Ultimaker stellt den neuen Ultimaker 3 vor

Meine ersten Eindrücke zur Vorstellung des Ultimaker 3 auf http://www.ultimaker.com.

Highlights:
Dual Extrusion & Assistend Bed Leveling

Wie erwartet bringt Ultimaker nun die 2. Druckdüse („Dual Extrusion“) zurück, worauf die UM2(+) Generation bislang vergeblich wartet. Dual Extrusion erlaubt den 2 farbigen Druck und die Nutzung von löslichem Supportmaterial für komplexe Druckobjekte, die mit einer Düse nicht oder mit nur sehr viel Nacharbeit möglich wären. Auch wenig überraschend der Assistent zur Hilfe beim Ausrichten des Druckbetts. Sagen wir mal so, es war an der Zeit. Auch wenn ich die manuelle Ausrichtung des Druckbetts beim UM2+ für eine der besten manuellen Methoden zur Ausrichtung des Druckbetts halte und den Assistenten immer noch nicht traue. Das Druckbett soll nun auch etwas stabiler und vibrationsärmer sein.

Neuer Wege in der Steuerung

Im Innern schlägt nun ein ganz neues Herz in Form eines Linux basierten Rechners inkl. Webserver, dem die Hardcore Freaks per SSH Konsole oder per REST-API ganz nah auf den Pelz rücken und bei dem man mit Kenntnissen in der Programmiersprache Python auch selbst Hand anlegen könnte. Der neue Chip im Druckkopf liefert via i2C dazu laufend Statusinformationen. Sicher eine tolle Spielwiese für die Modder da draußen, ob das für den normalen Endnutzer außer einer erweiterten Überwachung / Fernsteuerung viel Nutzen bringt, bleibt noch abzuwarten. Das ehemals monochrome Display scheint nun farbig zu sein, leider hat man auf einen Touchscreen verzichtet.

Und frei nach dem Motto bessere Kommunikation gibts nun auch ein LAN/WLAN Interface nebst eingebauter Webcam, statt SD-Karte wird nun ein USB Stick genutzt. Das sind definitiv „Nice to haves“, die ich, seit ich Octoprint bzw. ja eigentlich Repetier-Server zur Steuerung meiner Drucker nutze, eigentlich nicht wirklich vermisst habe.

Bowden, 3mm Filament & NFC

Geblieben ist das Bowden Prinzip und das immer seltener werdende 3mm Filament, hier hätte ich auf die inzwischen weiter verbreitete Größe 1.75mm gehofft. Auch an den zugegeben seit dem UM2+  recht gut laufenden Feedern scheint sich nichts geändert zu haben. Der neue Ultimaker 3 hat dazu nun eine automatische Filamenterkennung via NFC (ohne jedoch die Filamentauswahl zu beschneiden bzw. den Drucker zu verdongeln), so dass sich der Drucker automatisch auf das jeweilige (derzeit wohl nur original Ultimaker) Filament einstellen kann. Interessanterweise fehlt bei der Liste der unterstützten Filamentarten beim Ultimaker 3 nun das TPU, also flexible Filamente, und auch PolyCarbonat. Ob nur vergessen oder aus gutem Grund wird man sehen müssen.

Nachtrag: man munkelt 0,8mm Cores und separate Cores für TPU sind geplant.

Komplette Neu: der UM3 Extruder

Der mir sehr lieb gewonnene Olson Block mit seiner Auswahl an preiswerten und einfach zu wechselnden Düsen wurde im Zuge einer kompletten Neukonstruktion des Extruders ersetzt. Darin schlummern nun 2 separat tauschbare „Druckköpfe“, Cores genannt, die allerdings Stand heute nur mit 0,4mm Düsen erhältlich und zudem mit >100 Euro nicht unbedingt billig sind. Düsentausch unmöglich. Dies ist zunächst mal ein deutlicher Rückschritt meiner Meinung nach.

Den fehlenden „großen“ Düsen dürften auch zu verdanken sein, dass die Druckgeschwindigkeit im Datenblatt des UM3 auf nunmehr 16mm³/s reduziert wurde, während der UM2+ mit der 0,8er Düse und viel Rückenwind seine 24mm³/s im Datenblatt trägt.

Zumindest auf den ersten Blick scheint sich die Achillesverse der früheren Gerätegenerationen, der PTFE Coupler, verabschiedet zu haben, dem weine ich mit Sicherheit keiner Träne nach. Neu und vielversprechend ist auch das verbesserte Lüfterkonzept, auch das ein kleiner Schwachpunkt an meinem Ultimaker 2+, auch wenn mich das nie so sehr gestört hat, dass ich mir mal eines der alternativen Lüfterdesigns auf Thingiverse ausgedruckt hätte. Bessere Kühlung verspricht schöneres „Bridging“ (Brücken über leeren Raum hinweg drucken) und weniger Curling (Aufrollen von frisch gedruckten Schichten – daran krankt mein UM2+ manchmal) und ist für Dual Extrusion dann wohl doch absolutes Muss gewesen.

