Toshibas FlashAir macht (manche) 3D Drucker netzwerkfähig

Wifi Funktionalität für nicht WLAN fähige 3D-Drucker mit SDHC Kartenslot nachrüsten mit Toshibas FlashAir WifiSDCard.

Drucken ohne PC hat gewisse Vorteile, nicht nur dass der PC nicht blockiert ist, während gedruckt wird und der Druck nicht abbricht, weil Windows meint, jetzt wäre es ein toller Zeitpunkt für nen Reboot. Es war mir daher sehr früh klar: es kommt für mich nur ein 3D-Drucker in Frage, der über SD-Karte unabhängig vom PC im Keller bedient werden kann. Meine Wahl fiel dann schlussendlich auf den Dremel Ideabuilder, mit dem ich sehr zufrieden bin, aber einer seiner Schwachpunkte ist das fehlende WLAN.

Mit Wifi SDCards habe ich mich früher für die Fotokamera schon auseinander gesetzt , im Prinzip git es 3 „Major Players“, Transcends WiFi-SD, Eyefi und Toshibas FlashAir. Grundsätzlich sind die für Kameras gedacht, dort ist der Workflow ein anderer als beim 3D Druck: Bilder sollen von der Kamera zum PC gelangen, wir wollen aber Slicer Daten zum Drucker schicken, damit das Funktionieren kann, müssen folgende Mindestanforderungen gegeben sein:

  1. Die Karte muss eine Upload Funktion mitbringen
  2. Die Upload Funktion darf nicht auf Bilder / Videos beschränkt sein
  3. Die Karte muss sich in ein existierendes WLAN einhängen können

Die 3 Bedingungen sind leider nicht so ganz trivial wie man glauben mag, zumindest in den älteren Generationen WLAN  fähiger SD-Karten war das absolut nicht üblich. Umso glücklicher war ich zu lesen, dass in Toshibas aktueller FlashAir Version W-03 tatsächlich alles 3 unterstützt wird und die Konfiguration dazu noch recht simpel ist – auch wenn die mitgelieferte Anleitung dazu grottenschlecht ist.

Version W-03 muss es sein

Version W-03 muss es sein!

Die Installation

ist eigentlich nicht schwierig, nur nicht dokumentiert.

  1. Zuerst holt man sich das FlashAir Installationsprogramm von der Toshiba Homepage
  2. Zur Konfiguration muss die FlashAir Karte in einem PC (Kartenleser) stecken – Mac geht auch.
  3. Dann lässt man das Setup Programm einfach mal durchlaufen, ruhig in der Standardeinstellung, denn das was wir brauchen, kann man darüber eh nicht einstellen.
  4. Nachdem die Karte installiert ist, schauen wir uns mal den Inhalt der Karte an, dort finden wir im Verzeichnis SD_WLAN eine CONFIG Datei, diesen müssen wir mit einem Texteditor öffnen, der Unix/Linux Zeilenumbrüche kann – ich empfehle die Freeware Notepad++
  5. In dieser Textdatei ändern wir APPMODE=irgendwas zu APPMODE=5
  6. Wir fügen darunter eine Zeile UPLOAD=1 hinzu
  7. APPAUTOTIME setzen wir auf 0
  8. Bei APPNETWORKKEY und APPSSID kommt der WLAN Schlüssel bzw. die SSID des bestehenden WLANs rein.
  9. Speichern, Fertig
  10. Vielleicht schon mal paar geslicte Druckdaten, also das, was wir sonst auf die SDCard kopieren würden drauf kopieren, damit die Karte nicht leer ist (sieht komisch aus bei mir im Dremel) und auf der Rückseite der Karte die MAC-ID im Kopf behalten, dann ab damit in den Drucker.. einschalten, Minute warten, bis die Karte ins WLAN eingebucht ist und dann
  11. suchen wir im Routermenü oder im Menü des WLAN-AP nach der IP Adresse, die die FlashAir nun bekommen hat. z.b. 192.168.0.11
  12. Zum Übertragen einer Datei rufen wir künftig nun einfach http://192.168.0.11/upload.cgi aufm geben die Datei an, die übertragen werden soll und warten paar Sekunden, da ist jetzt keine große Benutzerführung und komfortabnbel ist auch anders, aber bis ich zum Drucker gelatscht bin, ist die Datei auch schon da und es kann munter losgedruckt werden.
Sexy ist es nicht, aber es tut: Success = Upload erfolgreich

Sexy ist es nicht, aber es tut: Success = Upload erfolgreich

Noch bequemer als der Weg über das Uploadformular ist es, wenn wir die FlashAir Karte als WebDAV Laufwerk einbinden.

