HotEnd & Düsenpflege durch Cold Pulls / Atomic Method

Druckdüse verstopft,  Filament wird nicht mehr sauber extrudiert und kräuselt sich um die Düse statt sich aufs Druckbett zu legen, alte Filamentreste verfärben den Druck – oder als vorbeugende Maßnahme: Cold Pulls – oder auch „Atomic Pulls“ oder die „Atomic Methode“ helfen.

Einleitung Cold Pulls

Nicht alles, was oben in den Extruder rein kommt, kommt am Ende unten wieder raus. Mit der Zeit sammelt sich „Dreck“ im Hotend und sorgt für zunehmend schlechteren Druck. Das kann Staub sein, verbrannte Filamentreste, Dreck, der in billigem Filament mit verwurstet wurde, oder was auch immer. Wer gerne Holz Filamente druckt, weiss wieviel Schmodder da im HotEnd bleibt. Oder wir wechseln von schwarzem Filament auf Weiss und haben dann die ersten paar Schichten störende Flecken im Druck, weil noch Reste vom schwarzen Filament im HotEnd klebt.

Sinnvoll ist so eine Reinigung auch, wenn man von eher kalt gedruckten Filamenten zu heiß gedruckten Filamenten wechselt, weil uns sonst bei der hohen Drucktemperatur die Reste verkokeln. Ich mach das inzwischen regelmäßig bei jedem Filament wechsel als vorbeugende Maßnahme.

Wie bekommt man also die Düse bzw. das HotEnd von innen wieder sauber? Mit eben diesen Cold Pulls (in Ultimaker Kreisen auch Atomic Pulls oder Atomic Method genannt).

Cold Pull – wie geht das?

Am besten geht es mit Nylon Filament – ich mag Taulman Bridge Nylon [Amazon.de] dafür. Nylon haftet wie blöd und schrumpft beim Erkalten löst sich also leichter nachher beim „Pull“ – aber kauft keine ganze Rolle, für Reinigungszwecke reicht so ne Probepackung locker. Und denkt dran: Nylon saugt Wasser wie’n Magnet aus der Luft und geht kaputt dabei.

Es gibt auch spezielle Reinigungsfilamente dazu, z.b. das von ESUN hier auf Amazon.de, aber im Grunde tuts auch ein stinknormales Reststück PLA, was noch irgendwo auf ner leeren Rolle hängt. Wir brauchen gar nicht viel, so 20cm reichen für eine Anwendung. Es ist sinnvoll, ein helles Filament und in anderer Farbe zu nehmen, als zuvor gedruckt wurde, da sieht man das Ergebnis besser.

Nehmt nicht das älteste Filament und auch nicht das Brüchigste, es sollte schon Halten beim Rausziehen.

  1. Im ersten Schritt heizen wir das Hotend auf die jeweils benötigte Temperatur auf. Fahrt den Extruder etwas hoch, damit Platz ist und wir nicht direkt auf dem Heizbett kleben.
  2. Wir laden nun das für den Cold Pull gedachte Filament unter Umgehung des Feeders (wo möglich – geht nicht bei jedem Druckermodell – beim Dremel den Hebel runter drücken, beim Prusa die Klappe für den Idler öffnen) und stopfen es einfach durch das HotEnd, bis es unten aus der Düse kommt und lassen da mal ein bissl raus laufen. So, und nun beginnt der Zauber.
  3. Jetzt reduzieren wir die Düsentemperatur, für PLA benutze ich so ca. 80°C, für das Taulman Bridge Nylon ca. 96°C. Während die Düse nun abkühlt halten wir die ersten paar Minuten einen ganz leichten Druck auf das Filament aufrecht, damit der komplette Hohlraum gefüllt bleibt auch wenn unten noch was aus der Düse austritt. Das geschmolzene Filament hat sich mit dem Schmodder im Hotend verbunden und beginnt nun zu erkalten.
  4. Nun stellen wir sicher, dass der Feeder entweder nicht aufs Filament drückt, beim Dremel gibts den Hebel, den man runter drücken kann. Beim Prusa MK2 die Klappe beim Idler öffnen und wenn die Zieltemperatur erreicht ist ziehen wir mit einem beherzten Ruck das Filament mitsamt dem anhaftenden Schmodder aus dem Hotend raus.

Hebel drücken beim Dremel: beim Durchschieben und vor allem beim Rausziehen

Mit geöffneter Klappe am Extruder Gear und am Loch oben vorbei

Wenn wir uns nun das Ende des rausgezogenen Filaments anschauen, sehen wir die anhaftenden Verschmutzung da an der Spitze kleben. Den Vorgang wiederholen wir so oft, bis keine Verschmutzungen mehr sichtbar sind. Bei einem komplett sauberen HotEnd / Düse sehen wir ein exaktes Abbild des Düseninneren, inkl. einer klitzekleinen Spitze für das Loch der Düse.

Oben: sauberes Resultat: unten weisses Restfilament das mit rausgezogen wurde

(Ok, das isn Bild vom Ultimaker 2,85mm Filament, warum, weil die anderen 2 sauber sind, bzw. ich kein schönen Pulls hinbekomme heute..)

Oben kein schöner Abdruck, machen wir gleich nochmal – Unten Grauschleier vom alten Filament

Es kann sein, dass ihr mit den Temperaturen etwas spielen müsst, um das Filament gut raus zu bekommen. Wenn Ihr den Extruder kaputt reißt, war es zu kalt. Wenn das Filament noch zu warm war, zieht es sich wie Kaugummi und kommt auch mal nicht komplett raus.
Es gibt auch Anleitungen, die erst die Düse auf Raumtemperatur abkühlen lassen und dann wieder aufheizen. Auch das kann man probieren – dauert halt länger. Wenn Euer Extruder an eher dünnen Wellchen montiert ist (die Ultimaker z.b.) dann fahrt den Extruder vor den ColdPulls an eine der Seiten, dann biegen sich die Welle nicht so leicht.

 

Cold Pulls beim CR-10 oder Tornado

 

Hier paar Anmerkungen zum CR10 oder auch Tevo Tornado..

Bei den Creality oder ähnlichen HotEnds kann es hilfreich sein, entweder oben die Schlauchkupplung vor dem ColdPull abzuschrauben oder aber ein kleines Stück Ersatz-Bowden-Stück zum Coldpull reinzustecken, also ein kurzes Stück, das ganz nach unten reich und oben noch nen cm oder 2 rausschaut

aufheizen, weissen Ring runter drücken (geht oft schwer), dann den Bowden rausziehen

Manchmal ist der Ring auch blau oder schwarz, ab und zu ist er mit nem Clip gegen das Runterdrücken gesichert (oder ein kabelbinder als Clipersatz)

Filament direkt durchdrücken, dann wie oben geschrieben abkühlen lassen

Wenn kühl, mit einer Hand den Schlitten etwas fixieren, mit der anderen Hand (die die jetzt das iPhone hält), das Filament wie oben beschrieben mit nem kleinen Ruck rausziehen

Den Vorgang wiederholen, bis die rausgezogene Spitze wie in den Bildern oben schön sauber und „wohlgeformt“ ist. Beim Zusammenbau nicht vergessen, der Schlauch muss wieder bis ganz tief ins HotEnd rein.

 

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