Drucker Hilfe: Nix klebt am Druckbett

Ein häufiges Problem: nix will richtig am Druckbett haften, alles biegt sich hoch (=warped) oder fällt sogar ganz ab. Erste Hilfe gibts hier..

Die Haftung der ersten Schicht am Druckbett ist essentiell wichtig. Die erste Schicht ist die Grundlage für den ganzen Druck, hier kann man zig Fehler machen. Die richtige Einstellung hängt von vielen Faktoren ab: Filamentart, Material der Druckbetts, Lüfter, usw.

Viele greifen wenn es nicht so recht haften will sofort zum Klebestift oder sonstigem Geschmiere, anstatt dem eigentlich Problem an den Kragen zu gehen. Gerade PLA muss ohne Hilfsmittel gehen. Haftet PLA nicht, haben wir ein Problem, das es zu lösen gilt. Sicher, ich kann auf meinen durchgerosteten Kotflügel am Auto auch einfach Klebestift, äh, nen Lackspray drauf machen, aber das Problem ist damit noch nicht gelöst. Lasst uns Probleme lösen und nicht überschmieren!

Richtige Haftung am Druckbett, so gehts:

  • Das Druckbett mus korrekt „gelevellt“ / nivelliert sein, also kurz: überall den gleichen Abstand zur Düse haben. Hier mal 2 Bilder der Unterseite des fehlgeschlagenen Drucks aus dem Titelbild, die linke Seite, die sich so stark hoch gebogen hat, schaut von unten so aus:

    Düse viel zu weit weg: klar erkennbare einzelne Linien mit riesen Lücken (Foto der Unterseite des Objekts)

    Die rechte Seite, also die Seite, die wesentlich länger durchgehalten hat, da stimmte der Abstand, die schaut so aus (leider nicht so gut zu erkennen):

    einzelne Linien fast nicht mehr erkannbar: das PLA wurde ordentlich „angedrückt“

    Eine Seite gut, die ist gut angedrückt, die andere Seite zu weit weg -> das Druckbett war nicht sauber nivelliert und hing auf der einen Seite nach unten. Die „lose“ Seite warpte, die Düse rumpelte ständig gegen den hoch gebogenen Teil und am Ende löste sich dann das komplette Druckstück. Ich kann da nun UHU daraufschmieren, oder ich nivelliere mein Bett.. was macht mehr Sinn?

  • Sauber muss das Druckbett sein — und eben. Wer seinen Druck über die angeklebten Reste früherer Drucke rumpeln lässt, muss sich nicht wundern, wenn das nicht hält. Oft beginnt das Bett bei so ner Berg und Talfahrt dann zu vibrieren oder zu schwingen, dann ist’s mit dem richtigen Abstand auch wieder Essig. Auch Berge von altem Uhu oder sonstige Anhaftungen sind nicht hilfreich.
    • Beim Bekleben mit Malerkrepp oder Kapton darauf achten, die Bahnen bündig aneinander anstoßend und nicht übereinander zu kleben.
      • Ich nutz gar kein Bluetape / Malerkrepp mehr, weil es hässliche Bodenflächen gibt, aber wer es unbedingt nutzen will oder muss, z.b. auf einem unbeheizten Bett, dem noch ein kleiner Tipp: manche Malerkrepps haben ne Wachsschicht drauf, die sollte man kurz mit Isopropylalkohol abwaschen, aber nicht ersäufen. Nur kurz drüber wischen, vor dem Druck muss es auf jeden Fall trocken sein.
    • Blasenfrei muss es sein, egal welche art von Folie man aufbringt. Das gilt auch für Buildtak, Filaprint, PEI oder was auch immer: Blasen sind Mist.
  • Wer PEI oder Glas benutzt, muss penibel darauf achten, dass das Bett absolut fettfrei ist. Selbst ein Fingerabdruck kann enorm stören. Hier helfen Isopropylalkohol in hoher Konzentration 70-99% oder aber Aceton, weniger gut geeignet sind: Spüli, Glasreiniger oder sonstige Putzmittel oder alles, was einen Film zurücklässt. Spüli, das gut für die Hände ist, taugt rein gar nix für den Drucker..
    • PEI reinige ich regelmäßig mit 99% Isopropyl Alkohol und alle paar Wochen mal mit Aceton abwischen. Das Aceton kann PEI minimal angreifen, darum nutze ich das nicht immer. Im Grunde ist die Reinigungsleistung von Isopropyl auch nicht ganz optimal, da bleibt auch meist noch ein bissl was zurück, darum gelegentlich noch das Aceton im Wechsel.
    • Achtung: Die Anycubic Ultrabase verträgt kein Aceton! 70% Isopropyl scheint ok zu sein.
    • Buildtak mit 70% Isopropyl maximal und Buildtak nur reinigen, wenn es auf Raumtemperatur ist, nicht heiß. Kein Aceton!
    • Filaprint: Gar nicht reinigen. Maximal mit einem feuchten Zewa abwischen. Achtet drauf, das gar nicht erst einzusauen (Fingerabdrücke!)
  • Der Düsenabstand zum Bett spielt eine große Rolle.
    • Ist die Düse zu dicht am Bett, reißt die Düse das zwischen den Linien nach oben gequollene Material mit ab – es zerreist quasi während dem Druck die vorhergehende Linie und es haftet nix. Genau das ist hier passiert:

