Uwes Wort zum Sonntag

Prusa auf Tschechisch und chinesisch & Autodesk

Bereits vor dem Kauf meines Prusa i3 MK2S stellte ich mir die Frage: Welcher von den unzähligen Original und Nachbau Prusa wohl der richtige für mich ist. Damals fehlte jede Erfahrung mit diesem Druckertyp und auch nach einigen Monaten möchte ich nicht von mir behaupten, alle Varianten und Ausprägungen zu kennen oder beurteilen zu können. Seit dem Prusa i3 MK2S hab ich auch den CR-10 auf GearBest.com erworben und ausprobiert. Auch die Probleme am Original Prusa hab ich am eigenen Leib erfahren. Eigentlich hatte ich für dieses Wochenende vor zur MakerFair nach Berlin zu fahren. Das in der Hoffnung, dort Erfahrungen zum Prusa austauschen zu können. OK! Ich bin im Elbkessel geblieben und hab es etwas ruhiger angehen lassen.

Und bei Heise.de einige interessante Artikel zum Tevo Tarantula gelesen. Auch hier handelt es sich um eine China-Variante des Prusa mit einigen Eigenheiten. Angefangen bei der Konstruktion aus Alu-Profilen, welche wie beim CR-10 auch als Führung dienen und den Führungsrollen bis zum Bowden-Extruder. Anders als beim CR-10 handelt es sich um ein echtes Kit! Hier ist also basteln angesagt und die Erfahrungen dabei sind in einem Video bei Heise zu sehen. Derzeit ist der Bausatz bereits ab 175,-€ bei Gearbest.com zu bekommen und wird in verschiedenen Ausbau­stufen angeboten. Die Minimalvariante bietet einen Singel-Extruder und einen Bauraum von 200x200x200mm. Optional sind eine 2. Spindel für die Z-Achse oder ein größeres Druckbett erhältlich. Dank beheiztem Druckbett sind PLA und ABS kein Problem. Wie der CR-10 hat der Tevo Tarantula wohl ein Problem mit lärmenden Lüftern. Für beide Geräte hat sich bereits eine aktive Community gebildet. Kein Tag ohne Umbauvorschläge auf Thingiverse. Wer den Aufbau nicht scheut findet also einen günstigen 3D-Drucker.

Meine Erfahrung mit dem CR-10 ist vergleichbar. Die mangelhafte Dokumentation erfordert ein intensiveres Probieren. Die optimalen Druckeinstellungen wollen erst gefunden werden. Den Störenfried im Steuergehäuse hab ich inzwischen durch ein BlackSilent-Modell ersetzt.

Wer krach macht muss gehen: kurzer Prozess beim alten Lüfter

Der originale Lüfter mit 40x40x20 mm über dem Stromanschluß ist mit 5mm Distanz zu den Schlitzen im Gehäuse verbaut und der ganze Luftstrom ist nicht optimal. Der neue Lüfter mit 40x40x10 mm wurde von mir auf ein 10mm Distanzstück gesetzt und bläßt jetzt frische Luft in das Gehäuse.  Damit kämpft er nicht gegen den Netzteillüfter.

Verbesserte Belüftung im CR-10

Damit das Display etwas Kühlung erhält hab ich im Boden einige Bohrungen hinzugefügt.

Zusätzliche Luftlöcher im Gehäuse

Der Lüfter im Gehäuse hat eine Gnadenfrist erhalten.

Interner Lüfter darf noch bleiben

Für die LED-Beleuchtung und den Raspi hab ich das Netzteil angezapft. Der Raspi erhält über eine USB-Steckdose aus dem PKW-Zubehör seine 5V und die 12V für die LED sind direkt vorhanden.

USB Strom für den OctoPi vom Netzteil abgezapft

Der CR-10 ist jetzt über Octopi im Netzwerk verfügbar. Nivelliermöglichkeit für den Drucker und eine Unterstützung des Druckbettkabels sowie eine LED-Halterung sind in Arbeit. Sobald alles umgebaut ist fasse ich die Stl-Dateien zusammen und stelle sie zur Verfügung.

Wenn wieder etwas Ruhe in den CR-10 eingezogen ist werde ich mich auch wieder dem Original Prusa zuwenden. Da hat sich auf der Seite http://www.prusamk2.com/ einiges getan. Irgendwer muß wohl meine Schreie und Wünsche gehört haben. Unter der Bezeichnung Haribo 3030 sind dort Anleitungen zum Umbau die meinen Vorstellungen schon sehr nahe kommen. Mich ärgert nur das blöde SCAD-Format der Daten. Damit kann meine Autodesk-Software einfach garnichts anfangen. Also bleibt nur Stl ausdrucken und bei Bedarf nachmodellieren.

