Ausgescannt: Das Ende meiner 3D Scan Ambitionen

Eigentlich wollte ich da schon ewig nen Testbericht dazu tippen. Zum Shining 3D Einscan-S Structured Light Scanner. Aber konnte mich dann irgendwie nie dazu aufraffen. Inzwischen ist ein verbesserter Nachfolger angekündigt und damit das Beispielmaterial nicht komplett ungenutzt bleibt, hier mal kurz meine Gedanken zum (alten) Einscan-S

Der Einscan-S und sein Nachfolger / größeren Brüder nutzen die Structured Light Technik, bei der im Prinzip ein Beamer ein Streifenmuster auf das zu scannende Objekt wirft, dass dann von einer eingebauten Kamera wieder aufgenommen wird. Der bekannteste Vertreter dieser Technik sind die David Scanner, die jedoch gleich mal 3-mal so teuer sind wie die kleinen Einscans – und nicht mal einen Drehteller beinhalten. Auch erschien mir der Einscan S einfacher auf- und wieder abzubauen. Nun ist der kleine Einscan mit seinem Listenpreis von 1.200,- Euro selbst schon alles andere als günstig. Ne Menge Holz für etwas, das sich am Ende dann für mich nicht bewährt hat.

Von all den bisher getesteten 3D-Scannern (Laserlinien im Eigenbau, BQ Cyclop, Kinect, iSense), wäre die Structure Light Methode für meine Zwecke die am besten geeignete Methode. Mein Zweck sollte mal sein: das Scannen von Gegenständen bis so 20cm Größe zur Weiterbearbeitung (heh, ich Ahnungsloser) und späteren 3D-Druck. Darum teste ich auch keine Farbscans mit Texturen, die kann ich eh nicht drucken. (Mit ner Textur oben drauf sehen oft auch grottige Scans noch halbwegs aus.) Structured Light ist auch noch nicht perfekt, immer noch viel Drumherum notwendig, aber nicht mehr ganz so abhängig von korrekter Beleuchtung und äußeren Einflüssen wie die anderen, allerdings auch wesentlich billigeren Scanner bisher.

Die Einscan Scanner leiden vor allem an einer schrecklich grottigen Scansoftware, die nicht wirklich zuverlässig läuft (Win10 getestet). Immerhin hat die aktuelle Version der Software nun auch rudimentäre Bearbeitungsfunktionen und die Möglichkeit, die Scandaten als Punktwolke zu exportieren. Aber sie hängt sich immer noch sporadisch auf, Funktionen funktionieren mal einfach nicht mehr bis man es neu installiert, usw. und so fort. Schade eigentlich, denn den Scanner halte ich für ordentlich.

Der absolut größte Spasskiller beim Einscan-S ist jedoch der enorme Kabelverhau, der zum Betrieb benötigt wird. 2x USB, 2x Netzteil, Monitor Kabel und jetzt hab ich bestimmt noch was vergessen. Der Scanner beisst sich mt meiner ebenfalls per USB angeschlossenen Mess- & Ladetechnnik, da kann der Scanner wahrscheins nix für und für nen 2. PC nur fürs Scannen hab ich kein Nerv zu. So das ist jedesmal ein Akt, den betriebsbereit zu bekommen. Wer ihn irgendwo stationär irgendwo angeschlossen stehen lassen kann, nutzt ihn wahrscheins häufiger. Mir fehlt da der Platz dazu.

Weiterhin abtörnend: der Scanner muss als zusätzlicher Monitor an den PC angeschlossen werden. Und damit habe ich immer wieder Probleme, aus irgendeinem Grund ist mein Windows hirntot, wenn es um den Mehrschirm Betrieb geht: ich kann die Auflösung nicht richtig einstellen, auf einmal wird der Scanner zum Haupt-Bildschirm und ich sitze blind vor dem Rechner. Oder der Desktop Hintergrund scheint auf dem Scanner durch oder ein Fenster poppt auf dem falschen Schirm hoch und versaut mir den Scan oder ist nicht erreichbar für mich. Nervig ohne Ende.

Dieser Grund, der ständige Kampf im Mehrschirmbetrieb ist auch Schuld daran, dass ich niemals einen DLP SLA Drucker kaufen werde, zumindest nicht unter Win 10. Das passiert hier ohne Grund, ohne erkennbares Muster.. und genauso unerwartet wie der Spuk gekommen ist, geht dann plötzlich alles wieder normal. Dafür kackt dann die Einscan Software wieder ab. Im Moment liegt der EinScan-S im Schrank. Ungenutzt. Wenn ich nur den Kabelverhau sehe, krieg ich die Krise. Neben dran liegt ne Kiste mit Teilen, die ich irgendwann mal scannen will, wenn ich mich aufraffen kann, das mal wieder anzuschließen.

Wenn ich ehrlich bin, der EinScan-S war für mich ein Fehlkauf. Nicht weil der Scanner oder die Scanergebnisse schlecht wären. Nein, weils mir zu umständlich ist. Die neue Version des kleinen Einscan ist da ja etwas entschlackt und die Scanleistung sogar noch etwas erhöht worden. Das macht es dann vielleicht bequemer.