      Abriss, hochgequollen zwischen den Linien und die transparenten Stellen = zu nah

    • Ist die Düse zu weit vom Druckbett entfernt, dann liegt die gedruckte Linie nur sehr lose auf dem Druckbett auf und es entsteht keine gute Haftung, bzw. es bleibt gar nicht erst liegen.
      • PLA soll etwas ins Bett reingedrückt werden, also eher weniger Abstand Düse zum Bett. Nicht zu wenig, nur soviel, dass es leicht gequetscht wird.
      • PETG liegt besser eher etwas lose auf, also nicht so sehr gequetscht. Gerade PETG auf Glas oder Ultrabase. Quetscht man PETG zu sehr, kann es Glas zerstören, sich so fest z.B. mit PEI verbinden, dass mans nie mehr ab bekommt oder ganz simpel aber trotzdem nervig: man sammelt sich hervorgequollenes Material mit der Düse auf, das später irgendwann mal auf den Druck tropfen kann. Natürlich immer auf die Außenseite, oder so, dass die Düse bei der nächsten Schicht dann dagegen rumst.

Löcher am Rand zwischen Füllung und Aussenlinien, klar erkennbar einzelne Linien, Linien haften gar nicht erst und werden von der Düse mitgeschleppt = zu weit.

  • Für den Druck der ersten Schicht ist der Bauteillüfter grundsätzlich aus zu schalten. Wir wollen der gedruckten Linie Zeit geben, vor dem Erkalten eine gute Bindung mit dem Bett einzugehen.

Cura: Initial Fan Speed 0% = Lüfter aus für erste Schicht

  • Die Temperatur des Heizbetts – gerade bei PLA – sollte nicht höher als die Glasübergangstemperatur des zu druckenden Filaments sein. Bei PLA ist das allerhöchstens 60°C. Es gibt aber auch PLA Varianten, wo 55°C schon zuviel ist. Bei ABS und anderen Hochtemperaturmaterialien ist das bissl schwammiger, aber gerade PLA nie zu heiß! Ein zu heißes Bett führt dann später auch noch zu anderem Malheur, wie Elefantenfüssen, eingesackten Wänden, Curling etc.

Mehr Betttemperatur ist nicht immer hilfreich!
Ist das Bett über der Glastemperatur des Filaments, erstarrt die erste Schicht nie vollständig. Drucken wir nun weitere Schichten oben drüber, die dann gekühlt werden, dann ziehen sich die gekühlten Schichten stärker zusammen als die immer noch vom Bett weich gehaltenen unteren Schichten – mit der einzig physikalisch logischen Konsequenz: es wellt sich nach oben – es warped.

 

Mehr Haftung am Druckbett erzielen wir, wenn wir..

  • die Temperatur des Druckbetts erhöhen. (Dabei aber mit der tatsächlich an der Oberfläche erreichten Temperatur nicht die Glasübergangstemperatur des benutzten Filaments überschreiten. Maximal 60°C für PLA!)
  • die Düse näher zum Druckbett bringen, entweder in dem wir die Stellschrauben des Betts etwas lösen, oder aber den Z-Offset bei Verwendung eines ABL Sensors reduzieren. Sind wir zu nah, ist’s aber dann auch wieder nix.
  • die Drucktemperatur der Düse erhöhen – vor allem dann sinnvoll, wenn wir mit der Betttemperatur schon recht nah am Limit sind. Wenn wir dann mit Stringing zu kämpfen haben, reduzieren wir in den folgenden Schichten die Temperatur der Düse wieder etwas. (Dabei die maximale Temperatur des Filaments keinesfalls überschreiten, sonst gibts gerne verstopfte Düsen, weil sich das Material in der Düse zu zersetzen beginnt)
  • langsamer Drucken. Eigentlich kann jeder Slicer für die erste Schicht eine  separate Geschwindigkeit einstellen.

Erst wenn das alles nix bringt, dann greifen wir zu Hilfsmitteln. Hilfsmittel können auch erst mal ein breiter „Brim“ sein.