Ich hab die Woche auf einer Infoveranstaltung einen Wunschzettel bei meinem CAD-Händler abgegeben. Auf dem steht das SCAD-Format ganz oben. PrintStudio mit variablen Layerhöhen, geplanten Pausen und Prusa-Unterstützung direkt dahinter. Da die neuen Versionen gerade erst erschienen sind ist in diesem Jahr nicht mehr mit großen Sprüngen zu rechnen aber da PrintStudio mit dem neusten Windows10 nicht funktioniert muß Autodesk wohl noch nachlegen. Also meine Aufforderung an alle: Auf der Autodesk Ideas Seite kann jeder seine Wünsche zu Ergänzungen, Verbesserungen oder neuen Funktionen in der Autodesk-Software anbringen. Nutzt das! Und wenn Ihr dort Wünsche anderer Nutzer findet welche Euch gefallen dann gebt ihnen Eure Stimme, das hebt deren Wertigkeit. Interessant war die Präsentation des CAM-Moduls im Fusion 360. Das könnte ein neues Thema werden.

Und noch ein Wort zu Stephan. Ja da wächst eine Konkurrenz zu Inventor und das sehe ich mit Besorgnis. Wenn Fusion den Inventor ablöst liegt alles in der Cloud und das ist für professionelles Arbeiten unakzeptabel. Die Frage ist nur, ob sich die Amis für unsere Ängste interessieren. Ich fürchte NEIN! So verspielt man über 25 Jahre aufgebautes Vertrauen.

Dann geniest mal noch das schöne Wochenende!
Gruß Uwe

4 Kommentare

  • Den großen Bruder des Tarantula den TEVO Black Widow 3D Printer Kit – EU PLUG BLACK AND RED gibt es zur Zeit bis zum 28.6. als Aktion mit dem Code GBTEVO zum Preis von 397,82 € unter http://www.gearbest.com/3d-printers-3d-printer-kits/pp_625792.html. Sehr massiver Aluprofilrahmen, keine billige Plasteteile bei 370 x 250 x 300mm Bauraum. Damit ist die Druckfläche mit dem CR-10 vergleichbar und die Höhe auch ganz ordentlich. Die Erfahrungen des Heise-Verlags mit Tevo gibt es auf heise.de und der aktuellen c’t.

  • PS.: Wie man den gekappten Kabeln auf dem ersten Bild entnehmen kann handelt es sich um den chinesischen Radaubruder. Der neue Lüfter ist auf den beiden letzten Bildern zu sehen.

    Gruß Uwe

  • Moin Uwe,

    vielen Dank für das Update. Auf meiner Seite gibts aktuell nicht viel Neues zu berichten. Ich kämpfe weiter mit dem Polysher, der immer noch nicht so richtig will und ständig Abbrüche produziert. Meine Anfrage bei Polymaker blieb bisher unbeantwortet. Ich werd mal morgen den Händler einschalten müssen. Aktuell drucke ich Testobjekte aus Polysmooth für „alternative“ Anwendungsfälle: eintauchen, bepinseln, besprühen, usw. Und auf dem Dremel und dem Prusa Mk2, der halbwegs wieder hergestellt ist, laufen die Teile für den Haribo

    Ich habe mich dann letztendlich gegen den CR-10 entschieden. 30x30cm bringt mir jetzt nicht soviel mehr und die 50x50cm Variante ist mir aktuell zu teuer. Das Geld dafür habe ich jetzt mal in Teile für den Haribo Umbau für dem Prusa MK2 angelegt. Alles in Allem auch wieder gut 250,00 und kein Ende in Sicht 😉

    Mit dem Haribo Mod habe schon die ersten Bauchschmerzen, noch bevor ich mit dem Umbau überhaupt angefangen habe. Die BOM ist nicht wirklich „passend“ für den geplanten Umbau des MK2(S), je länger ich mich mit dem Umbau beschäftige, umso mehr Teile muss ich nachbestellen und umso mehr Fallstricke finden sich. Das wenige, was ich in Sachen Anleitung gefunden habe, ist entweder lückenhaft oder schwankt teilweise auch von „leider nicht wirklich zutreffend“ bis zu nem Punkt, wo ich mich fragte: hat der, der da eine Anleitung verfilmt und auf Youtube gestellt hat, überhaupt nen Plan, was er da tut und wie das Ding, das er da umbauen will überhaupt funktioniert?

    Insgesamt gibt es wohl mindestens 3 Projekte, den Prusa MK2 auf stabile Füsse zu stellen – anscheinend alle ausgehend auf dem RebeliX Konzept und jeder schimpft über den anderen, anstatt an einem Strang zu ziehen. Hier gehts anscheinend mehr um Egos und um Kohle und um die Plattform, wo was präsentiert wird, als um die eigentliche Sache. Naja. Kleiner Tipp: wenn Ihr Hilfe von beiden prominenten Haribo „Lagern“ haben wollt, dann sagt bloß nicht, dass ihr vorher schon beim anderen wart, abweichende Nutzernamen sind auch kein Fehler. Komische Verhältnisse gibts da..

