Airbrush Starterset für 3D Druck

Bisher hab ich mich vor allzu großen Mal- und Lackierarbeiten an meinen 3D gedruckten Kunstwerke (*hust*) gedrückt. Nun fand ich es an der Zeit, doch mal in ein Airbrushset zu investieren, um die ganze Sache etwas aufzuhübschen..

Gleich vorne weg, ich bin was das Airbrushen angeht talent- und ahnungslos. Ich schildere hier meine Eindrücke im Versuch, das irgendwie selber „herbeizuwurschteln“. Um überhaupt mal irgendwomit anfangen zu können, habe ich mich für ein Komplettset aus billigen chinesischen Einzelteilen des deutschen Händlers Agora-Tec entschieden. Warum? Naja, kommen wir später dazu… Das Set hat den etwas umständlichen Namen:

Agora-Tec Airbrush PROFI-Set
Edition-2017-blue

und beinhaltet:

  • 4 Bar Kompressor AT-AC-04 (104,95 bei Amazon.de)
    mit 3 l Tank, Auto Start-/Stop, Wasserabscheider, Druckregulierung PSI & Bar Skala (und Modus zum Ausblasen oder sowas ohne Limitierung). Ich wollte unbedingt einen Kompressor mit Tank haben, das war kaufentscheidend. Wie sinnvoll das in der Realität ist weiß ich nicht, aber ich wollte das so. In der Hoffnung, dass der dann nicht non-stop durchackert. Ich bin mit dem Ding in der Tat sehr zufrieden, er ist zudem unerwartet leise. So ein 3 l Tank scheint aber in der Praxis nicht wirklich viel zu sein, er ist doch trotz Tank sehr oft am pumpen. Er liefert jedoch durchgehend immer stabil Luft, ohne Abweichungen im Sprühbild – wird aber recht heiß dabei. Der Kompressor ist meiner Meinung das Beste in diesem Set, den würde ich sofort wieder kaufen – auch einzeln, wenn ich selber was zusammenstellen würde. Es gibt ihn unter der Bezeichnung AS-186 oder Modell 186 auch von anderen „Marken“ zum selben Preis – zumindest sind die optisch identisch mit dem hier und AS-186 steht auch bei mir auf dem Typenschild.
  • großer, schwerer 13 cm Cleanpot Glasbehälter (29,95 bei Amazon.de)
    zum Aussprühen der Airbrush inkl. diverser Bürstchen, 200 ml Reiniger Marke Vallejo und son Reamer Ding – eine Reinigungsnadelschaberei (die ich bislang noch nicht benötigt habe). Also den Cleanpot möchte ich nimmer missen: etwas Reiniger in den Farbbecher, Airbrush in den Cleanpot rein halten und durchsprühen. Super easy und total praktisch. Den Pot einzeln gibts für 13,95 hier – würde meiner Meinung auch reichen. Nebenbei taugt er auch als Airbrush Halter. Son Teil kann ich jedem nur ans Herz legen. Das Bürstchengeraffel im Set.. nun ja. Wer weiß, vielleicht braucht mans ja echt mal, ich nutze nur das ganz dünne Bürstchen, um nach Entfernen der Nadel da innen ein bissl durchzuschrubben, aber kann jetzt nicht sagen, dass da viel bei rum oder weg kommen würde. Als Reiniger haben wir Plastikverformer ja meistens Isopropyl Alkohol rumstehen, das oder Fensterreiniger tuts meist auch, aber schaden tut die Pulle auch nicht.

Bissl Kleinkram

  • Ein etwas windschiefer Ständer AT-H-02 für 4 Airbrushes (Einzelpreis 13,95 bei Amazon.de). Naja, er tuts so halbwegs. Die Brushes hängen da so irgendwie drin, mehr schlecht als recht. 4 Saugnäpfe sollen ihn aufm Tisch halten aber bei mir wandert er wenn die Schläuche mit an den Pistolen dran hängen. Also ein Traum ist es nicht – aber besser als gar nix. Ich werd mir da selber was drucken, wozu haben wir schließlich 3D-Drucker..
  • 2x Textil-ummantelter Druckluftschlauch ATH-01 (in 3 m für 7,95 bei Amazon.de)
    Der is gut und lässt den Schlauch frei drehen.. ich hatte vor unzähligen Jahren schon mal ne Airbrush, da war der Schlauch fix und hat sich immer verdrillt, nervig ohne Ende. Gefällt, ist dicht und lang genug sind se auch.
  • 2x Schnellkupplung AT-QD-01 (einzeln 7,95 @ Amazon.de)
    Grundsätzlich ist so ne Schnellkupplung schon praktisch.. Schnell mal die Airbrush wechseln, oder selbst wenn man nur 1 Airbrush hat kann man immerhin Abstecken zum Putzen ohne Druckverlust. Die Qualität ist allerdings etwas mäßig, einer der 2 ist nicht ganz dicht wenn man etwas wackelt oder an den Schlauch kommt, der andere ist OK. Das wirkt ein bissl billig, ich werde es verkraften, deswegen reklamiere ich das Set jetzt auch nicht..
  • 3-fach Verteiler (7,95 bei Amazon.de)
    bis zu 3 Schläuche gleichzeitig an den Kompressorausgang. Jo, ok, ist wenn man so Schnellkupplungen hat auch irgendwie verzichtbar, aber was solls, lag mit im Paket, hab ich mal angeschraubt. Tut. Es gibt die auch etwas größer und mit Druckminderung für jeden Ausgang einzeln, das wäre glaub sinnvoller, aber eigentlich brauch ich den hier auch schon nicht.

