3-in-1: Der Snapmaker

Ich habe den Snapmaker gekauft. Ich bin begeistert und habe Euch zum Artikel auch ein Video gemacht: Das obligatorische Unboxing inkl. der Zusatzfunktionen „Lasern“ und „Fräsen“. Am Ende des Artikels tätowieren wir noch eine Banane…

Am 14. März 2017 startete die Kickstarter-Kampagne mit 50.000 USD als Ziel und wird innerhalb kürzester Zeit mit knapp 2,3 Mio$ die Dritt-erfolgreichste Kampagne.

Nach 6 Monaten steht die erste Version des Snapmakers und erhält viel Lob und Verbesserungsvorschläge von den Beta-Testern. Und das Tolle dabei? Snapmaker arbeitet diese Verbesserungen alle ein. Statt des kleinen resistiven Touchscreens, der nicht gut funktioniert, kommt ein größeres kapazitives Touchdisplay zum Einsatz. Die Spindel, die nur 2.000 Umdrehungen die Minute (UPM) brachte wird gegen eine getauscht, die 19.000 UPM schafft usw.

Was bei dem Zusammenbau mir am besten gefällt: Es gibt nur eine einzige Schraubensorte. Durch die Vormontage ist der Zusammenbau somit ein Klacks und schnell erledigt. Das beigelegte Werkzeug ist toll. Der Snapmaker-Sales hat mir versichert, dass sie Mechanik und Firmware frei zugänglich machen. Uwe hat schon die thingiverse-Seite von Snapmaker gefunden.

Der Snapmaker ist konzipert als Baukastensystem, so dass in naher Zukunft (noch 2018!) längere Achsen, Linear-Achsen, ein leistungsfähigeres Lasermodul und weitere Dinge erscheinen soll. Das neue Lasermodul ist schon fast da und vorbestellbar: statt 200mW nun mit 1.600mW. Ich habe es soeben bestellt. Kostenpunkt 129 USD, Unterstützer während der Kickstarterphase erhalten 50% Rabatt. Versandt wird aus UK, daher auch nur 5,65 USD Versand, aber auch 25,80 USD Steuern – umgerechnet insgesamt ca. 140 EUR.

Ich habe erste Gehversuche mit einem 2.500mW-Chinalaser gemacht und war überrascht wie nah ran der 200mW-Laser von Snapmaker an die Bruzzelkraft des Chinalasers kam. Ich würde eine Wette eingehen, dass der 1.600mW-Laser den 2.500mW-Chinalaser deutlich schlägt, obwohl beide mit derselben Wellenlänge agieren.

OK, lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin jetzt schon Hin und Weg vom Snapmaker-Konzept. Der All-Metal-Baukasten hat mich in seinen Bann geschlossen. Im Folgenden Video präsentiere ich Euch ein erfreutes 5-Minuten-Unboxing mit anschließenden Laser- und Fräsbeispielen.

Homepage snapmaker.com | Neuerscheinungen siehe snapmaker-Store oder via Facebook
YouTube snapmaker-Channel

Ich hätte an dieser Stelle gedacht, dass Ihr Euch schon im Snapmaker-Store aufhaltet und schaut wie teuer der gute ist. Aber wer noch weiterliest, ist selber schuld 😉 Der 3-in-1-Snapmaker wird in Deutschland zu Preisen zwischen 700 und 900 EUR verkauft. Es handelt sich dabei immer um dieselbe Ausstattung mit allen Drei Modulen: Laser, Spindel und 3D-Druckkopf.

