.
  • Wer noch mit einer billig Airbrush arbeitet und Präzision für ultrafeine Arbeiten vermisst, der könnte sich das ja mal überlegen mit der Giraldez.
  • Sammler & Giraldez Fans: absolut! Die haben das Teil vermutlich schon.

Habe ich den Kauf bereut? Nee, keineswegs. Das ist jetzt halt Airbrush #15 in der Sammlung.

 

… und nächste Woche komme ich wieder mit einem Druckerthema, versprochen 😉

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