Bewegliche Tierchen in allen Formen und Farben
Flexible oder bewegliche Tierchen aus dem 3D-Drucker sind ein Trend, der nicht nur bei Kindern und Jugendlichen für große Augen sorgt. Hier ein Warnhinweis vorne weg: So sehr kleine Kinder diese Tierchen auch lieben. Es können recht leicht Teile abbrechen und verschluckt werden. Daher: Kein Kinderspielzeug – zumindest nicht für die ganz Kleinen.
Technisch zeigt der 3D-Drucker bei den flexiblen Tierchen eine seiner größten Stärken: Dinge herstellen, die konventionell, also zum Beispiel im Spritzgussverfahren, nicht gefertigt werden können.
Dateien für die süßen Gelenktierchen gibt’s kostenlos, zum Beispiel bei makerworld oder makeronline, aber auch kostenpflichtig. Später dazu mehr.
1. Worauf muss ich beim Slicen achten
Bei aktuellen Druckern solltet ihr ohne große Zusatzeinstellungen Gelenktierchen drucken können. Damit diese aber möglichst stabil und voll beweglich sind, sollten mindestens zwei Einstellungen überprüft und ggf. angepasst werden.
Anzahl der Wandlinien: Eine der wichtigsten Einstellungen für bewegliche Tierchen ist es die Anzahl der Wandlinien auf 3 Wandlinien und damit die Stabilität zu erhöhen. Ich empfehle PLA als Filament, da es ausreichend stabil ist, Brücken gut gedruckt werden können und die Farbauswahl einfach gigantisch ist.
Stützstruktur: Die Gelenke bestehen meist aus Brücken. Daher muss jegliche Stützstruktur ausgeschaltet sein, da sich diese sonst – teils unzugänglich – irgendwo mittendrin befinden könnte.
Es gibt wenige Ausnahmen wo man über eine manuelle Stützstruktur mit aufgemalten Stützen einzelne Teile außerhalb der Gelenke abstützen kann. Eine Kurzanleitung dazu im Screenshot mit der kleinen Schildkröte. Dieses Modell funktioniert auch ohne Stützstruktur, wird aber mit Stützen hübscher.
In der Regel sind die Modelle so konstruiert, dass man komplett ohne Stützstruktur drucken kann und sollte.
Diese Schildkröte ist ein kostenloses Modell von FlexiLAB

Wichtig: Sonstige Warnungen (siehe Screenshot) bezüglich schwebender Regionen können und müssen bei diesen Tierchen ignoriert werden. Diese sagen nur aus, dass es zwischen den Gelenken Brücken und nicht unterstütze Flächen gibt.
Rand/Brim: Je nach Modell und Drucker kann ein Rand um den Druck sinnvoll sein
Kriterien, die dafür sprechen einen Rand einzustellen:
- Der Drucker ist ein „Bettschubser“, d. h. das Druckbett bewegt sich
- Das Modell ist sehr hoch
- Die erste Schicht besteht aus vielen kleinen Flächen (siehe Screenshot)
Kommen hier 2-3 Faktoren zusammen und der Drucker macht in der „Automatik“-Funktion trotzdem noch keinen Rand, setze ich diesen manuell. Gerade bei einem längeren Druck mache ich lieber in 1-2 Minuten den Rand weg als einen misslungenen Druck zu riskieren.
Einige Slicer wie z. B. OrcaSlicer bieten hier auch die Möglichkeit nur „Mauseohren“ zu setzen oder diese sogar manuell aufzumalen.
Tipp: Wer bei PLA bei den Filamenteinstellungen die erste Schicht auf 225 °C bis 230 °C eingestellt hat, kann sich öfters einen Rand sparen, da das Modell dadurch deutlich besser auf dem Bett haftet als bei niedrigeren Temperaturen. Bambu hat das zum Beispiel bei PLA Silk, nicht aber bei normalem oder mattem PLA.