Ich habe bei Jakob Elektronik gekauft, die irgendwie an der Fa. Allnet hängen. Dort landet man jedenfalls bei der Garantieabwicklung. Ergo: Kleinster Preis, aber schauriger Support und sehr fragwürdige Gestaltung des Garantieprozesses. Ich habe mit denen mehrmals telefoniert:

  1. Adressänderungen gehen nicht, es fehlen Bestandteile im Onlineshop bei der Accountverwaltung. Sehr genervte Antworten: Löschen Sie Ihr Profil und erzeugen Sie ein neues. Wir wissen selbst nicht wie das geht.
  2. Versuch, andere Antwort: Wir haben Probleme bei der Umsetzung der neuen Datenschutzverordnung. Oha… das hört ein Online-Kunde aber besonders gerne.
  3. Der Powerknopf beim Snapmaker ist kaputt. Nachfrage vom Support: Ist das Gerät schon ausgepackt? Ich: Öhm… ja natürlich, sonst hätte ich den Powerknopf ja nicht drücken müssen. Nächste Frage: Hat das Gerät Gebrauchsspuren? Ich: Ja, glaube schon. Ich konnte ja schon einmal damit fräsen. Ergebnis: Sie können gerne von uns eine kostenpflichtige Reparatur erhalten. Eine Garantie ist in diesem Fall nicht mehr möglich. Ich bin sprachlos… Aber es ist nur ein Knopf und der Snapmaker ist ein Voll-Metall-Drucker mit vielleicht einem Kratzer??? Antwort: Es tut uns leid und ich sagte es schon einmal: Nach Gebrauchsspuren können Sie gerne eine kostenpflichtige Reparatur beantragen.
    Dies sinngemäß mein Gedächtnisprotokoll der wesentlichen Aussagen.

Ich habe heute eine Beschwerde bei Jakob Elektronik eingereicht und auch auf diesen Artikel verwiesen. Vielleicht erhalten wir eine andere Sicht auf die Dinge, wenn sich Jakob Elektronik äußert. Ich fände es sonst unfair nur einseitig Kritik zu üben.

Also tut Euch das nicht an und sucht andere Einkaufsquellen oder bestellt direkt bei snapmaker. Vermutlich ist der direkte Kauf sogar etwas preisgünstiger, denn der USD steht mit 1,14 USD für einen EUR ganz gut für uns. Der Support soll zwar langsam aber gut und kulant sein. Auch das habe ich ausprobiert und Snapmaker meine Erfahrung mit Jakob Elektronik geschildert. Antwort: Wir regeln das schon. Wenn Du löten magst, schicken wir Dir den Powerknopf, aber wir halten es für besser Dir lieber einen neuen Controller zuzusenden.

Nun zurück zum Maschinchen und zu Eurer Augensicherheit:

Die Laserschutzbrille finde ich nicht so gelungen. Es ist offensichtlich dasselbe Produkt, wie diese 5-EUR-Laserschutzbrillen von Ebay. Ich habe ja noch eine CE-geprüfte Laserschutzbrille. Die gibt es bereits ab 35 EUR. Die nächste Qualitätsstufe wären die Profibrillen, die ab 200-300 EUR losgehen.

Ich wüsste nicht, wie ich die Qualität testen soll, aber schaue ich durch die beigelegte Laserschutzbrille, ist der Punkt wirklich noch grell. Schaue ich durch die 35-EUR-Brille sehe ich den Laserpunkt eher schwach und meine Augen reagieren da nicht mehr so, als ob ich in die Sonne schaue. Ich glaube das ist besser, aber bevor ich hier gefährliches Halbwissen veröffentliche: Ihr habt nur zwei Augen und die sind extrem wichtig, also informiert Euch bitte und schützt Eure Augen sehr sorgfältig.

Denkt daran: Trifft der Laser auf die Netzhaut wird sie irreparabel zerstört. Das heisst ihr seid so gut wie erblindet!

Zu guter Letzt finde ich doch noch ein Haar in der Suppe. Eine Funktion wollte ich mit dem Snapmaker umsetzen und zwar das Fräsen von Leitplatten. Diese haben selten eine extrem plane Oberfläche. Das Fräsen mit sehr geringen Toleranzen kann der Snapmaker, aber die Oberfläche muss beim Feinstfräsen auch sehr gerade/plan sein. Also fehlt ein Levelsensor. Der Controller des Snapmaker nutzt eine aktuelle Marlin-Version und Marlin hat diese Funktion bereits eingebaut. Also eigentlich eine leichte Übung, aber ohne Sensor… Schade!