So ein paar Gedanken dazu

Das Highlight des Ultimaker 3 also mit Sicherheit der Dual Extruder. Und wenn wir mal ehrlich sind, war es gewaltig an der Zeit dafür – so ein wahnsinniges Highlight ist das nun auch nicht mehr. Der Druckermarkt hat sich rasant entwickelt, während Ultimaker im UM2+ zu Beginn des Jahres 2016 „nur“ Detailverbesserungen brachte. Nun musste sich Ultimaker dann auch was einfallen lassen und greift beim Ultimaker 3 auf ein System zurück, dass an den Felix Pro 1 von FELIXprinters erinnert: der aktuell nicht aktiv genutzt Core wird sozusagen in eine Parkposition hochgeklappt, um so gegen die klassischen Probleme der alten starren Dual Extruder Systeme gewappnet zu sein. Ob das alle Krankheiten von Dual Extrusion kuriert, wie auch Oozing / Bleeding, bleibt abzuwarten. Zumindest das Schleifen des anderen Kopfs über bereits gedruckte Teile ist damit vom Tisch und es scheint auch die leidige Kalibrierung von klassischen 2-Düsen Setups dank Sensor in den Köpfen mit dem Ultimaker 3 kein Problem mehr zu sein. Was nun besser ist, dieses Wegklappen des Druckkopfs, oder Prusas Ansatz (der ja 4 Farben / Materialen mit nur einer Düse realisiert), das ist für mich im Moment die spannendste Frage – mal unbeachtet das 4 mehr sind wie nur 2.

Geblieben ist auch das ikonische aber halt halb-offene Design und das Glasbett, das für PLA toll, für andere Materialen jedoch nicht so der Burner ist. Und wie bei den meisten Dual Extrudern ist der heute vergleichsweise eh nicht mehr so imposant große Bauraum durch den Platzbedarf des 2. Druckkopfs nochmal geschrumpft – auf nur noch 197 mm x 215mm x 200 mm – vermutlich müssen wir auch davon wieder die nicht nutzbaren Bereiche um die Halteklammern für die Glasplatte wieder abziehen, ist ja beim UM2+ auch schon so.

Alles leichter macht der Ultimaker 3 also. Mehr Automatik, mehr Feedback & Kontrolle. Bessere Druckergebnisse mit weniger Aufwand für den unbedarfteren Anwender ist wohl eines der Ziele gewesen. Ansich nicht schlecht, aber gefühlt hat Ultimaker sich in meinen Augen damit wieder ein wenig weg von der Maker-Gemeinde und den Hobby-3D-Druckfans hin zu einem „Business-Anwender“-Gerät mit eigenem Ecosystem bewegt, wie es ja Zortrax sehr erfolgreich vormacht. Immerhin ist / will man dem Open Gedanken treu bleiben und auch weiterhin wie bei den früheren Modellen komplett „offen“ bleiben – wenn auch mit traditionell kleiner Verspätung.

Das Problem:

der Ultimaker 3 kostet über 3.500,- Euro inkl. Märchensteuer in Deutschland. Die Extended Version mit etwas höherem Druckraum fast 4,400 Euro.  Für mein Budget entschieden zuviel.

Mein Ultimaker 2+, (nach wie einer einer der besten Singel-Extruder Drucker auf dem Markt meiner Meinung nach) war mit 2.195 Euro schon teurer, als ich für einen 3D-Drucker ausgeben wollte. Und wenn wir uns anschauen, wie ein 795,00 Euro Kit Drucker, selbst von einer Schrauber-Niete wie mir zusammen gebaut, aus dem Stand in Sachen Druckqualität dem Ultimaker 2+ massiv Konkurrenz machen kann, dann muss man bei einem Preis von 3,500,00 schon 3,5 mal Schlucken und es kommen Zweifel auf, wieviel besser kann der UM3 nun tatsächlich noch sein. Obs das wirklich Wert sein wird?

Für mich kommt der 3er aktuell nicht in Frage. Ich behalte meinen UM2+, ich bin nach wie extrem zufrieden mit dem, auch wenn ich heute wohl vor dem Kauf des UM2+ zögern würde.

Was ich erhofft habe?

Ja, schon Dual Extrusion und das Assisted Leveling, aber vor allem einen größeren Druckraum – in der Breite größer. Problemloses Drucken von flexiblen Filamenten – wenn die Witbox2 sonst bei mir so gar nichts reißen konnte, Filaflex konnte sie richtig gut. Kein Haarspray & Klebegeschmiere bei anspruchsvolleren Filamenten mehr, das wäre was gewesen. Und einen Preis deutlich unter 3.000,-, nein unter 2500,-. Ein komplett geschlossenes Gehäuse. Ein Vollfarb-Touchscreen, wie es der kleine Dremel schon hatte, muss ja gar kein so ein Protzteil wie bei Raise3D sein. Eine Düsenreinigung wie beim Lulzbot. Eine bessere Führung des Filaments von der Rolle in den Extruder nebst ordentlichem Rollenhalter – grottige Rollenhalter sind ja aktuell groß in Mode. Dann, ja dann, wäre ich vermutlich nochmal schwach geworden, auch auf die Gefahr hin, dass mich meine Frau samt Drucker vor die Tür setzt.

Auf ein Upgrade Paket wie es beim UM2 zum UM2+ der Fall war brauchen wir wohl angesichts der Vielzahl an Änderungen insbesondere der neuen Elektronik nicht hoffen.

So bleibt’s bei einem: sexy schaut er wieder aus, bestimmt auch überragend im Druck, aber eben nicht in meinem Beuteschema. Schade.

Dual bzw. Multi-Extrusion werde ich mir im November dann eben mit dem Prusa i3 MK II noch mal gründlichst zu Gemüte führen, zu einem einem Bruchteil der Kosten. Denn so ganz überzeugt bin ich immer noch nicht, dass ich wirklich mit 2 Filamenten gleichzeitig drucken muss.

Hmm.. dann ist ja eigentlich nun Kohle für nen Dremel 3D40 über… Weihnachten is ja nimmer sooo fern 😉

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