Oder wem das zu kompliziert ist: 3DLAC auf die Druckplatte sprühen.
Experten-Einstellungen – wem das zu technisch ist, einfach überspringen 🙂
Folgende Einstellungen sind eher dann anzuwenden, wenn eure automatischen Slicer-Einstellungen noch nicht optimiert sind. Das erkennt ihr meist daran, dass sich Gelenke schwer oder nicht lösen oder Teile beim Lösen abbrechen.
Verfahrweg ohne Einzug/Retract: Fährt der Extruder eine Strecke ohne zu drucken zieht er bei längeren Strecken das Filament ein, um durch nachlaufendes Filament das Modell nicht zu „bekleckern“. Bei Gelenktierchen kann dieses nachlaufende Filament die Gelenke verkleben und damit unbeweglich machen. Diese können dann nicht mehr oder nur sehr schwer gelöst werden. Kurze Strecken fährt der Drucker aber ohne Retract/Einzug. Dieser Verfahrweg ohne Retract ist standardmäßig meist auf 1 mm eingestellt, ich empfehle hier 0,1 mm. Kostet etwas mehr Zeit, kann sich aber lohnen. Gerade schwierige Gelenke wie Kugelgelenke bei Drachenflügeln hatten bei einem unserer älteren Drucker anfangs immer wieder Schwierigkeiten gemacht. Diese Einstellung war dafür verantwortlich, dass diese nicht mehr verkleben.
Ihr findet diese Einstellung in Orca/Bambu/SlicerNext unter den Einstellungen für den Drucker > Extruder > Rückzug (Fortgeschritten muss aktiviert sein)
Profi-Tipp: Den Fluss der ersten Schicht minimal erhöhen plus Elenfantenfusskompensation um diesen auszugleichen erhöht die Betthaftung nochmals.
Lüfter: Da diese Gelenktierchen sehr viele Brücken haben, sollte auf eine gute Abkühlung geachtet werden, sodass die Brücken während dem Druck schnell genug gekühlt werden. Heißt: Bauteillüfter und wenn vorhanden Seiten- oder Hilfslüfter ab der zweiten Schicht 100 % anschalten. Sollte aber hoffentlich für PLA ohnehin so eingestellt sein. Falls ihr einen Seitenlüfter habt richtet das Modell auch gerne so auf der Druckplatte aus, dass die schwierigsten Gelenke oder Überhänge in dessen Nähe sind.
Anzahl an Linien bei Gelenken – Fortgeschritten
Für diejenigen die es genau wissen wollen: Schaut euch in der Slicer-Vorschau die Anzahl der tatsächlichen Wandlinien bei den Gelenken an. Dazu wählt ihr das kleinste Gelenk in eurem Modell aus und schiebt den Schieberegler rechts vom Slicer soweit herunter, dass ihr dieses Gelenk an der stärksten Stelle betrachten könnt.

Bei dem oberen Bild erkennt man, dass die Anzahl an Linien (5 Linien) bei diesem Gelenk (weiße Umrandung) gerade so noch reicht, weniger Linien sollten es am stärksten Punkt des Gelenkes nicht sein. Man erkennt auch, dass der Abstand zwischen dem Bogen und dem nächsten Bauteil ausreichend groß ist. Liegen diese zu eng aufeinander können sie im Drucker verschmelzen.
Abstand zwischen den Gelenken

Bei dieser Abbildung erkennt man eine schlechte Datei: Der Abstand zwischen den gedruckten Linien (gelb, orange, lila) ist hier zu eng. Der Abstand (weiße Linie) zu gering. Die Folge: Die Gelenke verschmelzen beim Druck und brechen, wenn man sie doch zu lösen versucht. Zudem sind es gerade mal 3 Linien in der Mitte vom Gelenk. Das funktioniert nicht oder das Modell ist viel zu klein skaliert.