PS: Die Bilder wurden hier nur zu Fotozwecken auf die Ultrabase gelegt. Die Fehldrucke haben nix mit der Qualität einer Ultrabase zu tun.

15 Kommentare

  • Schöner Artikel, welcher genau beschreibt welche Probleme ich gestern hatte.
    Hatte zum erstenmal, seit mein cr10 da ist, richtig Zeit mich damit zu beschäftigen und wollte das mitgelieferte PLA – Filament von CCTree für die Modifikationen verdrucken. Gereinigt mit Ethylalkohol, hatte nichts anderes ( liegt da vielleicht das Problem?), Zewa und Baumwolltuch, nichts half. Temperaturen rauf, Temperaturen runter, Geblässe an, Geblässe aus, Level hoch, Level runter, egal wie, keine Besserung.
    Nach 3 – 4 Stunden griff ich dann doch zum Malerkrepp, lief ohne Probleme sieht bloß nicht so schick aus. Werde mir morgen mal Isopropyl Alkohol und Aceton besorgen, mal schauen ob es daran lag.

    Gruß,

    Marius

    • Marius,

      du hast auch die Glasplatte als Druckunterlage? Du kannst sonst auch mal mit Glasreiniger ran gehen und dann halt im Waschbecken ordentlich nachwischen/spülen.

      Glasplatten sind auch nicht immer zwangsweise plan, das musste ich selbst bei den teuren Ultimaker Platten feststellen, manchmal hilft umdrehen (andere Seite nach oben) und auch immer sehr spannend: einfach mal ein großes Quadrat (reicht ja, da nur die erste Schicht mit 0,2mm Dicke zu drucken) oder 9 kleine Quadrate übers ganze Bett verteilt drucken, da sieht man dann wies mit dem Bett ausschaut.

      Bei unebenen Bett (bzw. generell immer inzwischen) nehm ich als erste Schicht mit ner 0,4er Düse mindestens 0,2mm bis maximal 0,25mm. Ne dicke erste Schicht bügelt auch ein bissl was glatt.

    • Hallo Marius,

      alle Tipps die wir geben ersetzen keine eigenen Erfahrungen und jeder entwickelt auch seine eigenen Vorlieben. Ich persönlich finde die extrem glatte Oberfläche beim Druck auf Glas nicht passend zu den übrigen Oberflächen der Druckobjekte und kann mich sehr gut mit der Struktur von Malerkrepp anfreunden. Aceton ist immer etwas mit Vorsicht zu genießen. Verschiedene Materialien werden sehr stark angegriffen. Meine erste Empfehlung ist wie auch Stephan bereits erwähnte, runter mit der Geschwindigkeit. Ungeduld beim ersten Layer zahlt sich nicht aus.

      • Hallo Stephan und Uwe,

        ja Stephan, habe versucht direkt auf Glas zu drucken. Umdrehen könnte ich tatsächlich mal versuchen, auch die Idee mit dem Quadrat hört sich gut an. Das die Platte nicht ganz Plan sein könnte, hatte ich schon auf verschiedenen Seiten gelesen, deshalb hatte ich auch verschiedene Bereiche der Platte probiert.

        @Uwe
        Bei den Modifikationen spielt es tatsächlich keine Rolle ob die Oberflächen jetzt extrem Glatt sind oder nicht, doch würde ich gerne bestimmte Objekte mit einer sehr glatten Obfläche drucken wollen. Sehr langsames drucken der ersten Schicht/en hatte ich gemacht.

        Sollte auch keine Kritik am Artikel sein, sondern eher die Ironie des Lebens ausdrücken. Ich probiere den ganzen Tag wie ein wilder dranrum und Abends irgendwann erscheint dieser Artikel.

        Und ja, Erfahrung sollte gesammelt und nicht nur gelesen werden.
        Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit den ersten Versuchen und werde mit voller Freude die nächsten starten.

        Gruß

    • Ich habe ja seit kurzem die Ultrabase (mit Heizbett) und bin mehr oder weniger zufrieden damit. Nachdem ich das über 9 Quadrate gelevelt habe (und dann, damit es auch in der Mitte passt, noch was näher ran gegangen) hält die erste Schicht jetzt super gut. Kleinere Sachen bekommen noch nen Brim verpasst.
      Was ich im Unterschied zu meiner alten „normalen“ Glasplatte festgestellt habe: Es löst sich auch bei niedrieger Temperatur nichts ab. Kein Warping mehr. Und ich kann jetzt wieder mit 55 Grad und weniger drucken. Ging bei meiner anderen Glasplatte nicht.