Ich hab es Euch mal an einer Banane vorgeführt, die ja auch keine plane Oberfläche besitzt und habe statt Fräse den Laser benutzt und den Text „Alles Banane“ auf das gelbe Obststück gelasert.

Ist die Fläche plan, dann klappt aber so ziemlich alles mit dem Laser. Ist die Oberfläche jedoch krumm, ist „Alles Banane“, obwohl ich die beste Stelle auf der Banane ausgewählt habe. Höhenunterschiede in der gelaserten Oberfläche sind wirklich nicht bzw. kaum zu erkennen:

Übrigens habe ich die Banane nur auf die Platte gelegt und weder fixiert noch festgeklebt. Der Snapmaker lasert zügig und geht dabei in den von mir gewählten 0.1mm-Schritten in der Y-Achse so „smoooooth“ bzw. sanft zur Sache, dass es gar nicht nötig war die Banane zu fixieren. Auch das ist ein Vorteil gegenüber den doch oft recht ruppig agierenden China-Maschinchen.

Ich werde Euch noch mit weiteren Artikel über den Snapmaker auf dem Laufenden halten, wenn Ihr mögt. Die Kommentare für Hinweise und Wünsche sind bei uns ja immer offen, werden gelesen und gern beantwortet.

Ich futter jetzt meine Banane und schau mal, wie sehr Euch der Snapmaker gefällt.

13 Kommentare

  • Tolles kleines Maschinchen, wenn man damit auch noch in Metall fräsen könnte, würde ich mir auch glatt so ein Teil zulegen.

    Noch eine Anmerkung zu der Laserschutzbrille, die im Beitrag bemängelt wurde. Es ist total egal was man für eine Brille benutzt. Das kann auch die normale Sehhilfe oder Sonnenbrille sein. Man schützt seine Augen nicht vor dem sichtbaren Laserlicht sondern vor den unsichtbaren Wellenlängen. Die brutzeln einem nämlich im schlimmsten Fall die Augen weg. Was man sehen kann sind nur Reflektionen oder den Strahl des Positionierungslaser. Ich arbeite schon lange mit großen 50Watt Co2 Lasern und das ist das Erste was man sich merken muss. Die CE genormten Brillen sind nur Geldmacherei bzw. in Betrieben mit den richtig großen mehrere KW betriebenen Laser notwendig.

    • „Es ist total egal was man für eine Brille benutzt. Das kann auch die normale Sehhilfe oder Sonnenbrille sein.“

      Das mag für die CO2-Laser-Anlagen mit ihrer konkreten baulichen Anordnung bei Dir im Betrieb so sein.

      Im allgemeinen Fall ist es nicht so, dass jede beliebige Brille (unsichtbares) Licht jeder vorkommenden Wellenlängen zurückhält.

      (Für die Anschaulichkeit erinnere ich an die Diskussion um die nicht zugelassenen Laserpointer und das Blenden von Piloten. Die haben immer eine Cockpitscheibe und i.d.R. auch ein Sonnenbrille vor den Augen. Man kann mit einer normalen Brille auch nicht in die Sonne schauen, ohne die Augen zu gefährden.)

      Eine Schutzbrille muss in ihrer Filterwirkung auf die Wellenlänge(n) und die Stärke des Lasers abgestimmt sein, unabhängig davon, ob der Laser im sichtbaren oder unsichtbaren Bereich arbeitet.

      Die Laserdiode des Snapmakers hat eine Leistung von 200 mW, fällt damit in die Klasse 3b, und ist immer gefährlich für das Auge. Das Verbrennen der Netzhaut geht noch schneller als bei der Banane, weil die Linse des Auges einfallende Strahlen auf die Netzhaut fokussiert.

      Da man das Lasermodul wohl auch angeschlossen frei hantieren kann, ist nicht ausgeschlossen, dass der Strahl direkt oder über eine reflektierende Oberfläche ins Auge fällt.

      Also sollte man eine Schutzbrille tragen, bei der man sich sicher ist, dass sie die sichtbaren und/oder unsichtbaren Wellenlänge(n) des verbauten Lasers wegfiltert.