Bin ich bei einer Datei oder dem gewünschten Skalierungsfaktor unsicher mache ich einen einfarbigen Probedruck. Je nach Modell kann ich über die Objektliste oder mit dem Schneidewerkzeug einen kritischen Teil des Modells vereinzeln und vorab drucken. Spart Filament, Zeit und Frust, vor allem bei Drucken die auch mal über 24 Stunden dauern.
2. Skalierung
Die meisten gut erstellten Tierchen lassen sich bei einem gut eingestellten Drucker ohne Probleme auf 85 % oder sogar noch wesentlich kleiner skalieren. Die Begrenzung liegt hier an den jeweils kleinsten Gelenken. Bei Drachen oder Schlangen ist das oft die Schwanzspitze, wenn die einzelnen Elemente kleiner werden. Möchte man die Tierchen bespielen oder häufig bewegen sollten diese Gelenke mindestens 2 mm, d. h. bei einem Düsendurchmesser von 0,4 mm mindestens 5 Linien breit sein, um ausreichend stabil zu werden.
Wird kleiner skaliert, kann das im Druck funktionieren, aber die Stabilität leidet enorm. Möchte man die Modelle größer skalieren, muss man hingegen aufpassen wie lang die Brücken werden und ob der Drucker diese Brückenlänge schafft ohne die Gelenke mit herunterhängenden Brückenfäden zu verkleben. Wer hier unsicher ist, kann vorher einen Brückentest machen oder ein kleines Teil aus dem Modell vorab drucken.
Mit einer Düse von 0,2 mm habe ich Drachen auch schon auf 25 % skaliert – immer noch weitgehend beweglich, aber „fliegen lassen“ sollte man diese Drachen dann nicht mehr.
3. Vorstellung von zwei kostenpflichtiger Designer
Für diesen Bereich habe ich zwei Designer ausgewählt deren Modelle ich absolut empfehlen kann. Ich habe die Modelle regulär gekauft und bekomme nichts dafür, dass ich diese ausgewählt habe.
Die Modelle dieser Designer sind so gut erstellt, dass es mit dem Druck normalerweise keine Probleme gibt. Teilweise sind sie bereits vorbemalt, können also auch mehrfarbig ohne eigenes Bemalen im Slicer gedruckt werden – entsprechender Drucker natürlich vorausgesetzt.
Beide Anbieter sind bezüglich Stabilität und gleichzeitig maximaler Beweglichkeit optimiert. Die Modelle benötigen in der Regel keinen Support. Vorsicht: Achtet vor dem Kauf von mehrfarbigen Dateien auf die Slicer-Vorschaubilder. Teilweise werden mit Acrylfarben oder anderen Farben bemalte Modelle fotografiert, die Datei selbst ist aber einfarbig oder nur wesentlich einfacher bemalt. Ging mir so bei meinem Frettchen – hab es dann in Orca Slicer einfach selbst bemalt.
Cinderwing3D

Diese Designerin hat, wie man auf dem Foto sehen kann, den Schwerpunkt Drachen, ergänzt ihre Kollektion aber durch Spinnen, Frösche und andere kleinere Modelle. Besonders gut gefallen mir die vielen vorbemalten und die tiny Modelle. Zudem ist die Auswahl an Drachen, Babydrachen und anderen Tierchen im Welcome Pack so gigantisch, dass der Drucker sehr lange beschäftigt wäre alles zu drucken. Man bekommt mit einem Abo (dazu später mehr) hier erst einmal richtig viel für wenig Geld.
Link zu den Modellen von Cinderwing3D, die im Welcome-Paket enthaltenen Dateien sind hervorgehoben
Mein Lieblingsdrache ist der tiny crystal dragon, da er mir, skaliert auf 70 %, regelmäßig als Testobjekt-Alternative zum klassischen Benchy dient. Wem bewegliche Teile wichtig sind, sollte auch diese im Drucker testen – oben ein Foto meiner Drachen-Benchys mit Zettelchen um die Einstellungen besser vergleichen zu können.
