Drucker Hilfe: Mein Extruder zieht kein Filament mehr ein

Was tun, wenn das Filament nicht mehr eingezogen wird?

Irgenwie bin ich ein bissl vom Kurs abgekommen.. das Ding hier heißt Drucktipps3d.de, nicht Druckerauspacken.de. Also besinnen wir uns zumindest kurz auf die eigentliche Idee des Blogs und starten eine Reihe mit tatsächlichen Tipps…
bis der nächste Drucker geliefert wird 🙂

Filament wird nicht mehr eingezogen

Die erste Frage, die sich mir dazu stellt, ist folgende: Klickt der Extruder dabei komisch?

Der Extruder macht Klickgeräusche

Ein Extruder klickt immer dann, wenn er nicht genug Kraft aufbringen kann, um das Filament weiter zu fördern. Das heißt also konkret: Irgendwas im Filament Pfad ist verstopft.

  • Schaut erst mal, ob sich das Filament nicht verheddert hat. Kann man es noch gut von der Rolle abrollen, oder hakt es da schon? Hat es Knicke?
  • Bei sehr billigem Filament kann es auch oft passieren, dass die Durchmesser nicht stimmen. Damit alles glatt läuft, darf das Filament nicht viel von der Norm 1.75mm (oder selten auch 2,85mm bzw. 3,00mm) abweichen. Diese billigen Filamente haben irgendwo auf der Rolle mal ne dicke oder dünne Stelle und wenn es zu dick ist dann verklemmt es sich, bei zu dünn greift das Zahnrad zum Vorschub nimmer.
  • Bei vielen Druckern sind die Übergänge, z.b. vom Extruder ins HotEnd nicht unbedingt glatt, oder das Zahnrad des Extruders ist nicht korrekt zum „Loch“ zur weiteren Filamentführung ausgerichtet. Dann stößt das Filament an diesen Übergängen an und geht nicht mehr weiter. Oft kann es helfen, das Filament in einem möglichst spitzen Winkel anzuscheiden, dann rutscht es an solchen Problemstellen besser vorbei.

    Problemzonen beim Prusa MK2

  • Wir haben eine Verstopfung. Mal die Düse reinigen und beim Laden von Filament drauf achten, dass die Düse nicht unten am Druckbett steht. Wenn unten nix raus kann, geht oben meist auch nix mehr rein. Zum Filament laden fährt man den Drucker am besten etwas nach oben, heizt den Drucker auf die benötigte Temperatur und Drucker mit Bowden Schlauch in eine Position, dass der Schlauch halbwegs „rund“ ist.
    • Die Verstopfung kann allerdings auch im HotEnd selber oder aber im Bowden Plastikschlauch zum Extruder stecken. Ihr müsst wohl oder übel den kompletten Filamentpfad absuchen.

      Hier ist dicht – Lustige Verstopfung im HotEnd Eingang bei einem MK10 Extruder..

  • Lange Bowden Plastikschläuche sind auch gerne Mal verdreckt, geknickt, oder aber es wurde ein falscher Schlauch mit zu großem Loch geliefert. Für 1.75mm Filament sollte das Loch nicht größer als 2mm sein (für 2,85mm Filament 3mm). Ein stark abgenutzt Schlauch wird rau, dann würde ich ihn tauschen. Ausspülen kann man ihn zur Not auch. Von der Idee Öl, ja sogar Olivenöl oder sonstige organische Substanzen in den Schlauch zu tropfen halte ich im Übrigen gar nix. Olivenöl gehört in den Salat. Das muss ohne gehen und wenn’s ohne nicht geht, dann wird besser repariert / getauscht und nicht gepfuscht..

    Verkokelt oder deformiertes Ende am Schlauch: weg damit (abschneiden langt meist)

  • Gerade bei Bausatzdruckern kann es oft vorkommen, dass der Motor des Extruders nicht genug Strom bekommt, weil der Hersteller vergessen hat, das richtig einzustellen. Auf den allermeisten Boards gibt es für jeden Motorausgang ein winzigen Poti, mit dem man den Strom zum Motor erhöhen kann. Aber da mach ich dann mal ein extra Blog Post dazu..

    Mit diesen Mini Potis kann man den Motorstrom einstellen

Der Extruder macht keine Klickgeräusche

Der Motor skippt also nicht und trotzdem wird kein Filament eingezogen.

  • Erster Check: Ist die Düse auf Temperatur? Die meisten Drucker weigern sich, Filament einzuziehen, wenn die Düse kalt ist. Guckt dann gleich mal ins Menü des Druckers, ist die Düse heiß, aber im Menü wird keine Temperatur angezeigt, dann ist der Sensor defekt – der Drucker glaubt, die Düse ist kalt.
  • Wenn noch Filament im Extruder steckt, dann versucht mal, ob ihr das raus gezogen bekommt. Dazu heizt ihr erst mal die Düse auf die zum jeweiligen Filament passende Temperatur auf. Die meisten Extruder haben einen Hebel oder eine Schraube, um den Anpressdruck des Zahnrads im Extruder aufs Filament zu lösen. Löst diese Schraube bzw. drückt den Hebel und versucht das Filament herauszuziehen.
    • Schaut Euch jetzt mal das herausgezogene Filament an, wenn sich das Zahnrad reingefressen und so ne richtig tiefe Mulde gegraben hat, dann kann es nicht mehr vorwärts gehen (und zurück meist auch nicht). In diesem Fall schneidet den angefressenen Teil ab und ladet das Filament wieder neu. Eigentlich wäre es nun angebracht, auch das Antriebs-Zahnrad im Extruder zu reinigen.

