Es werde Licht …

Wer 3D-Drucke nachbearbeitet, bemalt oder einfach Details begutachten will, braucht eines vor allem: gutes Licht. Was als schnelle Suche nach einer besseren Arbeitslampe begann, endete in einer riesigen Auswahl mit einer ebenso riesigen Preisspanne. „Beleuchten“ wir doch mal die Unterschiede bei Lampen und ihren Angaben.

Alle vorgestellten Produkte wurden selbst gekauft und getestet.

Warum überhaupt eine neue Lampe?

Bogenlampe (gedruckt)

Wer hat es noch zu dunkel an seinem Schreibtisch oder Arbeits-/Basteltisch? Ich hatte nun längere Zeit eine selbstgedruckte Bogenlampe (meine war diese von Printables) genutzt in die man von unten einen LED Streifen klebt. Das war günstig, schaut stylisch aus und ist definitiv gut. Vor allem kann man mit entsprechenden COB Streifen (die Teile wo man den LED Spot nicht sieht) sich schon sehr viel Licht auf den Tisch zaubern und bei einer Vielzahl an Druckvorlagen ist man bei der Größenauswahl auch sehr flexibel. Sollte euch diese Variante möglicherweise reichen könnt ihr mit ca. folgenden Kosten rechnen: vielleicht 5 Euro für Filament (PLA oder PETG) + ca. 10 Euro LED Streifen (z.b. dieser hier von Amazon).

Nachteil? Na die stehen halt auf dem Tisch und wenn man mal Detaillicht möchte, dann muss man die rumschieben und in der Höhe verändern kann man eh nichts. So richtig stabil stehen die meisten Bögen nicht. Fällt nicht um, wackelt aber. Also war ich auf der Suche nach einer neuen Lampe. Nicht nur für 3D Drucke, sondern auch für andere Bastel- sowie Lötarbeiten.

Aber ganz im ernst: schick ist/war sie schon!

Was macht eine gute Arbeitslampe aus?

Da gibt es natürlich so viele Varianten wie auch Preisbereiche und DIE richtige für alle gibt es nicht, so wie jeder auch andere Drucker bevorzugt. Wichtig war mir vor allem: genug Helligkeit für Detailarbeit, eine vernünftige Farbtemperatur zum Figurenbemalen, und das Ganze sollte schwenkbar sein ohne dabei wertvollen Tischplatz zu fressen. Eine bewegliche Klemmlösung war also das Ziel.

Welche Optionen gibt es?

Die Lampen des Herstellers Neatfi wurden immer gelobt weil sie preislich noch zu den günstigen gehören. Günstig ist natürlich immer Ansichtssache, denn dafür dass sie aus günstigem Kunststoff bestehen sind sie schon recht kostenintensiv, und so lag meine gewünschte Lampe weit über ein Jahr in meinem Warenkorb ohne dass ich mich zur Bestellung durchringen konnte. Über 150 Euro für eine Lampe waren halt schon viel Geld.

Durch Zufall stieß ich dann auf Semplix. Die haben optisch exakt dieselben Lampen wie Neatfi, also wirklich zum Verwechseln ähnlich, aber für teils den halben Preis. Als ich dann noch sah dass auch das technische Datenblatt identisch war und es sich hier um die Eigenmarke eines deutschen Unternehmens handelt, das eigentlich für Nähzubehör bekannt ist, war die Entscheidung gefallen: die wird’s. 69,99 Euro hat diese Lampe gekostet, bei Neatfi wären es 155 Euro gewesen.

Unboxing: Lieferumfang und Aufbau

Ein hübscher Karton der sich auch als Geschenk eignet, versteckte sich in der Umverpackung. Gekauft über Ebay war das Paket nur 2 Tage später schon vor meiner Tür. Darin ist die Lampe sorgfältig in Styropor und Folie eingepackt. Im Lieferumfang findet sich die Lampe mit Lampenarm, die Tischklemme und das Netzteil. Eine Variante mit Standfuß gibt es ebenfalls, dieser muss aber separat erworben werden oder man kauft direkt die Standfußvariante (bei der dann die Klemme weggelassen wird).

Der Aufbau geht schnell: Geworben wird mit möglichen Tischstärken bis 6cm, bis 5 cm konnte ich es selbst ausprobieren. Da wäre auch definitiv noch Platz gewesen, aber ob es jetzt exakt noch 1cm war, kann ich nicht zu 100% versprechen. Sah aber gut aus.