Auf Makerworld gibt es aktuell ein kostenloses Modell von Cinderwing3D: bamboo dragon
MatMireMakes
Bei den Modellen von MatMire merkt man, dass er zuvor bei Walt Disney Animation Studios gearbeitet hat. Seine Tier-Modelle überzeugen unter anderem durch ausdrucksstarke und absolut niedliche Gesichter und extragroße Pfoten. Im Welcome Pack finden sich vor allem Kühlschrankmagnete und Schlüsselanhänger: Link mit Informationen zu den aktuellen Modellen und Bonusfiles
Ihr erhaltet aber aktuell einen Rabattcode von 50 % auf ältere Modelle für den abonnierten Monat und könnt so eure Wunschmodelle günstiger kaufen. Das kann sich richtig lohnen. Also unbedingt vorher überlegen welche Modelle man alles möchte.
Wie kommt man günstig an die Modelle
Einzeln kosten die Modelle der meisten Anbieter in der Regel zwischen 3 und 4 Euro zzgl. Gebühren und Steuern. Günstiger geht’s mit einen Abo, das man danach wieder kündigen kann.
Privatnutzung: Wer, wie ich, die Modelle nur privat nutzt (Eigengebrauch – über die Definition wurde im Forum schon diskutiert) kann über ein einmonatiges Abo und die Nutzung des Welcome Packs sparen: Man abonniert den gewünschten Tribe (Kosten ca. 10 Euro plus Plattformgebühren und Steuern). Dafür gibt’s dann neben dem Welcome Pack einen Rabatt auf ältere Modelle und auch monatlich ca. 2 – 4 weitere Modelle plus teilweise Zugriff auf exklusive Modelle nur für Abonnenten.
Danach kann man, wenn man sparen möchte, das Abo wieder kündigen und sollte es auch, falls man keine automatische Verlängerung wünscht. Idealerweise nutzt man hierfür einen Monat in dem einem die im Abo enthaltenen Monatsmodelle gefallen.
Wichtig: Die Plattformen rechnen in Kalendermonaten. Meist werden die Monatsmodelle erst am Ende vom Monat bekannt gegeben, d. h. ihr müsst dann unter Umständen innerhalb von 2-3 Tagen wieder kündigen um nicht einen weiteren Monat abgebucht zu bekommen. Hier unbedingt aufpassen um nicht in eine Abo-Falle zu geraten.
Für Verkäufer von gedruckten Tierchen: Möchte man die gedruckten Modelle von Cinderwing3D, MatMireMakes und ähnlichen Anbietern verkaufen, benötigt man meist ein dauerhaftes Abo. Teilweise wird bei den Abopreisen auch zwischen Verkäufer und Privatnutzer unterschieden. Eine Weitergabe oder ein Verkauf der digitalen Daten (STL, 3MF,…) ist selbstverständlich streng untersagt.
Plattformen
Plattformen, um die Modelle zu bekommen, gibt es viele. Ich persönlich nutze vor allem myminifactory wegen der übersichtlichen Bibliothek, der einfachen Kündigung und weil es ab und zu auch mal kostenlose Probeabos von irgendwelchen Anbietern gibt – ob man die dann braucht oder nicht. Es gibt aber auch Patreon und Cults bei denen sehr viele Designer vertreten sind. Falls ihr den Bonuscode von MatMireMakes nutzen wollt, braucht ihr bei Patreon ebenfalls einen Account.