      • Peter, du hast Recht ist ja kein CO2 Laser, habe ich glatt übersehen.
        Aber wenn das Teil in die Kategorie Laserklasse 3B fällt, darf das Gerät in Deutschland so nicht betrieben werden. Man muss einen Laserschutzbeauftragten haben, der Laser muss in einem geschützten Raum stehen, der bei Betrieb des Gerätes dies durch eine Warnlampe signalisiert. Schutzbrille und Handschuhe sind auch Pflicht. In der Theorie macht das natürlich niemand zuhause. Aber wenn so eine Kiste im Betrieb rumsteht kann es schnell Ärger geben.

  • Na toll., jetzt musste ich meinen Ultimaker 2 Klon auf AliExpress stornieren und den hier sofort auf eBay bestellen…. 😉

  • Hallo Ralph,
    schön zu lesender Beitrag und ein informatives, kurzweiliges Video.
    Gerne noch mehr von und zu deinem Snapmaker.
    Cooles Teil, es sieht wertig verarbeitet aus.

  • Ist schon erstaunlich, dass der Kleine so günstig zu haben ist, wenn ich mir die Qualität der Bauteile anschauen und die vielen Funktionen.

    Haben die üblichen Laser-Gravierer so ein Sensor den Du beim SnapMaker vermisst, oder ist das eher ein Luxus-Feature sehr teurer Maschinen?

    Aber eines ist auch klar, bei Jakob werde ich kein Drucker bestellen, so ein Verhalten geht absolut gar nicht. An nem 3D Drucker kann immer mal was sein und so ein engstirniges verbraucherfeindliches Verhalten geht gar nicht (ist das überhaupt legal?). Zum Glück ist Jakob nur eine (von mehreren) Verkaufgsstellen, wo man den Snapmaker bekommen kann. Conrad hat ihn auch und auch wenn Conrad meist teurer ist, bei Rücksendungen hatte ich noch nie Probleme.. Auch wenn das zurück zu sendende Gerät schon ein paar Stunden gelaufen ist nicht.

    Weisst, was ich mir noch wünschen würde für einen weiteren Beitrag? Wie gut gehen andere Materialen, z.b. Äpfel fräsen oder Karotten lasern 😉

    PS: hau da mal noch die Kategorie „Highlights“ rein.. Und das Video müssmer noch öffentlich stellen.

    • Der Sensor ist nur mein Einfall, denn er kostet fast nichts, ist über den freien Port der Controller-Box einfach anschließbar und würde diese Art der Probleme lösen.

      Zu der Meissreihe mit Äpfel fräsen und Karotten lasern komme ich im Winter zurück, denn dann können wir auch testen wie lange der Laser benötigt um Tee zu erhitzen und Kaffee warm zu halten. So wird der Allrounder auch Büro-tauglich.

      Aber im Ernst: Ich möchte noch mehr über den Snapmaker zeigen, mit ihm noch mehr machen… nur auf das 3D-Drucken mit ihm habe ich mangels Bauteilkühlung weniger Lust. Aber ich schau mal, was die Kommentare bringen, ob da überhaupt Leser-Bedarf besteht.

    • Watt für ne Frage! Na klar wollen wir! Softwarebedienung und 3D-Druck und Spiegeleier (Ach geht ja nicht! Das reflektiert zu sehr!) Geh doch mal zum Optiker der mißt die Brille nach und Du weißt was Du hast. Bei Sonnenbrillen macht das Apollo kostenfrei. So ein Sensor braucht der schon noch. Im CAM-Modul von Fusion-360 kannst Du auch zunächst das Werkstück abtasten bevor es bearbeitet wird. Bei dem Teil kribbelt es aber ich hoffe, der Arbeitsbereich wird noch etwas größer. Das Gehäuse sieht auch gut aus! Scheiben getönt, Dunstabzug konnte ich nicht erkennen auf den Bildern. Für den ABS-Druck auch immer gut und wenn die Späne fliegen müssen die auch nicht überall hin sausen. Irgend wann wenn ich mal groß bin…

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