Hier mal ein paar Beispiele. Gescannt ohne auf irgendwas zu achten, schei.. auf richtiges Licht. Ohne Nachbearbeitung, ohne „Vorbereitung“ – ganz nach dem Motto: sowas kommt raus, wenn man ohne Ahnung und völlig unvorbelastet was da aufn Scanner legt.

Benchy

Zuvor schnell ausgedruckt in 0,2mm Schichten in weißen PLA. Das „Schlierenmuster“ kommt übrigens zum Teil schon vom Druck selber. Wieder mal sieht man, das „Löcher“ nicht korrekt erkannt und von der Software „irgendwie“ geschlossen werden. Der Kamin oben wieder mal mit falschen Proportionen. Kleine Artefakte. Aber im Grunde ist der Scan nicht komplett daneben. Damit könnte man was anfangen. Das Gefühl hatte ich bei meinen früheren Scanner Tests ja meistens nicht.

Die Uhu Plastik-Kleber Flasche

Viele Artefakte. Die Spitze weil das Objekt nicht vernünftig zentriert war auch wieder verzerrt. Das farbige Etikett der Flasche hinterlässt Spuren in der eigentlich glatten Oberfläche. Mit gehörigem Aufwand an Nacharbeiten könnte man damit vielleicht noch was anfangen, aber eigentlich ist das Ergebnis nichts.

Laserwasserwaage

Mit diesem Scan bin ich weitgehend zufrieden, die dunkelgraue und recht staubige Grundplatte hat er zwar etwas verunstaltet, aber mit dem Scan kann man durchaus was anfangen. Vergleicht das mal mit den Ergebnissen der anderen getesteten Scanner in meinen früheren Posts zu dem Thema…

Kombizange

Entweder bin ich besser geworden oder ich hatte zunehmend mehr Glück, aber auch mit dem Scan der Kombizange bin ich zufrieden, obwohl die Farbe des 2-Komponenten Griffs und der Metallkopf überhaupt sehr ungünstig waren. Ich denke, mit etwas Kreidespray hätte das sogar gut werden können.

Ein leichtes Grundrauschen sehe ich in allen meinen Scanversuchen.. und der größte Haken an der ganzen Scannerei ist: komfortable und einfach zu bediendende Software, um sowas Nachzubearbeiten habe ich nie gefunden. Genau wie STL Dateien sich nur beschissen nachbearbeiten lassen ist das halt auch mit den Scan Daten.

Ich meine: die 3D Scannerei ist noch nicht Massentauglich.

und ich bewundere alle jene, die mit Teils noch viel günstigeren Geräte teils echt großartige Ergebnisse hinbekommen. Ich gehöre da ganz eindeutig nicht dazu. Für mich kommt da nun ein Haken dran: Ausgescannt.

..und ein bissl frage ich mich, ob die ganzen Youtuber, die auch so ein Scanner bekommen hatten, nicht die selben Probleme haben und man deshalb nie wieder was zu dem Thema zu sehen bekommen hat. Nach dem Unboxing kam dann meist nix mehr. 😉

 

2 Kommentare

  • Ich hab jetzt nicht die große Ahnung davon aber das sieht gar nicht so schlecht aus! OK! im Verhältnis zum Preis würde ich möglicher Weise auch etwas mehr erwarten. Der Hauptknackpunkt ist wohl noch immer die Software und was die aus den Daten macht. Ich hatte mich mal an 123d Catch von Autodesk versucht. Transparente oder spiegelnde Oberflächen gingen gar nicht aber um eine Konstruktion in eine Werkhalle einzupassen war die Punktewolke recht hilfreich. Autodesk hat 123d inzwischen eingestellt aber es gibt ein neues Tool welches ReCap 360 heißt und ähnlich funktioniert. Aus vielen Bilder wird in der Cloud die 3D-Information generiert. Spezielle Hardware ist nicht erforderlich. Mit einer Bildbegrenzung von glaube 80 Bildern ist es frei nutzbar. Ich kann leider nicht nachsehen ob das jetzt so stimmt da ich als Autodesk-Kunde immer das Pro Packet angezeigt bekomme. Für bessere Ergebnisse hab ich mir mit dem Drucker ein Kalibriermuster als Unterlage für kleine „Scans“ erstellt. Damit kann ich das Teil anschließend auf die richtige Größe skalieren.

    Gruß Uwe

    • Ich denk mal die Scan Qualität des EinScan-S ist im Großen und Ganzen schon in Ordnung und wenn man sich da Mühe gibt, kommen da bestimmt sehr gute Scans mit rüber. Aber der Aufwand ist mir zu hoch. Aufwand in jeder Beziehung: Vom Anschaffungspreis über den Kabelverhau und die Einrichtung bis hin zur Nachbearbeitung. Ich hatte mir was erhofft, wo man in 10 Minuten nen brauchbaren Scan in den Händen hält. Da bin ich noch meilenweit weg von. 123d Catch bzw. 360recap hab ich nun schon öfters gehört, ich glaub, ich muss mir das jetzt doch mal anguggen.

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