Kostenlose Dateien

Kostenloses Modell: Niedlicher Oktopus von 3DPrintyi
Verwendetes Filament: Sunlu Rainbow 04, Augen separat gedruckt mit Schwarz und Weiß
Ihr findet selbstverständlich auch gute kostenlose Modelle auf makerworld, makeronline, thingiverse & Co. Als Suchbegriff ist es sinnvoll auf Englisch mit articulated oder flexi zu suchen. Hier gilt aber wie gesagt ausprobieren, ein wenig auf die Bewertungen verlassen und auch mal damit rechnen etwas neu drucken zu müssen. Ich hatte hier schon sehr viele tolle Modelle, aber auch Eichhörnchen, bei denen der Kopf erst durch deutliches Hochskalieren auf den Körper gepasst hat oder Oktopusse, deren Tentakel viel zu eng konstruiert waren und dann gebrochen sind. Daher nutze ich meist die Modelle von denen ich weiß, dass sie funktionieren – auch wenn ich sie mal ein wenig kleiner oder größer haben möchte.
Wenn ihr ein Modell gefunden habt, das euch gefällt: Unbedingt herunterladen. Eigentlich wollte ich euch hier eine sehr schöne Schlange von makerworld.com verlinken. Die ist aber leider schon wieder gelöscht worden. Ging mir schon öfters so und ich war froh die Datei heruntergeladen zu haben. Manche Designer haben auch unterschiedliche Modelle, die sie abwechselnd kostenlos online stellen.
4. Mehrfarbige Dateien für den eigenen Drucker vorbereiten
Da es im Forum immer wieder Rückfragen zu diesem Thema gibt möchte ich auch darauf etwas eingehen. Wer das alles schon weiß kann dieses Kapitel gerne überspringen.
Wer die Möglichkeit hat kann sich bei vielen Anbietern die 3MF-Dateien herunterladen. Ich habe es für euch mal nachgeschaut – 3MF steht für 3D Manufacturing Format. Viele verstehen darunter einfach nur mehrfarbige Dateien, aber das stimmt nicht ganz. Sie enthalten auch Informationen zum Drucker, zu den Einstellungen und Dinge, die man vielleicht nicht übernehmen sollte, wenn man einen anderen Drucker hat.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten 3MF-Dateien zu importieren. Die Standard-Einstellung in OrcaSlicer ist leider die, dass sämtliche Druckparameter wie Infos zum eingestellten Drucker, Geschwindigkeiten, Filamente die in der 3MF gespeichert sind übernommen werden. Eigentlich ja toll, das kann aber auch gewaltig schief gehen. Habt ihr einen anderen Drucker und vergesst das umzustellen kann es einen Crash geben.
Wer die Daten ohnehin per Cloud oder Netzwerk an den Drucker sendet bekommt hierdurch eine weitere Überprüfung, ob der eingestellte Drucker passt.
Sonst ich grundsätzlich:
„Nur Geometrie importieren“ – wird das nicht anzeigt oder so gemacht und ihr wollt das nutzen, könnt ihr das in den Slicer-Einstellungen von Orca entsprechend ändern. Die bemalten Bereiche werden trotzdem übernommen und es ist der einfachste Weg um Probleme zu vermeiden. Ich möchte in der Regel weder fremde Drucker noch irgendwelche Druckeinstellungen auf diesem Weg importieren. Lediglich welche Farbe welcher bemalte Bereich haben soll müsst ihr selbst wählen – aber etwas Kreativität schadet ja auch nicht.
OrcaSlicer > Datei > Einstellungen (STRG + P) > Projekt > Nur Geometrie laden
Die zweite Möglichkeit ist dies nicht einzustellen. Dann lädt man das Modell. Die Fehlermeldung, dass es für den Drucker schädlich werden könnte ist wichtig, denn durch die 3MF-Datei wird ein anderer Drucker geladen, der nicht einmal installiert sein muss.
Dann merken wir uns dir dort eingestellten Farben, stellen wir auf unseren Drucker um – in meinem Fall auf den Kobra S1 – und ändern dann die Farben wieder so wie wir es uns gemerkt hatten und stellen diese dann bei uns wieder ein.
Bezüglich der Übernahme der Druckeinstellungen gibt es dann zwei Wege:
- Alle Einstellungen verwerfen und bei Bedarf eigene setzen (3 Wandlinien, ggf. Rand etc.) – empfehle ich bei Modellen ohne besondere Herausforderungen im Druck.