Die Klemme wird an den Tisch geschraubt, der Lampenarm oben eingesteckt, und am unteren Ende des Arms befindet sich der Anschluss für das Netzteil, das also nicht fest mit der Lampe verbunden. Das war’s auch schon.

 

Stabilität

Der Lampenarm ist sehr stabil, und auch die LED-Leiste oben lässt sich um 180 Grad drehen und etwas schwenken. Damit beim Arbeiten nichts von selbst verrutscht, ist alles minimal schwergängig gehalten. Das ist also nichts für „eben mal mit einem Finger verschieben“ und das ist gut so. Egal in welche Position man die Lampe bringt, sie bleibt zuverlässig dort. Kein Absacken, kein Wackeln wenn man mal an den Tisch stößt. Gut, etwas Gewackel schon, aber wenn mich jemand anrempelt, stehe ich ja auch nicht still wie ein großer Felsbrocken.

Einziger kleiner Kritikpunkt: das Drehkreuz oben an der Lichtleiste verhindert in eine Richtung die volle Kippbewegung weil das Gehäuse dort anstößt. Das ist zwar klagen auf hohen Niveau, aber hat mich tatsächlich schon mal genervt. In die andere Richtung lässt sie sich problemlos schwenken. Lösung für mich war einfach: ich drehe das ganze um 180°, denn das ich sie mal so schwenke, das sie mir ins Gesicht leuchtet, wird eher nicht passieren. Wer sie als „Verhörleuchte“ zweckentfremden mag, muss sich aber entscheiden 😉

Helligkeit und Größe

Die Lampe ist mit 2500 Lumen beworben. Für einen normal großen Schreibtisch würde ich nicht unter 2500 Lumen gehen, denn selbst in meinem Fall empfinde ich es schon als grenzwertig. So 3000 hätten mir noch besser gefallen. Die nächstgrößere hätte aber direkt 3500 Lumen und wäre optisch auch deutlich wuchtiger. Ich verlinke es euch ganz am Ende.

Der Lampenschirm bei meiner Variante ist 56 cm lang und 9 cm breit. Die Metallarme sind jeweils 41 cm lang, wodurch man auch bei einem tiefen Tisch (meiner ist 70cm) mit Montage ganz hinten seitlich den Arm bis nach vorne ziehen kann. Sehr praktisch.

Und was kommt von der Helligkeit auch wirklich an?

Lux ist hier das Zauberwort. Ich habe die Helligkeit auf verschiedenen Stufen gemessen. Nagelt mich nicht auf die Werte fest, ich habe hierfür eine App für iPhones mit einem weißen Taschentuch (1x gefaltet) als Diffusor genommen. Wie genau die funktionieren, kann ich nicht beurteilen.

Abstand Lampe/Tisch 33cm 33cm 33cm 33cm 33cm 22cm 50cm
Farbtemperatur 3000K ca. 3750 4500K ca. 5250 6000K 6000 6000
hellste Stufe (Lux) 5000 5100 5160 5530 5840 9329 3070
dunkelste Stufe (Lux) 652 725 700 775 757

Natürlich habe ich auch die Lux Werte meines alten selbst gedruckten Bogen gemessen und der Unterschied war mit den Augen allein bereits gut sichtbar (auf Fotos wirkt es eher, als wäre der Bogen heller… da wird man beim fotografieren echt irre) aber der Lux-Wert hat mich dann trotzdem nochmal überrascht. Ich habe die neue Lampe auf 50cm Höhe geschoben, was genau der Höhe meines Bogens entspricht. Während die neue Leuchte auf kältester Stufe in stärkster Helligkeit 3070 Lux bietet, lag mein Bogen bei kältester Stufe + stärkster Helligkeit bei 499 Lux. Ein ganz „kleiner“ Unterschied.

Dimmen und Farbtemperatur

Es gibt 5 Farbtemperaturen zwischen 3000 und 6000K, die alle in ebenfalls 5 Stufen gedimmt werden können. Keine der Einstellungen hat dabei geflackert.

Eingestellt wird das ganze per Drucktasten die auch erfühlt werden können. Also kein Touch der versehentlich ausgelöst wird. Das ist ganze ist leichtgängig und auch gut hörbar (sehen kann man den Unterschied, wenn getroffen wurde, selbstverständlich auch).