      vom Extruder malträtiertes Filament

    • Ist das Filament arg zerquetscht, dann reduziert mal den Anpressdruck im Extruder aufs Filament. Das passiert gerne mal nach Drucken mit sehr vielen Rückzugsbewegungen.
    • Ist da jetzt nix wirklich tief reingefressen, die kleinen Rillen, welche vom Zahnrad normal ins Filament gedrückt werden sind auch eher schwach ausgeprägt..
      • dann könnte auch einfach nur das Zahnrad verdreckt sein. Der Abrieb sammelt sich mit der Zeit auf dem Zahnrad und sollte gelegentlich abgebürstet werden, damit sich das nicht zu setzt.

        Wenn sich die Zähnchen zusetzen oder abnutzen greift nix mehr

      • Gibt die Feder, welche den Anpressdruck der Idler-Rolle auf das Zahnrad gewährleisten soll noch genug Druck? (Bild oben und das nächste Bild unten zeigen 2 Varianten dieser Feder)
      • es könnte auch sein, dass die Zähnchen des Zahnrads stumpf oder ausgebrochen sind, dann muss man das Zahnrad tauschen. Billigere Drucker setzen hier meist auf Messing, das hält nicht ewig

        Hier sind die Zahnräder sogar aus Plastik und das kleine für den Motor ist nur gesteckt…

      • Dieses Zahnrad wird in der Regel mit einer Madenschraube auf den Schaft des Motors geschraubt, ist die Madenschraube locker, dann dreht der Motor einfach durch und das Zahnrad rutscht. Einfach die Madenschraube wieder fest ziehen und zwar so, dass die Schraube auf die flache Stelle am Motorschaft drückt.

        Flache Stelle des Motorschafts, hier sollte die Madenschraube für das Zahrad sitzen

      • eventuell hat der Extruder auch einfach nicht genug Anpressdruck, wie oben schon erwähnt, haben viele Extruder (leider nicht alle) eine oder mehrere gefederte Schrauben, um diesen Anpressdruck zu variieren. Zieht das mal ein bissl fester, gerade PLA ist relativ hart und braucht etwas mehr Anpressdruck

        Prusa i3 MK2 .. mit den Schrauben regel man den Anpressdruck

        Beim Titan (hier Clone) geht der Anpressdruck mit der Schraube hier

        Der Extruder dreht wild vor und zurück

      • Möglicher Kabelbruch im Motorkabel, oder Stecker lose, oder Belegung falsch
      • Defekter Stepper – Motor, -Treiber oder Board. Zur Diagnose, tauscht mal mit einem Stepper von der X, Y oder Z-Achse oder stöpselt kurz um, je nachdem ob der Fehler mitwandert kann man nun die Quelle des Übels besser eingrenzen

4 Kommentare

  • super erklärt die Verstopfungsgeschichte.
    Mein A8 hat das Filament auch nicht transportiert.
    1. weil mir die Feder weg geflogen ist und nie wieder aufgetaucht :-)) ( fragt nicht wie so was passieren kann)
    2. Das Zahnrad schon angekratzt geliefert wurde
    Lösung:
    Die im Bauhaus auf die schnelle gekauften Federn haben nichts gebracht also habe ich eine „originale“ Feder plus ein neues Zahnrad bestellt und siehe da mein erster 3d Druck hat auf Anhieb funktioniert

    • Wie das passieren kann, dass so ne Feder wegfliegt? Heh, bei mir fliegen *grundsätzlich* immer alle Federn weg, die wegfliegen können. 😉 Und ja, ohne die Feder drückt da nix mehr gegen das Zahnrad, dann is vorbei mit Vorschub.

  • Danke Stephan für den sehr ausführlichen Beitrag. Was fällt mir dazu ein? Wie vermeide ich das Problem. Verrückter Weise hab ich das Problem nur am Dremel und wirklich dauerhaft beseitigen läßt es sich nicht. Ein Problem beginnt schon vor dem Einschalten des Druckers. Der Slicer von Dremel für den 3D20 läßt einfach keine Anpassung der Druckereinstellungen zu. Für blutige Anfänger zunächst schön, stl-File laden und Dremel-Datei speichern fertig ist das irgend wann nicht mehr genug. Vor allem dünne Layer verursachen einen Stau im Hotend der sich nicht von allein wieder auflöst. Am schlimmsten ist dann die erste Schicht. Bei jedem anderen Slicer stelle ich die erste Schicht einfach etwas stärker ein, der Slicer von Dremel kann das nicht. Also bleibt nur die Layerstärke für den gesamten Druck zu erhöhen um der Verstopfung vorzubeugen. Warum der Dremel aber prinzipiell so zur Verstopfung neigt hab ich noch nicht heraus gefunden. Der Prusa und der CR-10 arbeiten auch mit 0,4mm Düse und drucken mühelos Schichten von 0,1mm ohne Verstopfung.

  • Schöner Beitrag. Die Sache mit den Potis finde ich auch sehr interessant, gerade weil ich ja den TronXY am Wickel habe und mir da schon meinen Teil wg. des Extruder-Steppers überlegt habe. Ich war stark in Versuchung an den Dingern rumzudrehen… Habs aber gelassen… 😉

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