Die 2 Airbrushes im Set

  • Airbrush AT-ADA-03-blue (einzeln 34,95 bei Amazon.de)
    Doubleaction, 0,2 mm Düse, 2 ml Becher, Feinregulierung Luftmenge, hinten noch’n total wackeliger Maximalanschlag für den Hebel, 2,7 Stecknippel für Schnellwechselkupplung.

    Edit: Ist gar nicht wahr, das is ein Schlauchanschluss, wenn man sich selber nen Schlauch ranbasteln will. Mit den fertigschläuchen im Set brauchts das nicht.

    Soweit so gut. Aber das Sprühbild.. hmm.. ich weiß nicht obs an mir liegt, aber umwerfend ist die Brush nicht, spritzt gerne unmotivierte Kleckser, is ned so gleichmäßig wie die andere im nächsten Absatz. (Nachtrag: wenn ich mir das heute so angugge, glaub ich die Nadelspitze ist krumm). Die „Luftkappe“ oder wie sich das nennt vorne mit ihren V-förmigen Einschnitten gefällt mir auch nicht wirklich. Ich krieg die nicht abgedichtet, um per „Backblow“ mal die Brush durchblubbern zu lassen, das find ich doof. An die Spitze komme ich auch nicht ran, falls dort Farbe angetrocknet ist, ein Q-Tip bleibt an den kratzigen Kanten hängen und zieht Flusen, also abschrauben, putzen, drauf schrauben, weiter. Und was mich tierisch nervt ist die Streichholzkopfgroße Winzigdüse, die umständlich mit so einem Mini Schlüssel montiert und gelöst werden muss und die ich mit meinen Fingern kaum greifen kann. Ich mach jede Wette, in kürzester Zeit hab ich entweder die Düse verloren oder deren Mini-Feingewinde gekillt. Fürs erste rumprobieren tuts das bestimmt, aber nochmal kaufen würde ich die sicherlich nicht. Mag ich nicht.

Na wo isse denn?

  • Noch’ne Airbrush: AT-AK-04 (29,95 @ Amazon.de), wieder Doubleaction. Aber diesmal mit 3 Düsen (und Nadeln) im Set: 0,2 mm, 0,3 mm & 0,5 mm. Wieder das selbe Ding mit der Minidüse. Ich benutze die  wegen der 0,5er Düse, die ich zum großflächigen Grundieren / Bemalen besser finde als die 0,2er der ADA-03 oben, aber alt werde ich mit der glaub auch nicht. Das 2 ml Becherchen halte ich für ne 0,5 mm Düse deutlich zu klein. Die Luftkappe lässt sich zum Durchblubbern gut mit dem Finger abdecken, ist allerdings auch dringend notwendig, denn alle 3-4 ml verstopft das Ding, egal wie dünn und egal welche Marke der Farbe. Bei Grundierung auch schon schneller (die anscheinend berüchtigten Vallejo Primer sind schon sehr mühselig mit der Brush). Also es geht schon, ist trotz des günstigeren Preises meiner Meinung die bessere Pistole im Set, das Sprühbild ist auch in Ordnung, aber so recht Spaß macht die Brush auch nicht.

Zum Komplettpreis von 199,- Euro.

Nur die Teile, die mir wirklich gefallen einzeln gekauft wäre ich auch bei 150,- Euro (Kompressor, Cleanpot mit den Bürstchen & Reiniger, Schlauch, Schnellverbinder).. also selbst wenn wir beide Brushes in die Tonne kloppen, ist der Preis immer noch akzeptabel. Und die AT-AK-04 zumindest is ja kein Komplettverlust.