    Ich hab schon gemerkt, um das Ding über die Bühne zu bringen, muss ich wohl etwas mehr tun, als einfach nur eine Bauanleitung abarbeiten. Schön wäre es gewesen, wenn mal etwas „einfach“ wäre 🙂

    Mit den SCAD Dateien kann ich auch nach wie vor nix anfangen. Böse Menschen könnten sich nun fragen, ob mit SCAD vielleicht doch eine Barriere vor allzu freier Modifizierungen durch die Community etabliert werden soll 😉

    Ich bin inzwischen dazu übergegangen, die Teile für den Haribo, die mir nicht passen, in Fusion 360 nachzubauen oder über Designspark (Freeware) umzuwandeln und so etwas zu bearbeiten. Ich weiß noch nicht, wie ich das Projekt hier auf den Seiten vorstellen werde, aber es wird am Ende ein vollständig dokumentierter Umbau inkl. allen verwendeten Teilen werden und für meinen konkreten Fall MK2(S) nach Haribo (im ersten Schritt) stimmiger BOM werden. Dabei werde ich mich aus allen konkurrierenden Lagern bedienen und dann auch so auflisten. Hoffentlich ist das dann brauchbar für andere.

    Zum Tevo sind die Reviewes auf Youtube sehr durchwachsen. Mit der selben Vehemenz wie der Prusa MK2 überhypt wird, wird der Tevo verrissen. Wahrscheinlich mit selben „Realitätsgrad“. Ich warte glaub jetzt erst mal auf einen günstigen China Drucker, der ein anderes Konzept bringt, anstatt nochmal im Grunde das i3 Design neu aufzuwärmen.

    Zu Autodesk: ich seh das ähnlich kritisch, wenn auch vielleicht aus anderen Gründen. Inventor ist für mich als HobbyBastler eh „unerreichbar“ teuer, aber der Cloudzwang nervt. Ich hab hier scheiss Internet, das auch mal paar Stunden ausfällt in der Woche und schon paar Mal sass ich nun vor „Nix geht mehr aus der Cloud“. Ich habe nix, was schützenswert wäre, dafür sind meine selbstgebauten Sachen einfach zu banal – aber für kommerzielle Anwender ist das natürlich ein riesen Problem. Das Problem, dass ich habe, ist dass Autodesk morgen die Gratisnutzung beenden könnte oder in Folge einer Straffung der Produktpalette hinten über fallen lässt und was mach ich dann?

    Jetzt hab ich hier nen halben Roman getippt 😉

    Wünsch Dir und allen Mitlesern ebenfalls eine hoffentlich frustfreie neue Woche 🙂

    • Hallo Stephan,

      da spricht mir jemand aus der Sehle. Es gibt aber auch durchaus Dinge, denen ich was positives abgewinnen kann. Der Import des Inventor-Modells in Fusion geht ohne Probleme. Also hab ich den Prusa i3 MK2 in Fusion importiert und in Autodesk 360 abgelegt. Ein CAD-Modell sagt mehr als dicke Handbücher. Freigabe in der Cloud ist auch kein Problem. Dann machen wir uns doch an die Arbeit und sehen uns das Ergebnis von Haribo und Co. zunächst mal im Fusion an und passen es soweit an bis es unseren Vorstellungen entspricht. Die Stückliste entsteht dabei von selber. Also wenn Interesse besteht geb ich den Zugang frei. Das mit der Zukunftssicherheit wahr auch ein Punkt auf meiner Liste für den CAD-Händler. Zu den Preisen halt ich lieber meine Klappe sonst kommt da was ganz böses.
      Zu den China-Druckern sind in der Tat die Meinungen sehr geteilt im Netz. Die Teile sind auch nicht nur gut! Wie ich schon sagte ist mein Hauptproblem die schlechte Dokumentation. Im Heise-Bericht wurde genau das auch bemängelt. Der Original Prusa ist aber auch nicht nur gut. Mit ca. 350,-€ gibt es den Tarantula zum halben Preis mit vergleichbarer Ausstattung wie den Prusa. Und einige Argumente der Gegner kommen von denen, die nur den Original Prusa kennen und sich darum nicht vorstellen können, daß so ein Aluprofilrahmen deutlich stabiler ist als ein geklemmtes Stück Blech. Wer jedem Ärger aus dem Weg gehen möchte wird ohnehin nicht unter 1000,-€ für ein Fertiggerät glücklich.
      Eine schöne Woche noch!
      Gruß Uwe

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.