- Einstellungen vom Modell übernehmen und dann einzeln die Einstellungen prüfen und ggf. wieder zurücksetzen (Änderungspfeil) – empfehle ich nur, wenn es Besonderheiten gibt (gemalte Stützen o. Ä.) oder ihr den gleichen Drucker habt. Viele Modelle sind hier auf Bambu-Druckern erstellt worden, daher können Bambu-User die Modelle oft einfach ohne Nachzudenken importieren.
Für diejenigen die weniger als die vorgesehen Farben übernehmen möchten um z. B. die Druckzeit zu reduzieren, gibt es zwei Möglichkeiten:
- Falls euer Farbwechselsystem (AMS, ACE etc.) die Möglichkeit bietet wählt ihr am Drucker selbst aus, dass von den vier vorgesehen Farben zwei mit der gleichen Rolle gedruckt werden sollen.
- Bietet der Drucker diese Möglichkeit nicht, könnt ihr über das „Farben Malen“ die Farben ändern.
Farben Malen
Wer noch nie mit dieser wunderbaren Funktion gearbeitet hat – keine Sorge: ihr kommt schnell zurecht. Wichtig ist es die Pinselgröße oder den Füllwinkel (wie sensibel reagiert das Ausfüllen-Werkzeug, kennt ihr noch aus Paint, oder?) sinnvoll zu wählen. Meine Erfahrung: lieber zu groß wählen und über STRG + Z etwas rückgängig machen als zu klein zu wählen und sehr häufig klicken zu müssen.
Gerade einfarbige Modelle lassen sich hier wunderbar mehrfarbig einfärben.
Farben durch Objekte
Einige Modelle haben die Farben auch durch Objekte definiert. Falls dem so ist könnt ihr über die Objektliste die Farben festlegen.
Wie immer gelten bei mehrfarbigen Objekten folgende Tipps:
- Mehrere Objekte gleichzeitig drucken, um den Abfall (Poop) zu verringern
Bei diesen Drachen verwendetes Filament: Geeetech Silk Rainbow PLA: https://amzn.to/3JABzsn [Werbung**] plus schwarzes PLA
- Spülmenge für den Farbwechsel passend einstellen
5. Tipps und Ausblick (Augen kleben, löten, multicolor)
Nicht jeder hat einen Mehrfarbdrucker oder möchte mehrfarbig drucken, da es zumindest mit nur einem Extruder, Material und Zeit kostet. Gerade bei den Drachen-Modellen eignen sich auch super Rainbow-, sowie Zwei- oder Dreifarbige Filamente.
Einige Empfehlungen:
- Geeetech Silk Dual-Color: https://amzn.to/41uIjOO [Werbung**]
vor allem Grün-Gelb, Blau-Grün und Rot-Gold sind hier meine absoluten Lieblinge geworden, glänzt superschön und gibt tolle Farbverläufe - Sunlu Rainbow in verschiedenen Farben: 03 ist bei persönlicher Favorit, 04 ist super für Kinder. Hinweis: Auch wenn es sich um Silk (Seide/glänzend) handelt ist dieses eher normal bis matt https://amzn.to/45QDuAA [Werbung**]
Augen malen oder Kleben
Das wichtigste an den Tierchen sind die Augen. Hier gibt es zwei einfache Möglichkeiten diesen auch bei einfarbigem Druck mehr Ausdruck zu verleihen.