Was soll der ganze Spass..

nun SD-Karten selbst sehen zwar stabil aus, aber sind es nicht wirklich, das ist auch weniger tragisch, kosten ja nicht viel. Bissl dümmer wäre es, wenn der im Drucker eingebaute SD-Kartenleser die Grätsche macht, die Zahl an Rein-/Raus Bewegungen ist meist auch nicht unendlich. Aber am liebsten mag ichs, weil es bequemer ist: was schätzt ihr, wie oft ich schon vom Drucker zum PC gelatscht bin und die SD-Karte vergessen hab und den Weg wieder zurück gehen musste?Keller sind meist weit weg. Das ist nun künftig egal.

Das war mir die 15,- Euro bei Amazon Wert – 8 GB reichen eh, so groß sind die Dateien ja auch nicht. Wer mehr braucht, es gibt sie auch in 16 und 32 GB.

PS: die komplette Doku zu den Befehlen in der CONFIG Datei findet man auf der FlashAir Entwickler Seite

Toshiba FlashAir für die Dremel IdeaBuilder 3D20:

Funktioniert problemlos.

Toshiba FlashAir für die BQ Witbox 2:

Die Toshiba FlashAir funktioniert ab Firmware 2.2.0 für die Witbox 2 released am 04.04.2016. Wer noch eine ältere Firmware hat, muss erst mal die neue Firmware auf den Drucker laden.

Toshiba FlashAir WiFi-SD im Ultimaker 2+

funktioniert absolut nicht. Auch das konkurrierende WLAN SD-Kärtchen von Transcend funktioniert im Ultimaker 2+ nicht. Keine Chance, leider

Toshiba FlashAir im Original Prusa i3 Mk 2:

Funktioniert wunderbar. Aber ihr müsst dazu im Druckermenü bei Settings den FlashAir Support einschalten, Standard ist aus.

Toshiba FlashAir im Renkforce RF100

funktioniert nicht. Getestet mit Firmware v1.1

Fazit:

Als Fazit muss mal wohl sagen: ob FlashAir funktioniert, ist am Ende dann doch vom Drucker abhängig. Bei mir gehen einige Drucker nicht damit – aber wenn es funktioniert, find ich es Klasse. Für den Ultimaker werde ich nun wohl mal OctoPrint/OctoPi anschauen müssen, der weilen behelfe ich mir mit dem Silex USB Device Server [Test]

6 Kommentare

  • Die Karte funktioniert auf meinem Ultimaker 2 (Firmware Tinker_16.12.1) perfekt.
    Habe die Karte als Netzwerklaufwerk eingebunden, damit kann der Gcode direkt aus Cura und Simplify3D übertragen werde. Dateien können aus Windows gelöscht, kopiert, unbenannt und verschoben werden.

    Wichtig: Die Karte funktioniert nur auf dem W-LAN Kanal 1-11.
    Wie Georg schon schrieb, keine Semikolon fürs Wlan-Passwort verwenden.

    • Ah, da dürfte der Hund begraben liegen, ich hab die TinkerGnome Firmware nicht drauf. Das werde ich umgehend testen, danke Dir für den Tipp!

  • Leider klappt es beim Tinus 3D nicht. Die Karte wird im Gerät nicht erkannt und wählt sich (so lange sie im Tinus 3D ist) auch nicht in das WLAN ein.

    • Dass die Karte gar nicht erkannt wird, wundert mich. Wenn ich die Karte in einen Drucker stecke, der nicht kompatibel ist, dann kann ich zumindest normal drauf zugreifen, nur der WLAN Teil bleibt aus. Schade. In dem Fall würde ich dann doch vielleicht mal in Richtung Octoprint / Repetier-Server oder Astroprint schauen?

  • Der Karte ist etwas empfindlich was einen WPA2-Key mit ungewöhnlichen Zeichen angeht, (z.B. Semikolon) – das wird bei der Eingabe über die App erst gar nicht akzeptiert und beim direkten editieren nach dem Restart in ein zerhacktes Pwd gewandelt das nicht funktioniert.
    Abhilfe schafft es aus der SSID und dem Key eine Hex-Darstellung zu generieren und dann diese als Pwd einzutragen. (Tool zur Wandung: http://jorisvr.nl/wpapsk.html, geht offline zu benutzen).
    Danke für die Inspiration, seit heute auch die Karte im Dremel verbaut.

  • Nachtrag: mit Firmware 2.2.0 released am 04.04.2016 funktioniert nun auch die FlashAir Karte in der BQ Witbox 2!

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