      Was mich stört. Auch die Ultrabase ist nicht ganz grade. In der Mitte hat die bei mir eine kleine Senke. Anycubic gibt ja auch eine maximale Toleranz von ±0,2mm an. Und 0,2mm bei einer Schichthöhe von 0,2mm ist schon eine ganze Menge. Hier sollten eigentlich geringere Toleranzen sein. Aber das ist wohl eine Frage des Geldes

      • Hallo Marcus,

        freut mich wenn Du es in den Griff bekommen hast.
        Leider geben die meißten Anbieter für ihre Glasplatten keine Toleranzen an und so fällt es schwer etwas zu vergleichen. Man hofft ja, daß die Toleranz nicht gleich im vollen Umfang zuschlägt aber ±0,2mm sind ja schon 0,4mm Toleranz und damit eindeutig zu viel. Daran ändert auch die Aussage gewöhnlich im Bereich 0,1mm nicht wirklich etwas. Aber auch wenn wir mehr Geld auszugeben bereit währen sehen die Alternativen nicht viel besser aus.

  • Hallo Stephan,

    toller Artikel!

    Ich habe gerade eine Probe vom GreenTec bekommen, das Du ja für Deine Haribo Teile verwendet hast. Zuerst habe ich meinen Temperaturturm gedruckt, 200ºC kam dabei als klarer Sieger raus.

    Dann habe ich versucht ein L-förmigs Teil (ca 40x60mm) mit 200ºC auf 55ºC geheiztem Bett zu drucken. Da ich Sorge hatte es würde zu gut haften, habe ich ein bisschen weniger Z-Adjust genommen. Nach etwa 2mm hat sich das Teil vom Bett gelöst. Trotz aller Horrorberichte, dass man das vom PEI nicht runterbekommt. Nächster Versuch, Bett auf 75ºC und Z wieder ein Zehntelmillimeter nach unten. Nach ein bisschen mehr als 1mm Höhe hat es sicher wieder angefangen zu lösen an 2 Ecken. Vor dem letzten Versuch habe ich mit Aceton gereinigt – gründlich, Z noch mal 1,5 Zehntel nach unten. Nach 4-5mm wieder Warping. Abgebrochen. Frustriert.

    Jetzt neigt sich die Probe zu Ende und viele Versuche bleiben nicht mehr. An folgende Möglichkeiten habe gedacht:

    1. Heizbett auf 100ºC
    2. Brim
    3. Mäuseohren
    4. Verzweiflungstat: 1-3 auf einmal

    Was denkst Du? Hast Du vielleicht einen Tipp?

    Danke und lG, Hendrik

    • Extrudr Greentec BDP auf PEI? Heizbett 55°C, Düse 220°C, so druck ich das hier auf Prusa MK2 und Ultimaker2+ (jeweils ein Prusa PEI Sheet aufm Bett). Bei nur 200°C kann ich den fertigen Druck mitm Finger zerquetschen. Düsenabstand wie bei PLA, und ja, es neigt etwas mehr zum Warping als PLA.. Habs aber mit PEI eigentlich soweit gut im Griff.

    • Oh, und druck die erste Schicht mal sehr langsam, so 25-30mm/s

      • Danke vielmals! Ich werde es gleich nochmal probieren. Was meinst Du eigentlich mit „mitm Finger zerquetschen“? Dass die Layer auseinander brechen? Bei mir ist der gesamte Turm von 210ºC bis auf 185ºC sehr stabil, ich darauf überall rumdrücken, da bricht nicht, und der hat nur einen Perimeter und ist hohl. GreenTec gibt komischer weiser 190º bis 195º als optimale Temperatur and, der Händler schreibt 170ºC bis 200ºC.

        • Ja, die Layer halten nicht zusammen. Löst sich entlang der Schichtlinien. Komisch. Ich habs erst letzte Woche noch gedruckt für nen Lüfterhalterung. 205°C war definitiv zu wenig.

        • Ich hab grad nochmal geguckt, meine alten Profile waren 205/55.. hab ich also doch nicht gesponnen, irgendwas is anders. Ich glaub, ich druck gleich nochmal nen TempTower.

          • Ich hab es jetzt genauso gedruckt wie Du oben geschrieben hast. Ich habe Z zuerst zu weit unten gehabt, aber dann gleich wieder ein bisschen raufgegeben.

            Es hat geklappt! Danke!

            Die Filament Probe ist aufgebraucht.

            Ich muss jetzt erstmal den Elefantenfuss wegschnitzen, aber soweit sieht alles gut aus.

            Ich würde beim nächsten Mal allerdings wieder ein bisschen runtergehen mit der Temperatur: In den Ecken habe ich zwischen den Perimetern kleine Lücken, die hatte es vorher nicht geben.

            LG, Hendrik

  • Ich schließe mich meinem Vorredner an!

  • Schöner Artikel mit guten Fotos. Sowas hätte ich am Anfang gebraucht.

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