Möglichkeit 1: Nagellack

Ja, Nagellack – klingt simpel, ist es auch. Standardfarben sind bei mir Schwarz und Weiß. Am einfachsten einen Klecks auf ein Blatt Papier geben und dann mit einem Zahnstocher bemalen. Vorsichtig: Manche Filamente verfärben den Nagellack – weißer Nagellack bekommt dann beispielsweise einen leichten Grünstich. Falls jemand nicht in die Drogerie gehen möchte: Set mit schwarzem und weißem Nagellack (Amazon) 🙂
Und für diejenigen die es gerne etwas übertreiben: Es gibt auch Glitzer-Nagellack um die Drachen-Schuppen mystischer zu machen. Eurer Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Möglichkeit 2: Augen aussparen und aufkleben
Augen aufkleben: Mit Hilfe vom Slicer kann man statt der vorgesehenen Augen im Slicer eine Aussparung erstellen und mit einem ganz kleinen Tropfen Sekundenkleber die Augen aufkleben. Das Aussparen der Augen im Slicer erfordert allerdings ein wenig Übung. Diese Glasaugen gibt’s unter dem Suchbegriff „Glasaugen 8 mm“ nach Größen sortiert bei aliexpress, temu oder hier bei Amazon.
Mein Tipp: 6 mm und 8 mm benötigt ihr vermutlich am häufigsten. Mit Hilfe von einem ganz kleinen Tropfen Sekundenkleber einfach das Auge aufkleben.
Kurzanleitung Slicer Augen aussparen:
Mit dem Messwerkzeug im Slicer grob die Größe der Augen ausmessen. Wenn ihr die gemessene Größe nicht vorrätig habt, ggf. das Modell passend skalieren.
Über „Rechtsklick > negatives Teil hinzufügen > Zylinder“ hinzufügen und diesen im Durchmesser den Augen anpassen + ggf. 0,5 mm Reserve, d. h. 8,5 mm bei 8 mm Glasaugen.
Über das Verschieben- und das Drehen-Werkzeug die Aussparung positionieren. Das erfordert ein wenig Übung, die ihr dann direkt beim zweiten Auge anwenden könnt.
„Gipsverband“ für verletzte Tierchen
Falls das eine oder andere Tierchen durch wildes Herumtoben oder einen schlechten Druck ein Körperteil verliert oder zu verlieren droht, gibt es in der Temperatur einstellbare Lötkolben (Amazon) mit deren Hilfe und etwas farblich passendem Filament man einen „Gips“ anlegen kann. In der Regel schafft man es nicht, dass das Beinchen wieder beweglich wird, aber so ein Tier mit Gipsverband (egal ob in Weiß oder farbig passend) hat schon manche Kinderträne getrocknet, wenn das verletztes Tierchen verarztet wurde.
In diesem Sinne wünsche ich frohes Drucken und vor allem viel Spaß mit den Ergebnissen. Vorsicht: Suchtgefahr! Als ich die Fotos für diesen Beitrag gemacht habe, musste ich mich entscheiden welche Tierchen mit aufs Foto dürfen, da es inzwischen so viele sind.
Transparenzhinweis:
Bei den Amazon-Links im Beitrag handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn ihr über diese Links kauft, entstehen euch keine zusätzlichen Kosten – wir erhalten jedoch eine kleine Provision, mit der wir den Betrieb von Blog und Forum unterstützen.
























Danke für deine Anleitung. Immer gut zu wissen wie man es macht.
Sehr, sehr toller Bericht und Einführung in die Welt der kleinen, bunten Tierchen. Da steckt jede Menge Herzblut drinnen und es macht dir riesige Freude.
Mit welchen Druckern habt ihr all die coolen Dinge gedruckt? Kobra S1?, Bambu?
Vielen Dank 🙂
das meiste haben wir tatsächlich mit dem SV04 (IDEX) gedruckt, da dort zwei Farben ohne Abfall möglich sind, der Farbwechsel 4 Sekunde dauert und wir den von unseren neueren Druckern am längsten haben.
Es durften aber auch alle anderen Drucker wie der Kobra S1 und der Bambu A1 einige Tierchen drucken und sogar unser Senior Anycubic i3 durfte helfen. Und natürlich gab es auch für all die anderen Drucker, die schon zu Besuch bei uns waren um eingerichtet oder repariert zu werden, einen Drachentest.