Sinnvoller wäre es meiner Meinung, statt 2 so billiger Brushes für zusammen 65,00 eine einzelne, dafür etwas hochwertigere Brush in so ein Set rein zu packen. Agora-Tec geht jedoch eher den anderen Weg und packt lieber noch ein paar billig Brushes mehr rein und macht das Set dann noch teurer. Wenn ich da Sets mit 6 solcher Teile sehe, die dann 300 Euro Kosten…  Naja, trotz gefühlt 100 verschiedener Set Angebote auf Amazon mit immer gleichen Teilen in zig Kombinationen find ich jetzt einfach kein anderes, dass mir besser behagen würde. Bei Airbrush-City.de hatte ich auch mal geschaut, aber unter 200,00 auch ned fündig geworden. Mal kein Tank, mal kein Pot, dafür 3 Airbrushes denen ich eher wenig traue. Ob man im Einzelkauf wirklich billiger wegkommt habe ich angesichts der Beispielrechnung oben auch meine Zweifel.

Ich bin im Grunde recht zufrieden mit dem Kauf und sprühe da nun seit ein paar Wochen lustig in der Gegend rum. Da ist erst mal alles da, was man braucht und überwiegend brauchbar. Es kommt alles aus einer Quelle, es passt alles zusammen, es gibt einen Ansprechpartner in DE, falls es doch nicht passt. Wisst Ihr, wie nervend es sein kann, wenn man im Grunde keine Ahnung von dem Zeug hat und sich dann aus diverseren Einzelteilen ein funktionierendes Set zusammen stellen will, ohne zu wissen was man überhaupt braucht oder das G1/8 und 8mm (eigentlich 8,8mm) das Selbe sein soll, NW2.7 den komischen Nippel beschreibt, usw. Zumal die Artikelbeschreibungen in der Regel auch nicht wirklich weiter helfen. Da ist so ein Set absolut kein Fehler mein ich.

Anleitungen sind Mangelware bei Agora-Tec, beim Kompressor lag eine sehr lückenhafte englische Anleitung für den Kompressor bei, im Grunde sagt die aber nix. Eine echte Hilfe für nen Neuling ist sie sicher nicht. Zum Rest liegt entweder gar keine Anleitung bei, oder irgendwelche nicht mal zum Teil passende „china-english“ Fresszettel Marke „hätte man auch weglassen können“. Wer noch nie ne Airbrush nebst Kompressor hatte, schaut vielleicht mal ein bissl auf YouTube Tutorials..

Airbrushing und 3D Druck generell

Wer meint, er bekommt mit den gängigen Primern / Grundierungen für Airbrush die störenden Schichtlinien weg, der irrt. Das geht am ehesten noch mit 2-3 Schichten spezieller Füller-Primer aus der Dose – oder aber mit Beschichtungen wie SmoothOn XTC-3D [Blogpost dazu] oder Z-Poxy von der Konkurrenz oder ähnlichen Epoxydharzen, die allerdings ihre ganz eigenen Tücken haben. Oder eben ganz rückständig mit viel Muskelarbeit und einem schönen Schleifpapier-Set. Für ABS bietet sich ja noch Vaporsmoothing mit Aceton an, aber ich mag weder Aceton noch ABS. Polymaker scheint mit ihrem Isopropyl-Alkohol-Glätter Polysher und dem Spezial Filament Polysmooth zumindest hierzulande auch noch nicht zu Pott zu kommen. Ganz happy bin ich übrigens mit Revell Plasto Spachtelmasse zum Löcher oder tiefe Fugen/Risse füllen.

Hat man seine Oberfläche dann mal ausreichend glatt, dann ist mit Airbrushing und den wasserlöslichen Acrylfarben wunderbar zu werkeln. Auf eine Grundierung würde ich keinesfalls verzichten, ich hatte ohne Grundierung jetzt schon paar mal das Problem, dass die frisch aufgesprühte Farbe entlang der Schichtlinien bzw. der Druckbahnen wegläuft. Kann natürlich sein, dass ich insgesamt noch zu „nass“ sprühe – aber zu trocken ist auch nix. Mein Favorit als Grundierung ist übrigens die Revell AquaColor Base Color. Sprüht schön auch unverdünnt direkt aus der Flasche, deckt auch ordentlich und haftet gut auf PLA und auch Green-Tec, was anderes druck ich fast nie.

Auch wenn es etwas Übung braucht und ich immer wieder zum Pinsel für Details greife: Grundieren und Flächen einfärben geht schnell und bequem mit der Airbrush, von dem her kann ich das so schon sinnvoll einsetzen. Ob mein nicht vorhandenes Talent dann mal irgendwann noch zu mehr langt, wird sich mit der Zeit zeigen müssen. Aber im Moment kriegt das Experiment Airbrush von mir schon mal nen Daumen hoch. Und wenn gar nix geht, nehme ich das Ding zum Staub aus meinen PCs und Notebooks pusten 😉

Nochmal der Hinweis: ich bin talent- und ahnungslos.  Der Text basiert auf etwa 4 Wochen Learning by Pfusching im Selbststudium. Meine Meinung über das Set kann sich nächsten Monat durchaus wieder ändern. Ich werds dann hier editieren / ergänzen.

 

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