Stromverbrauch

Der Hersteller gibt 30W an, wobei es natürlich auf die jeweilige Einstellung ankommt.

Die 30W beziehen sich hier entsprechend auf die hellste Helligkeitsstufe. Für über 300 LEDs ist das ein guter Wert den man auch an der Wärmeentwicklung bemerkt. Die Lampe ist nach mehreren Stunden nur minimal warm.

Die kleine Lampenkunde

Lumen

Lumen beschreibt den gesamten Lichtstrom einer Lampe. Also wie viel Licht sie insgesamt abstrahlt. Je höher der Lumen-Wert, desto heller die Lampe. Eine normale Glühbirne hatte früher etwa 800 Lumen, moderne LED-Arbeitslampen für den Hobbybereich liegen oft zwischen 2000 und 3500 Lumen. Wichtig zu wissen: Lumen sagt nichts darüber aus wo das Licht ankommt, sondern nur wie viel davon produziert wird.

Kelvin

Kelvin beschreibt die Farbtemperatur des Lichts. Also ob es warm und gelblich oder kalt und bläulich wirkt. Niedrige Werte um 3000K erinnern an Kerzenlicht, 4000-5000K entspricht natürlichem Tageslicht, und 6000K und darüber wirkt kühl und bläulich.

Lux

Lux ist gewissermaßen das was beim Arbeiten wirklich zählt: es beschreibt wie viel Licht tatsächlich auf einer bestimmten Fläche ankommt. Eine Lampe mit 2500 Lumen die weit weg oder ungünstig positioniert ist, liefert weniger Lux auf dem Tisch als eine schwächere Lampe die direkt drüber hängt. Deshalb ist die Positionierung der Lampe fast genauso wichtig wie ihre Helligkeit.

CRI – „was’n das?“

CRI steht für Color Rendering Index, also den Farbwiedergabeindex und beschreibt wie gut eine Lampe Farben so darstellt wie sie in natürlichem Tageslicht aussehen würden. Die Skala geht von 0 bis 100, wobei 100 reinem Sonnenlicht entspricht.

Die klassischen Leuchtstoffröhren die jahrzehntelang in Büros und Werkstätten hingen und unter denen Generationen von Modellbauern und Künstlern gearbeitet haben, erreichen oft nur CRI 60 bis 70. Niemand hat dabei großartig gemeckert. Der Sprung von CRI 70 auf 80 ist tatsächlich deutlich spürbarer als der Sprung von 80 auf 90.

Viele Lampen die für Hobbyisten empfohlen werden haben einen CRI-Wert von 80-85. Bei der vorgestellten Semplix gibt es keine speziellen Angaben, da sie jedoch optisch und vom restlichen technischen Datenblatt identisch zur Neatfi XL zu seinen scheint, gehe ich hier von einem CRI Wert von 80 aus. Das klingt auf den ersten Blick nach „nur 80%“, also irgendwie mittelmäßig. Aber eigentlich entspricht das etwa einer Schulnote 2.

Ein hoher CRI-Wert alleine sagt übrigens noch nichts über die Qualität der Lampe für die Figurenmalerei aus. Da gäbe es dann noch Abstufungen in welchen Farbräumen sie ihre Schwäche hat (in diesem Fall scheint es rot zu sein)

Die beste Lampe die ich auf dem Markt kenne, ist die Redgrass R9 mit einem CRI Wert von 95. Aber die hat ihren Preis und brauchen wirklich nur wenige wie z. B. Profifotografen die Druckfarben abstimmen, oder Leute, die gern an Malwettbewerben teilnehmen. Für die Hobbywerkstatt gilt: CRI 80 ist solide, farbtreu genug für alle gängigen Aufgaben, und wer trotzdem unsicher ist, ob eine Farbe wirklich so aussieht wie gedacht, hält sie einfach kurz ins Tageslicht (heller, leicht bewölkter Tag zur Mittagszeit liefert ideale Voraussetzungen). Das bleibt der beste Referenzpunkt, egal welche Lampe.

Auf die Semplix bezogen, scheinen die Rottöne die „Schwäche“ zu sein. In diesem Fall ist die Einstellung auf 6000K schon fast zu kalt und verfälscht den Rotton schon leicht ins lila, wodurch es Richtung Ziegelsteinrot geht. Bei den nachfolgenden 2 Farben passt der Ton in etwa, geht durch den hohen Gelbanteil aber später ins etwas orange. Auf Kamera ist das immer schwer festzuhalten und obwohl ich hierfür extra sämtliche Tonwertkorrekturen ausgeschaltet habe, um wirklich das zu fotografieren, was ich hier sehe, spiegeln die Bilder nicht exakt wider, was vor mir auf dem Tisch lag. Das war etwas heller von den Lichtverhältnissen, aber vom Farbton hat es gepasst.

Erschreckend war das Vergleichsfoto mit meinem alten LED Streifen. Der wirkt auf den Fotos zwar heller, aber die Farben sind vollkommen falsch. Die Farbtöne sind viel zu Kontrastreich. Am besten erkennt man es am hellen gelb und blau. Dies ist das PolyTerra Banana und eSun matt Hell Blau und beide eher blass (Produktbilder könntet ihr über den Link einsehen). Ein vollkommen anderer Farbton unter dem alten LED Streifen. Schaut euch auf den nachfolgenden Bildern mal den ersten Gelbton an… das sind vollkommen unterschiedliche Farben und das nur durch Lichtverhältnisse. Da macht die Semplix (Bilder etwas weiter oben) ein deutlich realistischeres Bild.

Sehe ich insgesamt einen Unterschied zum Tageslicht? Ja. Sowohl bei der alten als auch der neuen Lampe. Der Unterschied mit der neuen ist aber nur noch minimal.

Tageslicht mit weißem Sonnenschirm als Diffusor (bis auf das hellgelb sind die Farben hier erstklassig zu erkennen. Das erste gelb ist etwas zu blass)

Tageslicht ungefiltert (man sieht gut wie das ungefilterte Sonnenlicht die Farben etwas „erwärmt“)

„Bogenlampe“ mit schlichtem LED Streifen (Farben wirken alle viel zu kontrastreich)

Fazit

Wer eine helle, stabile und gut schwenkbare Arbeitslampe sucht ohne dafür 150 Euro auszugeben, ist mit der Semplix sehr gut bedient. Zumal es hier verschiedenste Varianten gibt und man mit dem Kauf noch ein deutsches Unternehmen unterstützt.

Dank der LEDs wird sie auch nicht warm und ist nicht Stromhungrig.

Angenehm ist vor allem auch, dass die LEDs nicht flackern. Selbst auf Fotos habe ich ein sehr schönes Licht. Bei meinem alten Bogen mit LED Streifen bekam ich auf Fotos immer so „Rennstreifen“ angezeigt, wodurch Fotos machen fast unmöglich war. Diese Lampe kann man nun aber auch mal als helles Fotolicht benutzen und verfälscht die Farben kaum.

Wem hingegen nahezu realistische Farben wichtig sind, sollte deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen. Aber in der Regel wissen diejenigen auch, was sie benötigen.

Ich bin sehr zufrieden.

 

Werbung

Die hier vorgestellte Lampe kostet 79,90 Euro zur UVP, allerdings war sie jetzt über längere Zeit immer günstiger zu haben.

Ihr könnt sie sowohl auf Ebay als auch Amazon kaufen oder auch beim Hersteller selbst. Bei Amazon ist sie geringfügig teurer.

Amazon (74,90 Euro)

Ebay (69,90 Euro)

Wer allgemein interessiert ist aber vielleicht eine andere Variante sucht (kleiner oder größer) schaut sich gern auch noch diese hier an. Das waren die 2 Lampen bei denen ich überlegt hatte, ob die eine reicht oder die andere „besser“ wäre. Entschied mich letztendlich für die „goldene Mitte“.

2000 Lumen (69,90 Euro)

3500 Lumen (auf Amazon für 99,90 Euro und auf Ebay ebenfalls für 99,90 Euro)

 

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2 Kommentare

  • Super Artikel, vielen Dank dir!

    Hatte früher mal beruflich mit Lampen mit unterschiedlichen Farbtemperaturen gearbeitet – für farbverbindliche Bildbearbeitung. Gibt da schon deutliche Unterschiede. Damals war diese Spezialausrüstung aber noch deutlich teurer als heute.

  • Jetzt weiß ich endlich, wie der Satz entstanden ist:
    Er kann sehen wie ein Lux. 😉

    Liebe Nicole,
    das ist der absolut umfassenste, kompetenteste, informativste Testbericht eines Gerätes aus der Familie der Er- und Beleuchtung.
    Danke!
    Gruß Fritz

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